Ticket-Händler CTS Eventim im Visier der Kartellwächter

Wer Tickets im Internet bestellt, kommt um CTS Eventim nicht herum. Musicals, Konzerte, Theater oder Sportveranstaltung – das Angebot des Ticket-Händlers ist gewaltig. 100 Millionen Eintrittskarten für 200.000 Veranstaltungen vermarktet Eventim europaweit pro Jahr. Eigenen Berichten zufolge macht der Serviceanbieter mit 1800 Mitarbeitern damit rund 630 Millionen Euro Umsatz. Nun hat das Bundeskartellamt ein Prüfverfahren gegen den Marktführer im Eventgeschäft eingeleitet. Der Verdacht: Eventim könnte seine Marktmacht missbraucht und Veranstalter unter Druck gesetzt haben.

Schaut man sich im Internet nach Eintrittskarten für Deutschlands berühmtestes Musical „Disneys der König der Löwen“ um, findet sich der Ticket-Gigant Eventim neben der Online-Enzyklopädie Wikipedia und der Veranstalterseite von Stage Entertainment unter den ersten Suchergebnissen. Wer kleinere Wettbewerber im Ticketgeschäft sucht, muss sehr viel weiter runterscrollen. Auch Anbieter wie Musicals.news führen Ticket für Disneys Löwenspektakel, aber Eventim ist unangefochtener Brachenführer. Doch eine gute Marktposition allein ist noch kein Vergehen. Vielmehr sind es Geschäftspraktiken der CTS-Eventim, die nun das Kartellamt auf den Plan gerufen haben. So heißt es in Branchenkreisen, die Behörde prüfe, ob das Unternehmen durch die Kontrolle über verschiedene große Spielstätten Druck auf Veranstalter ausgeübt habe, den Verkauf von Eintrittskarten über Eventim abwickeln zu lassen.

Details zu dem Verfahren nannte das Kartellamt nicht. Man habe jedoch umfangreiche interne Unterlagen abgefordert. Zudem sollen Ticketdienstleister, Veranstalter und Verantwortliche in den Veranstaltungsstätten befragt werden. Im Zentrum der Ermittlungen steht der Vorstandsvorsitzende der CTS Eventim Klaus-Peter Schulenberg. Dieser weis alle Anschuldigungen zurück: „Wir sind Technologie- und Innovationsführer, und können uns daher gegenüber unseren Wettbewerbern häufig durchsetzen- und genau das ist die Natur des freien und fairen Wettbewerbs. Unlautere Methoden wenden wir nicht an.“ Dem Unternehmer zufolge seinen die rechtlichen Rahmenbedingungen jederzeit eingehalten worden.

Doch nicht nur die kartellrechtliche Untersuchung setzt Schulenberg unter Druck. Auch die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Gründer und Mehrheitsaktionär von CTS Eventim. Schulenburg steht im Verdacht, während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einen DFB-Manager bestochen und 52.000 Tickets auf dem Schwarzmarkt platziert zu haben. Dabei sollen Millionenbeträge in die Taschen des Unternehmers geflossen sein.

In der Kritik steht Eventim zudem bei der Verbraucherzentrale NRW. Ende 2014 mahnten die Verbraucherschützer Verkaufspraktikern des Tickethändlers bei der „AC/DC-World Tour 2015“ ab. Rechtlich unzulässig bot Eventim die begehrten Eintrittskarten lediglich via Lastschrift oder Kreditkarte an. In beiden Fällen kassierte das Unternehmen hohe Bearbeitungsgebühren. Vorgeschrieben ist jedoch, dass Verbrauchern mindestens eine kostenlose Zahlungsmethode zur Verfügung gestellt werden muss.

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Frank Weyermann
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