Apple Pay bald auch in Europa am Start

Apple scheint den Marktstart seines Bezahldienstes Apple Pay auch in Europa, Indien, Afrika und dem Mittleren Osten in Angriff nehmen zu wollen. Das Gerücht wird genährt durch ein Stellenangebot des Technologiekonzerns Apple. Aus diesem ist zu ersehen, dass Apple zurzeit Mitarbeiter sucht, um die Ausdehnung von Apple Pay anzutreiben. Das für den Standort London ausgeschriebene Inserat suchte einen Mitarbeiter, der den Start von Apple Pay in Europa begleiten soll.

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„Es würde mich wundern, wenn es schnell gehen würde“, so Zahlungsverkehrsexperte Oliver Hommel von der Unternehmensberatung Accenture gegenüber welt.de. Grund seiner Skepsis sind die EU-Pläne, die Gebühren bei Kartenzahlungen zu beschneiden. Denn genau hier liegt auch das Zentrum in der Geschäftskette, an der auch Apple mitverdienen will.

Genauer gesagt geht es um die Verarbeitungsgebühren, die Kreditkarten-Unternehmen und Banken von den Einzelhändlern fordern. In Zukunft sollen diese Gebühren bei Kreditkarten höchstens 0,3% des Kaufpreises ausmachen dürfen, bei EC- und anderen Bankkarten 0,2%. Für Apple Pay könnte das zu einem Hindernis in Europa werden. Das Geschäftsmodell könne unter den neuen eingerichteten Bedingungen in Europa nur schwer funktionieren, so Hommel.

Nach derzeitigen Informationen will Apple von den Banken und Kreditkarten-Firmen eine Gebühr von 0,15% des Zahlbetrags. Der wäre nach den bevorstehenden Regeln 50% derer Erlöse bei Kreditkarten-Zahlungen und sogar drei Viertel bei Bankkarten. Es sei „nicht leicht vorstellbar“, dass die europäischen Institute sich darauf einlassen könnten, sagt Hommel.

Das Kernproblem sei, dass der Verteilungsspielraum in der Wertschöpfungskette durch die geplante Regulierung außergewöhnlich eingeschränkt wird. Alle, die als Mittler handeln, wären davon betroffen: Zahlungsabwickler haben weniger Luft, noch etwas etwa an Telekom-Anbieter, Apple oder Google abzutreten.

Die Eckpunkte wurden beim Europaparlament mit Vertretern der 28 EU-Mitgliedstaaten festgemacht. Der Plan muss noch von der Volksvertretung und dem EU-Ministerrat förmlich bestätigt werden.

In den USA, wo Apple Pay im Oktober 2014 an den Start ging, gibt es Hinweise auf einen guten Marktstart von Apple Pay. Apple CEO Tim Cook teilte mit, dass sich in den ersten drei Tagen eine Million Kunden bei Apple Pay anmeldeten. Seither jedoch gab es wenig detaillierte Informationen. Auch McDonald’s erklärte lediglich, dass 50% der kontaktlosen Zahlungen per NFC-Funk im November über Apple Pay abgewickelt worden seien. Genaue Zahlen gab es hier jedoch auch nicht.

Eine Verband großer amerikanischer Einzelhändler, die im Konsortium MCX zusammengeschlossen sind und Pläne für ein eigenes Smartphone-Bezahlsystem haben, schaltete das kontaktlose Bezahlen per NFC in ihren Läden ganz ab. Die zusammengeschlossenen amerikanischen Einzelhändler hoffen nun auf ihre Marktmacht, unter ihnen ist der Supermarkt-Riese Walmart. Sie wollen den Bezahlprozess mit den dabei entstehenden Daten selbst regulieren. Ihre aktuelle Lösung mit Codes, die man einscannen muss, kommt bisher jedoch komplizierter daher als das Apple-Pay-Verfahren. Hier muss der Verbraucher nur seinen Finger auf den iPhone-Sensor legen.

Angeblich soll Apple Pay in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 in Großbritannien sein Marktdebüt feiern wie The Telegraph berichtet. Apple verhandelt angeblich mit britischen Banken, doch herrscht bei diesen noch große Skepsis. In ihren Augen sammelt Apple zu viele Daten seiner Nutzer.

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Ellen (Redakteur)

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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