Zalando liefert – Besteller ignorieren die Rechnungen

Anfang August berichtete onlinemarktplatz.de, dass Zalando mit Kunden kämpft, die ihre Rechnungen erst nach langen Mahnverfahren bezahlen oder erst gar nicht begleichen. Zalando machte aber auch deutlich, dass man an den kundenfreundlichen aber inkasso-erschwerenden Rücksende- und Bezahlregelungen festhalten will.

In Zalandos Hauptmarkt Deutschland hat der Kunde beim Rechnungskauf 14 Tage Zeit die Artikel zu bezahlen. Wenig üblich bietet Zalando auch den meisten Neukunden an, die Ware erst nach Lieferung zu bezahlen. Im Vergleich zur Vorkasse bedeutet der Rechnungskauf jedoch höhere Zinskosten und ein bedeutendes Ausfallrisiko.

Jetzt kam ein solcher Fall der Zahlungswilligkeit von Zalando-Kunden an die Öffentlichkeit:

Zalando hat von Juni 2014 bis Juni 2015 962 Bestellungen in einem Gesamtwert von 181.188,75 Euro (andere Medienberichte berichten von 120.000 Euro) in ein saarländisches Flüchtlingsaufnahmelager versandt. Von diesen Bestellungen wurden bis Mitte Juni 2015 ein Drittel nicht bezahlt. Die Bestellungen, vor allem exquisite Schuhe, Bekleidung und Koffer, gingen immer auf Rechnungskauf. So berichtet das Handelsblatt.

Zalando hat nun bei der Polizeiinspektion Lebach Anzeige gestellt  und die Staatsanwaltschaft  wegen des Verdachts auf Betrug die Ermittlungen aufgenommen.

41 der Verdächtigen sind noch in Lebach, bis auf fünf Personen leben alle im Lager. Sie sollen 365 Bestellungen im Gesamtwert von 68.554,85 Euro ausgeführt haben. 59 „Kunden“ sind nach Vermutung der Staatsanwaltschaft schon wieder in ihr Heimatland zurückgegangen. Ihnen werden 262 Bestellungen im Wert von 51.000 Euro zur Last gelegt.

Bei 335 Bestellungen aus der Flüchtlingsunterkunft sind die Ermittler bis dato noch ratlos. Die bei Zalando angegebenen Namen seien im Melderegister nicht verzeichnet, und nicht einer habe auch nur die Ähnlichkeit mit einem der Namen der 2.500 registrierten Flüchtlinge in Lebach. Staatsanwalt Christoph Rebmann sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass es sich hier um erfundene Namen handeln könnte oder es nicht-registrierte Personen seien.

Mit Flüchtlingen habe das Ganze nichts zu tun…, so ein  Zalando-Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel. Schwierigkeiten beim Bezahlvorgang habe man schon vor wenigen Monaten öffentlich bekannt gemacht (s.o.).  Man habe mehr Leuten eine Zahlung via Rechnungskauf angeboten, als man es hätte tun sollen. Gauner in ganz Deutschland hätten das ausgenutzt.

Zalando will seine bejahende Haltung bezüglich Flüchtlingen und Asyl auch nach diesem Ereignis nicht ändern. Die von Zalando übernommene Modemesse Bread & Butter wird wie schon berichtet, erst im Sommer 2016 stattfinden und nicht wie geplant im Januar 2016. Stattdessen plant Zalando Anfang des Jahres 2016 eine Charity-Veranstaltung für Flüchtlinge. Zalando sagte die Messe ab, da die Gebäude in Berlin als Registrierungsstelle oder für die Unterbringung von Flüchtlingen  genutzt werden sollen.


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