Medienkonsum verändert sich: Streaming-Dienst Netflix auf Erfolgskurs

„Binge-Watching“, „Cord-Cutting“ und „On-Demand“ sind die derzeit prägenden Ausdrücke im Bewegtbild-Konsum. Die Bedürfnisse der Nutzer verändern sich. Sie wollen nicht vorgegeben bekommen, wann sie was schauen können. Außerdem gelten die unzähligen Digitalkanäle längst als quantitativ zwar reichhaltig, dafür als qualitativ aber eher dürftig aufgrund der großen Zeitfenster, die täglich gefüllt werden wollen.

Online-Videodienste profitieren von dieser Entwicklung. Das US-amerikanische Unternehmen Netflix ist im ersten Quartal dieses Jahres um fast fünf Millionen Nutzer gewachsen – das bedeutet eine Million mehr Zuschauer als erwartet worden war.

Netflix hat inzwischen 62 Millionen Kunden weltweit – 4,9 Millionen mehr als noch vor drei Monaten. Grund für das rasante Wachstum ist vor allem die internationale Expansion sowie der Erfolg von Eigenproduktionen, beispielsweise der Serie „House of Cards“, die nicht nur fabelhafte Kritiken bekommen hat, sondern auch die breite Masse vor die Bildschirme zieht. Selbst US-Präsident Obama ist bekennender Fan der Polit-Serie.

Netflix ist inzwischen in 50 Ländern außerhalb der USA aktiv, seit vorigem Herbst auch in Deutschland. In diesem Frühling kamen Australien und Neuseeland hinzu. Bis Ende 2016 will der Dienst weltweit erreichbar sein.

Die Anleger reagierten begeistert auf den unerwartet hoch ausgefallenen Zuwachs: Die Aktie legte nachbörslich zeitweise um fast zwölf Prozent zu. Der Kurs steuert damit auf einen Höchststand bei über 530 Dollar zu. Netflix plant einen Aktiensplit.

Die Bilanz könnte sogar noch besser sein. Der erstarkte Dollar sorgt dafür, dass Gewinne, die im Ausland erzielt werden, nach der Umrechnung nominal geschmälert sind. Während der Gewinn in den USA um 50 Prozent auf mehr als 300 Millionen Dollar (umgerechnet 280 Millionen Euro) stieg, steht unterm Gesamtgeschäft inklusive Ausland ein im Jahresvergleich 50 Prozent geringerer Gewinn von nur knapp 25 Millionen Dollar.

Für die Zukunft dämpft der Streaming-Dienst jedoch die Erwartungen: Im laufenden Quartal erwartet die Firma ein langsameres Wachstum mit 2,5 Millionen zusätzlichen Kunden. Um die internationale Präsenz auszubauen, will Netflix weiter kräftig investieren und rechnet deshalb im Auslandsgeschäft mit einem Verlust von 100 Millionen Dollar.

Der Aufstieg von Video-on-Demand-Plattformen krempelt die Medienlandschaft um. Pay-TV-Firmen verlieren vor allem bei den jüngeren Kunden, die vom Fernseher auf Laptops, Smartphones und Tablets umsteigen, an Boden.

In Anbetracht dieser Entwicklung sind die Ankündigungen vieler Internet-Anbieter, eine DSL-Bremse einzuführen, besonders pikant. Wie bei Mobilfunkverträgen mit Internetzugang üblich, wird das schnelle Surfen begrenzt, wenn ein bestimmtes Datenvolumen überschritten wird. Anbieter wie 1&1 werben daher in ihren Verträgen sogar offiziell mit dem Angebot „endlos surfen ohne Drosselung“.

Ein Blick auf den Markt lässt vermuten, woher diese Entwicklung kommt. Viele der Großkonzerne, die den Kabel-TV-Markt dominieren und derzeit aufgrund von Online-Streaming Kunden verlieren, sind ebenfalls die Big Player des Internet-Markts. Wenn auf der einen Seite Profit verlorengeht, muss er eben anderswo wieder erschlossen werden. Einfache Wirtschaftslogik.

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