E-Commerce auch im Automobilhandel auf dem Vormarsch

Seit einigen Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Autoverkauf und Ankauf vom E-Commerce ausgeschlossen sei. Als Grund wird häufig der Einfluss der Händler angegeben. Das geht auch aus einem Bericht des Manager-Magazins hervor. Aufgrund der hohen Steuern, die die Händler zu entrichten haben, setzen diese ihre Macht immer wieder ein, um den Onlinehandel zu unterlaufen. Ein beliebtes Instrument ist die Marge, die Vertriebler den Händlern im Gegenzug zusprechen. Nichtsdestotrotz hat sich der E-Commerce auch in der Automobilbranche mittlerweile durchgesetzt. Erkennbar ist dies unter anderem an den viele Gebrauchtwagenportalen, die sich im Internet finden, sowie anhand der Zahlen, die diese Studie kürzlich veröffentlich hat.

Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein deutliches Bild

E-Commerce auch im Automobilhandel auf dem Vormarsch

Gerade Ersatz- und Zusatzteile werden im Internet gekauft. Pixabay © DomenicBlair (CC0 Public Domain 1.0)

Einer älteren Datenerhebung zufolge haben in den Jahren 2011 und 2012 bereits rund 7 Millionen Autofahrer ihre Ersatzteile, Reifen oder anderes Zubehör im Internet erstanden. Die Tendenz ist steigend, denn die Studie ergab, dass im Jahre 2014 rund 6,5 Millionen Autofahrer das Internet dafür nutzten. Des Weiteren besagt eine Prognose aus den USA, dass die Zahlen des Online-Umsatzes bis 2018 auf 51,6 Milliarden US-Dollar steigen werden. Zum Vergleich: Die gleiche Umfrage gibt an, dass der Umsatz im Jahre 2012 lediglich 23,3 Milliarden US-Dollar betrug. Entsprechend ist die Aussage einer Inkompatibilität zwischen E-Commerce und Automobilindustrie schlicht nicht korrekt. Im Gegenteil, die Zahlen werden in nächster Zeit permanent steigen und der Einfluss der Händler nach und nach zurückgehen. Darüber hinaus bestätigen Experten in der Studie eine Zunahme des Verkaufs von Ersatzteilen in den kommenden Jahren. Die Kanäle des Onlinehandels sind vielfältig. So setzen Händler für KFZ-Teile unter anderem vermehrt soziale Netzwerke ein, um den E-Commerce zu nutzen. Grundsätzlich setzt der Handel in Deutschland hauptsächlich Social Media ein, um Werbung für die Shops zu machen oder um das Produkt- beziehungsweise Tutorialvideos zu verbreiten.

Auch Gutachten und Autoankauf bereits im E-Commerce angekommen

Personen, die ihren PKW privat verkaufen möchten, können dies inzwischen auch über das Internet machen. Dabei sollte der Wert von unabhängigen Gutachtern ermittelt werden, um einen gerechtfertigten Preis für das Fahrzeug verlangen zu können. Die Anbieter können über das Internet angefordert werden. Allerdings gibt es auch Standorte in einigen deutschen Großstädten, beispielsweise in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, München oder Köln. Gerade beim Verkauf eines Fahrzeuges über das Internet sollte der Inhaber lediglich seriöse Interessenten in Betracht ziehen. Häufig bieten diese Unternehmen zusätzlich die Abmeldung des Fahrzeugs an, sodass sich der Inhaber nicht um weitere Behördengänge kümmern muss. Dies ist bei anderen Ankäufern, die beispielsweise durch Visitenkarten auf sich aufmerksam machen, nicht der Fall. Entsprechend ermöglicht der Verkauf über das Internet einen fairen Preis des Fahrzeugs, dessen Abmeldung sowie eine schnelle Abwicklung des Geschäfts.

E-Commerce im B2B-Bereich

Die herkömmlichen Autohändler befürchten Verkaufseinbußen

Die herkömmlichen Autohändler befürchten Verkaufseinbußen.
Pixabay © reverent (CC0 Public Domain 1.0)

Der Onlinehandel umfasst nicht nur auf das Verhältnis zwischen Händler und Kunden, ebenso die Vernetzung der Zulieferer, Händler und Hersteller stehen in diesem Zusammenhang. Auch hier gibt es Entwicklungen zu verzeichnen. So bieten die großen Automobilhersteller zentrale Internetbestellsysteme an, bei denen der Vertragshändler das Fahrzeug für den Kunden bestellen kann. Diese Käufe können nur mit einem Zugang zu einem internen Datennetz getätigt werden. Die Vernetzung zwischen den Unternehmen, Zulieferern und Händlern sind jedoch komplexer. So sind die Autohäuser an Vertragspartner gebunden. Diese beziehen meist ebenfalls Produkte lediglich von festgelegten Firmen. Die Kooperationen sind vertraglich gebunden, sodass die Händler und Vertragswerkstätten nicht zwischen den günstigsten Teilen im Internet vergleichen können, sondern die Materialien ausschließlich von ausgewählten Zulieferern beziehen können. Entsprechend bestehen festgelegte Schnittstellen zwischen den verschieden Akteuren im B2B-Bereich. Ein freier E-Commerce ist hier also erst dann möglich, wenn diese Schnittstellen umgangen werden können, sprich keine Vertragspflichten mehr zwischen den einzelnen Akteuren bestehen. Allerdings ist die Betrachtung des E-Commerce als reinen Handel über das Internet sehr eng definiert. Stattdessen sollten hier zusätzlich Online-Banking, elektronischer Autokauf, die Erbringung von Serviceangeboten sowie jeder weitere Geschäftsablauf, der der Digitalisierung und besonders der Vernetzung zwischen den Akteuren unterworfen ist, berücksichtigt werden.

Beispiele für diese Entwicklung

Firmen wie beispielsweise BMW verwenden bereits die neuen Vertriebswege. So bietet der Hersteller nicht nur den Verkauf über die normalen Handelspartner, sondern ebenfalls anhand eines Customer Interaction Centers (CIC) sowie über eine Online-Vertriebsplattform an. Doch nicht nur der Fabrikant aus Bayern nutzt mittlerweile den E-Commerce. Auch die Konkurrenz hat den Trend erkannt. Früher war es lediglich möglich, im Internet das Auto zusammenzustellen, sprich zwischen Farbe, Design, Leistung und Innenausstattung auszuwählen. Der eigentliche Kauf erfolgte weiterhin über den Händler. Inzwischen hat sich dies jedoch geändert, denn neben BMW bieten beispielsweise auch Mercedes oder Audi den Kauf von Fahrzeugen über das Internet an. Gerade Mercedes, die lange Zeit als Rentnermarke bezeichnet wurden, versuchen durch den Verkauf bestimmter Modelle ausschließlich über das Internet, neue und jüngere Kunden für sich zu gewinnen. Audi geht noch weiter und hat einen Cyberstore eingerichtet, der die Fahrzeuge in einem Online-Showroom zeigt. Durch eine professionelle Inszenierung soll der Kauf der Fahrzeuge noch weiter vorangetrieben werden. Nichtsdestotrotz sind die Verkaufszahlen in Deutschland vergleichsweise gering, obgleich eine wachsende Tendenz erkennbar ist. Entsprechend hat sich E-Commerce ansatzweise in der Automobilindustrie etabliert und wird sich in der nahen Zukunft noch weiter durchsetzen.

Social-Commerce anhand von Bewertungen ebenfalls auf dem Vormarsch

Der Social-Commerce, eine besondere Form des E-Commerce, hat sich in Teilen ebenfalls etabliert. Dies ist an den vielen Bewertungssystemen erkennbar, an denen sich die Verbraucher orientieren können. Auch die Online-Fahrzeugmärkte, die schon seit einigen Jahren bestehen, decken nicht mehr nur den Gebrauchtwagenmarkt ab, sondern sind auch bei Neuwagen inzwischen als Vergleichsplattform etabliert. Dabei geht es nicht nur um die Bewertungen der Fahrzeuge, sondern vielmehr um die der Händler. Diese Tendenz, die bereits in vielen Facetten des Internethandels nachvollziehbar ist, findet auch in der Automobilbranche immer mehr Unterstützer.

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Frank Weyermann
Betreiber der Seite onlinemarktplatz.de und und Inhaber von die-datenwerkstatt.de.

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