Rückgang aktiver Händler bei Amazon Österreich

Aus einer einer aktuellen Studie des deutschen EHI-Instituts über den E-Commerce in Österreich geht hervor, dass 2013 die Zahl der österreichischen Online-Händler, die unter anderem ihre Waren über Amazon verkaufen, von 36,4% auf 23,6% zurückgegangen ist.

Sascha Berens, Studienautor und EHI-Projektleiter für E-Commerce sieht den Grund dafür in der Erhöhung der Verkaufsgebühren für Händler im April 2013. Es lohne sich für viele einfach nicht mehr, auf Amazon Waren zu veräußern, denn die Gebühren würden die gesamte Gewinnspanne auffressen.

Bei den Zahlen müsse man allerdings auch bedenken, dass von 2012 auf 2013 einige neue Händler hinzugekommen seien. Die jedoch nutzen Amazon weniger als schon länger existierende Händler. Durchaus üblich sei aber, dass Händler, die selbst einen Web-Shop betreiben, ihre Artikel auch über große Marktplätze wie Amazon oder eBay anböten, um ihre Reichweite zu vergrößern.

Amazon Österreich verzeichnet 2013 weniger Händler die auf der Plattform verkaufen

Das sei eine nicht unumstrittene Strategie, wie Handelsexperte Gerrit Heinemann vom eWeb Researchcenter erklärt: „Ich empfehle Händlern, sich das fünfmal zu überlegen, bevor sie ihre Ware auf Amazon anbieten, weil Amazon immer Eigeninteressen verfolgt. Jeder Handelspartner füttert Amazon an, der Algorithmus filtert Informationen heraus, zum Beispiel über Abverkaufsstrategien, die für Amazons Geschäft mit dem Eigensortiment nützlich sind.“

Jedoch zeigt eine Studie der Wirtschaftskammer über den Internet-Handel mit Mode- und Freizeitartikeln, dass es fast unmöglich ist, online mit den großen Konzernen auch nur annähernd in Konkurrenz zu treten. „The winner takes it all“, sagt WU-Handelsexperte Peter Schnedlitz. Wenige große Spieler wie Amazon oder eBay, generieren das Gros des Umsatzes.

Der Großteil der Einzelhändler erziele mit den Web-Shops gerade einmal 100.000 Euro an Umsatz. Damit würden normalerweise gerade einmal die Werbekosten eingespielt.

Ein Online-Shop sei demzufolge nicht für alle Händler die optimale Lösung. Online-Präsenz brauche es aber auf jeden Fall: „Eine professionelle Homepage ist die Visitenkarte des Händlers“, sagt Schnedlitz. Sinnvoll sei es für die meisten aber, die Kunden über den Online-Auftritt durch Gutscheine, Aktionen und Neuigkeiten ins Geschäft zu locken, anstatt online zu verkaufen.

Amazon ganz meiden sollten die Händler jedoch auch nicht, so Heinemann. Eine Lösung könne sein, dass sich kleinere Händler regional zu Online-Kooperativen vereinen, um damit Kosten zu sparen. Ein Vorteil solcher Kooperationen sei, dass Filialisten oft näher am Kunden dran seien als die Warenlager von Amazon.

Wie relativ Umsatzzahlen online sind, zeigt das EHI-Ranking der erfolgreichsten Web-Shops in Österreich 2013. Als einer der wenigen rein österreichischen Händler war Ditech auf Platz sieben ganz vorne mit dabei – mit einem Netto-Umsatz von 37,7 Millionen Euro. Im Frühjahr 2014 ging der Elektrohändler in Konkurs. Umsatzwachstum und Gewinn sind also auch im E-Commerce zwei Paar Schuhe.


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