Großinvestor Carl Icahn verkauft eBay-Anteile setzt vollständig auf PayPal

Carl Icahn, der bekannte und gleichermaßen umstrittene Großinvestor, hat seine eBay-Aktien veräußert. Er beteiligt sich nun in gleicher Größenordnung am Online-Bezahldienst PayPal. Der umstrittene New Yorker Milliardär hält nun 46,3 Millionen Anteilscheine und damit etwa 3,8% an PayPal.

Der US-Milliardär hatte Anfang 2014 eine Beteiligung von knapp 1% an eBay erworben. Er verfolgte damit die Absicht, dass eBay PayPal abspalten solle. PayPal war nach der Trennung von eBay im Juli 2015 als eigenständiges Unternehmen an der Börse gestartet Am ersten Tag des PayPal-Börsenhandels wurde das Unternehmen mit etwa 50 Milliarden bewertet. Davor hatte Icahn, der für seinen angriffslustigen Eingriff in Management-Fragen bekannt ist, Druck auf eBay für die Abspaltung der Bezahltochter gemacht.

Icahns Begründung, wonach die beiden Konzerne als eigenständige und getrennte Einheiten mehr wert seien, als in einem gemeinsamen Unternehmensverbund, nahmen auch viele andere eBay-Anleger immer mehr an. PayPal verzeichnete auch immer ein deutlich stärkeres Wachstum als eBay in seinem Kerngeschäft, dem Marktplatz. Inzwischen notiert PayPal höhere Quartalsumsätze und auch bei der Nutzer-Zahl ist PayPal weit vorne. Hinsichtlich des Ertrages aber hat eBay die Nase vorn.
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Wie der tagesspiegel.ch feststellt, überwiegen aber bei Beobachtern die Zweifel mit Blick auf die geschäftlichen Aussichten von eBay. Der Konzern stehe vor einer ähnlichen Ausgangslage wie 2002, als er sich mit der Akquisition von PayPal neue Wachstumsfelder erschließen wollte.

Aber heute stelle der sich weiterhin stark ausdehnende Internetgigant Amazon ein großes Hindernis dar. Ferner machten neu gegründete Internet-Unternehmen eBay das Vorankommen schwerer. Der Konzern habe sich überdies von einem geringeren Kundenzulauf auf seiner Plattform noch nicht erholt. Sollte eBay in nächster Zeit zu einem Übernahmeziel werden, wäre das keine große Überraschung, so der tagesspiegel.ch.

Ungewiss sind aber auch die längerfristigen Überlebenschancen von PayPal als eigenständigem Konzern. Nicht, weil PayPal gegenüber den Mitbewerbern in Verzug zu geraten droht, sondern eher weil der Dienst technologisch führend ist und über ein enormes Wachstumspotential verfügt. Google und Alibaba, so Kenner, dürfte PayPal schon längst interessieren, um sich so bei digitalen Bezahlsystemen einen Konkurrenzvorteil zu sichern. Das könnte auch mit ein Grund dafür sein, dass Carl Icahn seine PayPal-Beteiligung behalten hat.

Großinvestor Carl Icahn setzt nun vollständig auf PayPal

Großinvestor Carl Icahn setzt nun vollständig auf PayPal

Käme es wirklich so weit, wäre das der ganz besondere Abschluss für Icahn. Bereits mit seinen eBay-Papieren hat Icahn nicht schlecht Kasse gemacht. Zwischen seinem Einstieg Anfang 2014 und dem PayPal-Spin-Off im Juli 2015 notierte er eine Wertsteigerung um 11%. Zwar liegen die PayPal-Aktien gegenwärtig leicht unter dem Level ihres Handelsdebüts, doch würde eine gewiss nicht geringe Übernahmeprämie immer noch zu einem gewinnbringenden Kursgewinn verhelfen. Und: Icahn die PayPal-Aktien kostenfrei erhalten: Pro eBay-Papier ein äquivalentes von PayPal im Rahmen der Abspaltung.

Das Kapitel eBay scheint für den Großinvestor komplett beendet zu sein. Das Thema PayPal vielleicht auch bald.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Andere Unternehmen, Börse, Quartalszahlen, Bezahldienste

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