Zalando: Zögerlich zahlende Kunden bereiten Schwierigkeiten

Viele Zalando-Kunden bezahlen ihre bestellten Waren nur sehr zögerlich, weshalb der Online-Modehändler unter Druck gerät. Zalando wächst rasant, doch kann die Gewinnentwicklung mit dem Umsatzanstieg anscheinend nicht mithalten. Im zweiten Quartal 2015 rechnet Zalando mit einem bereinigten Betriebsergebnis (EBIT) zwischen 22 und 37 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 35 Millionen Euro gewesen. Grund für die ungenaue Vorhersage ist offenbar die Zahlungsmoral der Zalando-Kunden.

Der Konzern kämpft damit, dass Kunden ihre Rechnungen erst nach langen Mahnverfahren oder gar nicht begleichen. Besserung ist nicht in Sicht, denn Zalando will an ihren kundenfreundlichen aber inkasso-erschwerenden Retouren- und Bezahlregelungen festhalten.

Zalando: Zögerlich zahlende Kunden bereiten Schwierigkeiten

Im Hauptmarkt Deutschland hat der Kunde beim Rechnungskauf 14 Tage Zeit die Ware zu bezahlen. Im Vergleich zur Vorkasse bedeutet das höhere Zinskosten und ein beachtenswertes Ausfallrisiko. Je lockerer die Zahlungsbedingungen, desto größer ist andererseits auch die Lust der Kunden, im Internet einzukaufen. Der Umsatz von Zalando stieg von April bis Juni um 33 bis 35% auf 727 bis 738 Millionen Euro.

An der Börse wurden die vorläufigen Zahlen mit deutlichen Kursverlusten quittiert. Doch ist Zalandos Inkasso-Problem kein Einzelfall in der Internet-Branche. So berichtet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) regelmäßig darüber, dass in erster Linie der Online- und Versandhändler unter der mauen Zahlungsmoral der Kundschaft leiden würden, gefolgt von Wohnungsvermietern, Energieversorgern und Fitnessstudios.

Normalerweise haben die Unternehmen jedoch Systeme ins Leben gerufen, um notorischen Zahlungsverweigerern Bestellungen zu erschweren. So verlangen einzelne Händler in ihren Orderschablonen von den Kunden, dass diese bei der Online-Bestellung den Abgleich ihrer Personalien gestatten. Im Hintergrund prüfen Datenbanken rasch, ob es den Auftraggeber überhaupt gibt, ob er bislang immer ordnungsgemäß bezahlt hat und ob er sich die Bestellung leisten kann. Tauchen Widersprüche auf, wird der Rechnungskauf erst gar angeboten. Solche Vorsorgeprogramme haben jedoch auch Nachteile.

So kann es vorkommen, dass ein langjähriger Kunde nach einem Umzug auf einmal bei seinem Web-Shop im Voraus zahlen muss, obwohl dies bisher immer einwandfrei per Rechnung funktionierte. Grund sind dann Auskünfte der angeschlossenen Wirtschaftsauskunft, die unter der neuen Postleitzahl des Kunden viele Zahlungsausfälle aufgezeichnet hat und das Risiko plötzlich anderes bewertet.

Ob und wie Zalando in Zukunft bummelnde Kunden abfangen will, ist nicht klar. Die endgültigen Quartalszahlen will Zalando am 13. August 2015 veröffentlichen.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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