Poststreik zeigt immer noch Nachwirkungen für Web-Händler

Offiziell beendet ist der Poststreik nun seit etwa 4 Wochen, aber viele kleinere internet-Händler leiden immer noch darunter. Sie klagen über Engpässe und negative Folgen.

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Es gebe Händler, bei denen ganze Tageslieferungen verloren gegangen seien. Man wisse auch nicht, wo diese sich befänden, so Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel. Die Bestellungen seien der DHL übergeben worden, doch seien sie seit dieser Zeit nicht mehr auffindbar. Der Status der im Netz einsehbaren Sendungsverfolgung bleibt seit Wochen gleich. Die Pressesprecherin der Deutschen Post, Anke Blenn, räumt ein, dass vor allem in Berlin einige Pakete noch nicht ausgeliefert wurden.

Bei manchen Sendungen bestehe noch Klärungsbedarf. Wirkliche Klarheit darüber, ob Pakete fehlten, habe man erst dann, wenn alle übrigen Sendungen ausgeliefert seien.
Von dem Problem besonders betroffen sind solche Online-Händler, deren Web-Shops über Nachnahme ihre Waren veräußern. Kommt das Paket nicht beim Kunden an, dann bezahlt dieser es auch noch nicht. Diese Vorleistung bringt jetzt einige Händler in Bedrängnis, auch wenn das Nachnahme-System im Vergleich zu anderen Bezahlarten weniger oft vertreten ist, als das das Vorkasse-Modell.

Doch auch für Web-Shops, die erst nach Zahlungseingang die Ware verschicken, brachte der Poststreik teilweise kuriose Resultate: Manche Kunden bekamen ihre Bestellungen auch ohne Bezahlung. Da sie zunächst die Ware orderten und bezahlten, gab der Händler diese ordnungsgemäß an die DHL weiter. Dort blieb aber vieles aufgrund des Streiks liegen. Manche Kunden widerriefen dann ihren Kauf und bekamen ihr Geld zurückerstattet. Dann jedoch lieferte DHL trotzdem noch aus. eBay hat bestätigt, dass es dieses Problem vermehrt gab, aber hierfür die Kommunikation mit dem Kunden verändert habe.

„Die Kunden, die in der letzten Zeit widerrufen haben, werden aktiv darauf hingewiesen, die Ware entweder zu bezahlen oder sie zurückzuschicken“, so Prothmann. Der Käufer hat natürlich generell die Pflicht, nach seinem Widerruf die Ware zurückzusenden, auch wenn diese erst nach ausgesprochenem Widerruf bei ihm ankommt.

Die Auktionsplattform eBay, über die Kunden auch via Sofort-Kauf-Option bestellen können, schützt aktiv seine Verkäufer. Das Unternehmen löscht negative Käuferbewertungen auf den Bestellseiten der Händler, wenn diese mit verspäteten Lieferzeiten oder nicht erhaltener Ware zusammenhängen.
DaWanda hingegen berichtet, dass dessen Händler fast keine Probleme gehabt hätten. Ein Vielzahl Verkäufer sei nach Ankündigung des Poststreiks auf andere Versanddienste umgestiegen, so Claudia Helming, Geschäftsführerin von DaWanda. Ein schneller Umstieg ist aber nicht immer für alle Händler möglich: Das von den Versandservices geforderte Liefervolumen können Kleinhändler oft nicht einhalten. Andere wollten schließlich aus Solidarität zu den Streikenden nicht zu den schlechter bezahlenden Mitbewerbern wechseln.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Logistik, Versender, Onlinehandel allgemein

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