Amazon trollt Pegida und führt Propaganda-Song ad absurdum

Pegida – eine diffuse Protestbewegung, die zu Beginn Zehntausende mobilisieren konnte, war noch im Sommer zu einer kleinen Gruppe dauerprotestierender wütender Bürger geschrumpft. Auch der von den Initiatoren der Bewegung mobilisierte niederländische Rechtspopulist Geert Wilders konnte Pegida kein neues Leben einhauchen. Seit Oktober spielt aber nun die Flüchtlingskrise den Organisatoren beim Versuch, aus einer diffusen Protestbewegung eine rechtspopulistische Strömung mit Zukunft zu machen, in die Hände.Amazon trollt Pegida und führt Propaganda-Song ad absurdum

Wirre islamophobe Motive und Einstellungen, fehlende fundamentale Kenntnisse von Politik und Demokratie, gepaart mit Bildungsneutralität und Erkenntnisresistenz führen dabei zur aggressiven Artikulation diffuser Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern, Ausländern und Muslimen, sowie Hass- oder Hetzreden, die sich auch gegen die politischen und medialen Eliten der Bundesrepublik richten.

Wie man es aus vergangenen Zeiten kennt, wird all das auch in wirren Druckschriften und Liedern ausgedrückt. Musik war und ist eines der wichtigsten Propagandamittel für die rechte Szene – zudem ein Millionengeschäft.

Seit 21. Dezember wird bei verschiedenen Internetportalen, so auch bei Amazon, dementsprechend die so genannte Pegida Hymne „Gemeinsam sind wir stark!“ für 1,29 Euro zum Download angeboten (Update Jan.16: Titel ist nicht mehr bei Amazon gelistet). Amazon wurde prompt vorgeworfen, Pegida eine Plattform zu bieten – darauf hat Amazon reagiert und beweist subtilen Humor. Unter der Überschrift „Amazon hilft“ schreibt Amazon auf der Seite des Pegida-Songs: „Die Erlöse von Amazon aus dem Verkauf dieses Songs gehen an eine gemeinnützige Organisation zur Unterstützung von Flüchtlingen.“ Klasse, das sitzt!

Teilweise lesenswert sind 1.179 Kommentare, die in den letzten Tagen abgegeben wurden, wie beispielsweise:

„Leider funktioniert das Produkt nicht. Ich habe das Lied mehrfach mit meinen Freunden angehört, leider wurden wir weder stärker noch deutscher. Es hilft auch nicht gegen Islamisierung. Allerdings stellten sich direkt beim ersten Hören qualvolle Ohrenschmerzen ein. Wir dachten zu Anfang, es ist so eine Art Muskelkater, aber es lag wohl doch nur an der schlechten Qualität der Produktion.

Es harmoniert wunderbar zu billigem (aber bitte deutschem) Bier (…) . Weiterhin stellen sich nach „Genuss“ des Produktes starke Halluzinationen ein. Überall sieht man Gefahr und Bedrohung, die sich bei nüchterner Betrachtung nur als der Döner-Verkäufer von nebenan erweist, mit dem man vor einiger Zeit noch gut ausgekommen ist. (…)“

Ich empfehle gegen diese Art von Halluzinationen die Songs von großen Bands, die sich gegen Neonazis und Rassismus engagieren, wie auf dem 2014 erschienen CD-Sampler „Kein Bock auf Nazis“ (leider momentan vergriffen). Mit dabei waren unter anderem Die Toten Hosen, Die Ärzte, Beatsteaks, Kraftklub, Donots, Fettes Brot, Deichkind, Marteria, Broilers und ZSK. Die Künstler wollen mit der Aktion gemeinsam ein Zeichen gegen rechte Gewalt und rassistische Hetze gegen Flüchtlinge setzen.

Auch einen Lesetipp hätte ich noch: „Böse Gutmenschen: Wer uns heute mit schönen Worten in den Abgrund führt“.

In diesem Sinne wünsche ich ein gutes Jahr 2016!

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Frank Weyermann
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