Amazon Prime Day – Mission erreicht?

Als Amazon CEO Jeff Bezos im Februar 2005 das Prime Programm einführte, wurde er ausgelacht. Einige Kunden hielten das 79 Dollar-Programm für zu teuer und die Analysten stuften die Aktien des Unternehmens herab, weil sie befürchteten, dass Amazon nie in der Lage sein würde, Geld damit zu verdienen.

Mehr als 10 Jahre später halten sich die erzielten Gewinne von Amazon noch immer in Grenzen, aber Prime hat deutlich an Zugkraft gewonnen. Am 15. Juli 2015 feierte Amazon dann seinen 20. Geburtstag mit dem Prime Day – und veräußerte an diesem Tag mehr Artikel, als am bisher verkaufsstärksten Tag, dem Black Friday. Weltweit testeten mehr neue Mitglieder Prime als jemals zuvor an einem einzelnen Tag in der Amazon-Geschichte. In den Nationen, in denen Prime angeboten wird, haben Kunden 34,4 Millionen Produkte bestellt, das entspricht 398 Stück pro Sekunde.

John McKenna beleuchtet den Prime Day in seinem Bericht auf seekingalpha aus verschiedenen Perspektiven.

Für Amazon war der Tag ein voller Erfolg, wie Orderzahlen und das Verbraucher-Engagement bewiesen.

Amazon Prime Day - Mission erreicht?

Amazon Prime Day – Mission erreicht?

Für das Empfinden mancher Kunden war der Prime Day ein frustrierendes Angebot, denn die besten Angebote waren mittags bereits ausgelaufen und die angebotenen Produkte erinnerten eher an einen Flohmarkt, denn die Angebotenen Produkte waren oftmals wenig attraktiv.

Wie also lautet das offizielle Urteil zum Prime Day?

Während Hard Sales-Daten nicht verfügbar sind und die neuen Prime Abonnenten-Zahlen vage mit „Hunderttausende“ angegeben werden, gibt es immer noch genügend Informationen, um die wahre Geschichte der positiven und negativen Seite des Prime Day zu darzustellen.

Das Ziel des Prime Days lag darin, eine Shopping-Aktion zu präsentieren, die größer als der Kult-Black Friday ist. In Bezug auf die Bestellungen hat das mit einer Verkaufssteigerung von 18% im Vergleich zum  Black Friday 2014 auch funktioniert. In Bezug auf Umsatz, Amazon veröffentlichte keine offiziellen Zahlen hierzu, hat die unabhängige Analyse von ChannelAdvisor gezeigt, dass der Prime Tag in den USA 97% der Verkäufe vom letzten Black Friday und 60% der Verkäufe von Cyber ​​Montag aufwies. Das deutet auf Einnahmen zwischen 750 Millionen und 1 Milliarde Dollar alleine aus dem amerikanischen Markt. Obwohl weit entfernt von Alibabas Singles Day, war der Prime Day, wenn die europäischen Vertriebszahlen hinzukommen, aus der Umsatzsicht ein voller Erfolg.

Der vermeintliche Verkaufserfolg des Prime-Tags könnte ein wenig dadurch geschmälert werden, dass viele der meistverkauften Artikel wenig attraktive Ware, wie Nahrungsmittelvorratsbehälter und Mikrofaser-Handtücher waren. Die wenigen attraktiven Produkte waren nicht ausreichend im Angebot vorhanden, sodass sie der Nachfrage nicht standhalten konnten. Der Mangel an attraktiven Angeboten für Hardware sowie das reichhaltige Angebot an unspektakulärer Ware nährt den ursprünglichen Verdacht, dass der Prime Tag weniger deshalb stattfand um Amazons 20. Geburtstag zu feiern, als bislang nicht verkauftes Inventar zu ermäßigten Preisen anzubieten und effizient die Amazon-Lager zu räumen.

In einer Umfrage, durchgeführt in den USA, erklärten 50% der US-Kunden vom Prime Day enttäuscht gewesen zu sein. Viele Beschwerden gab es bezüglich der Auswahl und einem Mangel an Kunden-Support, als die Verkäufe in der Elektronikkategorie zu schnell beendet wurden. Amazon gab bekannt, dass über 47.000 Fernsehgeräte und 41.000 Bose Kopfhörer über die virtuelle Ladentheke ginge und lobte auch die hohen Verkäufe von iRoombas und Herr der Ringe DVD-Boxen.

Sobald der Prime Day offiziell gemacht wurde, war die Kernfrage wie viele neue Abonnenten sich für Amazon Prime anmelden werden, um am Aktionstag teilnehmen zu können. Das ist wichtig für Investoren, weil Prime Mitglieder konsequente Einnahmen generieren, unabhängig von Tagen wie Black Friday oder Prime Day, was in der Regel zu profitablen Quartalen führt. Amazon sagte „Hunderttausende“ neue Mitglieder hätten sich für die kostenlose Testversion registriert. Andere wiederum hätten ihre Mitgliedschaft reaktiviert. Während die offiziellen Zahlen bis zum Ende des dritten Quartals nicht bekannt werden (wo man auch erfährt, wie viele der 30-Tage Testversion-Kunden zahlende Mitglieder wurden), kann man sicher sagen, dass mehrere zehn Millionen Dollar an zusätzlichen Einnahmen erzielt wurden. Für ein traditionell „langsameres“ Quartal im Online-Verkauf, ist das sowohl ein Zeichen für ein starkes Quartal für Amazon als auch ein Weg, um Schwung in die Ferienzeit zu bringen.

Trotz der eher schlechten Rückmeldungen waren die Amazon-Verkäufer von den Ergebnissen des Prime Days begeistert, da sie in der Lage, Waren in einem traditionell eher „schläfrigen“ Quartal kräftig zu verkaufen.

Noch wichtiger ist aber, dass Amazon bekanntgegeben hat, dass der Prime Day zu einer jährlich wiederkehrenden Einrichtung werden soll. Das kann bedeuten, dass im Laufe der Zeit auch bekanntere Marken und hochwertigere Produkte angeboten werden – und Amazon genügend Kindles und Fire-Produkte zur Verfügung stellt. Zusätzliche Prime Registrierungen bieten Amazon eine riesige, neue Einnahmequelle, was mit den traditionell niedrigen Margen nicht möglich ist.

Während die Zweifler wahrscheinlich nicht beruhigt werden konnten, insbesondere, weil im Grunde weniger eindrucksvolle Angebote bewegt wurden, kann Amazon sich selbst auf die Schulter klopfen und hat etwas worauf der Konzern auch im kommenden Jahr  bauen kann – den Prime Day 2016.

Amazon-Sprecherin Julie Law wollte zu aktuellen Zahlen nichts sagen. Sie nannte den Prime Day eine „kalkulierte Business-Kosten-Aktion“.

„Wir wissen, dass die Aktion auf kurze Zeit gesehen für uns kostspielig ist, aber wir wissen auch, dass es für unsere Kunden großartig ist.“

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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