Alibaba kauft Traditionszeitung: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

pakt-mit-dem-teufelInternet trifft Print zum zweiten Mal. Im August 2013 hatte Amazon CEO Jeff Bezos die renommierte Zeitung Washington Post für 240 Millionen Euro gekauft, nun kauft Jack Ma von Alibaba die Honkonger Traditionszeitung South China Morning Post (SCMP) für 242 Millionen Euro.

Der Kauf der 112 Jahre alten Hongkonger Zeitung durch einen chinesischen Konzern wie Alibaba treibt Kritikern Sorgenfalten auf die Stirn – es werden Ängste über die Unabhängigkeit des Blattes wach, zumal die Zeitung bisher als eines der wenigen kritischen Medien zu China bekannt ist.

Die Ängste scheinen auch durchaus berechtigt, wenn man die Aussage von Alibaba-Vizechef Joseph Tsai anschaut:

 „…westliche Medien sehen China durch eine besondere Brille. … Viele für westliche Medien arbeitende Journalisten dürften mit dem Regierungssystem in China nicht übereinstimmen und das färbt ihren Blickwinkel der Berichterstattung. … Wir sehen die Dinge anders.

Trotz dieser offensichtlichen Kritik an den westlichen Medien beteuern die neuen Besitzer zwar, die Unabhängigkeit wahren zu wollen, wünschen sich aber eine andere Berichterstattung als in westlichen Medien. Dementsprechend wird die Richtung, in die Alibaba die Zeitung steuert in einem offenen Brief in der SCMP so beschrieben:

China ist wichtig. China ist eine aufsteigende Wirtschaft, es ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. … Die Welt solle mehr über China lernen. … Die Berichterstattung sollte ausgewogen und fair sein“.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Alibaba kauft Traditionszeitung: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Besonders viel weiß man bis heute nicht über Jack Ma, den Gründer von Alibaba, dessen Vermögen auf etwa 22 Milliarden Dollar geschätzt wird. Aufklärung über Mas Führungsstil und in seine Gedankenwelt gibt zum ersten Mal Porter Erisman in seinem aktuell erschienen Buch „Alibaba’s World“ mit dem Untertitel „How a remarkable Chinese company is changing the face of global business.“

Er denkt typisch chinesisch in ganz anderen Zeitspannen. Mindestens 80 Jahre soll Alibaba bestehen, so dachte Jack Ma zu Beginn des Konzernaufbaus. Später berichtigte er diesen Zeitraum auf 103 Jahre. Warum aber ausgerechnet 103 Jahre? Alibaba wurde 1999 gegründet. Wenn es sich mindestens 103 Jahre halten könne, würde es also auch noch im 22. Jahrhundert bestehen.

Auf den legendären jährlichen Kick-Off-Zusammenkünften, die wegen der enormen Mitarbeiterzahl inzwischen im Stadion von Hangzhou stattfinden, fallen Sätze wie: „Wir wollen mit Taobao nicht nur den größten Marktplatz Chinas schaffen, sondern den größten der Welt.“ Oder: „Eines Tages werden wir größer als Wal-Mart sein. Einige werden denken, wir sind verrückt.“

Als Ma im Sommer des Jahres bei einem Mittagessen mit dem Economic Club of New York seine Vision für die Zukunft des Unternehmens vorgestellt hatte, versuchte er immer wieder seinen Zuhörern die Furcht vor einer eventuellen Herrschaft des chinesischen Handelsriesen auf dem amerikanischen Markt zu nehmen: Doch keinem der Zuhörer dürfte entgangen sein, dass die Veranstaltung im chinesischem Besitz befindlichen New Yorker Hotel Waldorf Astoria stattfand… .

Erisman, der Autor von „Alibaba’s World“ erinnert sich, dass Ma in den ersten Jahren häufig den sagenhaften Intel-Mitgründer Andy Grove zitierte: „Nur die Paranoiden überleben.“

Und die Washington Post?

James Marcus, der einer der ersten Amazon-Mitarbeiter war und Kenner von Bezos ist, erklärte gegenüber der New York Times, dass Bezos Pläne für die Washington Post seien, sie für das digitale Zeitalter neu zu erfinden. Andere wiederum hatten spekuliert, dass der Amazon-Boss die Washington Post nur deshalb gekauft habe, um seinen bereits beachtlichen Einfluss und den von Amazon in Washington zu erhöhen.

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Frank Weyermann
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