Die feinen Unterschiede im digitalen Gender-Marketing

Das Konsumverhalten von Männern und Frauen ist facettenreich und unterscheidet sich teilweise sehr. Nun bringen die Studien einiger Online-Unternehmen neue Details ans Tageslicht. Shop-Betreiber könnten davon profitieren und ihr Gender-Marketing umstellen.

Wie sich Männer und Frauen beim Online-Shopping verhalten, das hat vor Kurzem das Hamburger Modeunternehmen „Heypaula“ untersucht. Die Ergebnisse könnten das zukünftige Gender-Marketing enorm beeinflussen. Dass Frauen heute in einem Haushalt über mehr als 80 % der Konsumausgaben entscheiden, ist schon länger bekannt. Sie sind aber auch kauffreudiger als Männer. Laut der Heypaula-Studie wird jedes dritte Kleidungsstück für Herren von Frauen erworben. Das gilt insbesondere für Hemden, Hosen, Pullover und T-Shirts. Für Marcel Brindöpke, den Geschäftsführer des Modeunternehmens, hängt das mit dem Wunsch nach Abwechslung zusammen, der bei Frauen deutlich ausgeprägter sei. Diese Experimentierfreude dränge sie dann dazu, auch den Stil ihrer Männer häufiger zu wechseln. Damit wird ein weiterer Unterschied zwischen den zwei wichtigsten Zielgruppen bekannt. Die neuen Erkenntnisse der Heypaula-Studie könnten daher die Shop-Betreiber dazu verleiten, ihre Werbemaßnahmen und Portalgestaltung stärker an dem Konsumverhalten der Frauen auszurichten, selbst dann, wenn es um Herrenkleidung geht.

Die feinen Unterschiede im digitalen Gender-Marketing

Gender-Marketing – geschlechtstypische Rollenbilder beim Konsum

Die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Konsum- und Kaufunterschiede bezeichnet man in der Businessbranche als Gender-Marketing. Dabei meint das englische Wort gender nicht das biologische Geschlecht, sondern gesellschaftlich geprägte Rollenmuster von Männern und Frauen. Da Produkt- und Dienstleistungsanbieter sich vor allem für die Verhaltensformen im Bereich des Konsums interessieren, richten sie ihre Vermarktung an diesen spezifischen Rollenmustern aus. Für die E-Commerce-Branche gewinnt dieser Marketingbereich zunehmend an Bedeutung, weil Shop-Betreiber umso besser auf die jeweiligen Zielgruppen eingehen können, desto mehr sie über ihre Konsum- und Kaufgewohnheiten wissen. Das betrifft traditionelle Kaufhäuser genauso wie Online-Anbieter, denen die Webseite gutschein.de weitere Erkenntnisse liefert. Ihrer eigenen Studie zufolge sollen Frauen online öfter einkaufen als Männer, die nur nachts und dann lediglich in einzelnen Stunden häufiger shoppen. Darüber hinaus nutzen Frauen öfter das Smartphone und beginnen früher damit, nach Weihnachtsgeschenken zu suchen.

Geschlechtsspezifische Vermarktung im Netz

Diese neuen Details könnten in der E-Commerce-Branche zu einigen Optimierungsmaßnahmen führen. Da Frauen öfter online shoppen, teilweise für ihre Männer den Kleidungskauf übernehmen und dabei häufiger das Smartphone gebrauchen, macht es Sinn, die mobilen Webseiten und den Kundenservice stärker nach ihren Bedürfnissen auszurichten. Bei der Vermarktung von Herrenkleidung könnten daher 360-Grad-Ansichten, Produktvideos oder virtuelle Anproben ein Bedeutung gewinnen, weil Frauen für Haptik und Optik empfänglicher sind. Sie haben darüber hinaus ein größeres Kommunikationsbedürfnis und schätzen den Dialog. Diese Vorlieben könnten Kleidungsanbieter dazu nutzen, auf ihren mobilen Webseiten schnellere Kontakt- und Rückmeldungsmöglichkeiten zu schaffen. Auch die sogenannten Search-Results-Pages (SRPs) müssten sie wohl optimieren, weil Frauen anders als Männer nicht linear, sondern spiralförmig shoppen und öfter vergleichen, bevor sie den Kauf abschließen. In Sachen Herrenmode wäre es deshalb angebracht, auf den SRPs mithilfe entsprechender Algorithmen die Vergleichsmöglichkeiten zu verbessern.

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Eugen (Redakteur)

Eugen Zentner ist freier Redakteur, dpa-infocom.



Kategorien: Onlinehandel allgemein

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