eBay und PayPal agieren jetzt als getrennte Unternehmen

2002 kaufte eBay den Bezahldienst PayPal für 1,5 Milliarden Dollar. Am Montag, den 20. Juli 2015 gehen dann die beiden Unternehmen nach 13 Jahren wieder getrennte Wege. PayPal dürfte dann bei den Börsianern beliebter sein als eBay, denn das Unternehmen hatte zuletzt mit Wachstumsproblemen zu kämpfen.

Den beiden neuen Konzernen schlägt sehr unterschiedliche Stimmung entgegen. PayPal galt bereits in der Vergangenheit als Wachstumsmotor und leuchtender Stern des Konzerns  und die Investoren freuen sich auf die Unabhängigkeit.

Das Kalkül der Anleger ist: Entweder sie generieren Erträge dadurch, dass PayPal hemmungslos die Neuordnung der Bezahlwelt voran treibt, oder sie schlagen Kapital aus einer eventuellen Übernahme von eBay durch einen Käufer. Oft genannt wird hier die Handelsplattform Alibaba, besonders für eBay.

eBay und PayPal agieren jetzt als getrennte Unternehmen

eBay und PayPal agieren jetzt als getrennte Unternehmen

PayPal dürfte auf jeden Fall mit einem deutlich größeren Gewicht an der Börse starten als das restliche Business von eBay. Die Projektionen in einem inoffiziellen Markt gingen in Richtung eines Börsenwerts von 45 Milliarden Dollar für PayPal und  mehr als 30 Milliarden Dollar für das „neue“ eBay. Als Vorstufe wurden den bisherigen eBay-Aktionären nach Handelsende vergangenen Freitag Aktien von PayPal zugeteilt.

Der Grund der höheren Signifikanz von PayPal liegt vor allem im unterschiedlichen Wachstumstempo, was sich auch in den Ergebnissen des letzten gemeinsamen Quartals vor der Abspaltung zeigte. Die Nettoerlöse von PayPal wuchsen um 16 % auf 2,26 Milliarden Dollar. Das eBay-Geschäft mit seinen Marktplätzen ging dagegen um 3% auf gut 2,1 Milliarden Dollar zurück.

Auch bei der Entwicklung der Userzahlen hat PayPal trotz eines Abklingens in Vergleich zu vergangenen Jahren klar  die Nase vorn.

Augenfällig ist auch wie unterschiedlich sich die beiden Konzernteile auf ihre Autarkie vorbereiteten. PayPal macht mit Zukäufen mobil. Nach dem Handels-Dienstleister Paydiant wurde jüngst das auf Internet-Überweisungen spezialisierte Startup Xoom akquiriert. Und der künftige PayPal-Finanzchef Patrick Dupuis sagte, dass die Kriegskasse von 6,6 Milliarden US-Dollar für weitere Übernahmen verwendet werden könnte. Indessen versuchen allerdings auch die deutschen Banken, einen eigenen PayPal-Rivalen zu entwickeln.

Devin Wenig, der zukünftige eBay-CEO hat jedoch andere Probleme: „Unsere absolute Priorität ist es, unsere Wettbewerbsposition zu verbessern und auf lange Sicht stabiles profitables Wachstum zu erzielen“.

eBay habe viel Arbeit vor sich, er werde gegebenenfalls auch zu „harten Entscheidungen“ kommen, so Wenig. Zuletzt wurde aufgeräumt, der Anteil von 28% an der Internet-Anzeigenbörse Craigslist wurde verkauft, das eBay-Geschäft mit Unternehmenskunden, eBay Enterprise mit Mangento ging für 925 Millionen Dollar an Finanzinvestoren. Der niedrige Kaufpreis machte eine Wertberichtigung von fast 800 Millionen Dollar erforderlich, die den Gewinn des gesamten Konzerns auf dünne 83 Millionen Dollar schwinden ließ.

Als eBay im Sommer 2002 PayPal für 1,5 Milliarden Dollar kaufte, sah die Hierarchie noch ganz anders aus. Damals war der Plan, dass ein eigener Bezahldienst die Durchführung von Geschäften besonders auf der eBay-Auktionsplattform einfacher gestalten sollte. PayPal entwickelte jedoch eine enorme Eigendynamik, die weit über die eBay-Plattform hinausging. Die Erlöse auf der eBay-Plattform machten zuletzt lediglich noch 22% des Business aus.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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