Allen Unkenrufen zum Trotz – Amazon macht sehr wohl Profit!

Es gab gerade in der Vergangenheit viele Diskussionen über die Mängel Amazons, dem fallenden Aktienkurs und wie es ist, ein Schneeballsystem zu sein. Jedes Jahr beginnt Amazon mit dem gleichen Einstieg in seinem Jahresbericht. Er beginnt mit einem Jahresrückblick von CEO Jeff Bezos. Er erklärt welche Entwicklungen das Unternehmen gemacht hat und worauf er im kommenden Jahr gespannt wartet. Danach wendet er sich an die Investoren und verweist auf einen Brief an die Investoren, der seit 1997 regelmäßig versandt wird.

Anstatt Amazon als EIN Unternehmen zu sehen, sollte man es als Hunderte von kleinen, einzelnen Startups betrachten

Das sind die wichtigsten Aussagen des Investorenbriefs:

  1. Wir werden fette anstatt schüchterne Investitionsentscheidungen treffen und zwar solche, die eine ausreichende Wahrscheinlichkeit haben, die Marktherrschaft zu gewinnen. Einige dieser Investitionen werden sich auszahlen, andere nicht, und wir werden in jedem Fall weitere wertvolle Lektion lernen.
  2. Wenn wir gezwungen sind, zwischen der Optimierung unseres GAAP-Ausweises (Rechnungslegungsmethode in den USA) und der Maximierung des Barwerts der zukünftigen Cashflows zu entscheiden, werden wir die Zahlungsströme nehmen.
  3. Wir werden unseren Fokus auf das Wachstum legen, mit Schwerpunkt auf langfristige Rentabilität und Kapitalmanagement.  Wachstum wird immer Priorität haben, weil wir glauben, dass das der Maßstab ist unser Geschäftsmodell erfolgreich zu gestalten.
  4. Ein grundlegendes Maß für unseren Erfolg ist der Aktionärswert, den wir langfristig schaffen. Dieser Wert ist ein direktes Ergebnis unserer Fähigkeit unsere aktuelle Marktführerschaft zu erweitern und zu festigen.
  5. Je stärker unsere Marktführerschaft ist, desto mächtiger wird unser Wirtschaftsmodell sein. Marktherrschaft führt direkt zu höheren Einnahmen, höherer Rentabilität, größerem Kapital und entsprechend zu stärkeren Renditen auf das investierte Kapital.

Diese vier Punkte verkörpern das, was das Unternehmen ausmacht. Vor allem der Punkt der Entscheidungen für Investitionen hat klare Priorität. Und durch den Misserfolg, den das Fire Phone dem Konzern bescherte, wird trotzdem klar: Das Unternehmen scheiterte in seiner Investitionen, aber es hat einen sehr mutigen Schritt getan.

Das Unternehmen hatte konsequent einen positiven Cashflow, hatte immer Geld und selten Schulden.

Die dritten und vierten Punkte, der Fokus auf Wachstum und Marktführerschaft, treffen im Grunde die gleiche Aussage. Das langfristige Wachstum ist das, was Amazon ausmacht. Der Fokus liegt auf Jahren und Jahrzehnten und nicht in Quartalen. Jeff Bezos ist der Auffassung, dass, wenn die Marktführerschaft größer wird, Amazon bessere Verkaufsangebote bieten kann. Das erhöht die Margen und das erzielt Gewinne.

Eugene Weiein, Ex-Amazon Verantwortlicher und Autor des Buches „Der Allesverkäufer: Jeff Bezos und das Imperium von Amazon“, traf es sehr gut mit seiner Aussage:

„Ein unrentables Geschäftsmodell ist eines, bei dem es zwei Dollar kostet ein Glas Limonade herzustellen, dass man dann für einen Dollar am Limonadenstand verkaufen muss. Wenn man aber ein Glas Limonade für zwei Dollar verkaufen kann und es kostet nur ein Dollar in der Herstellung, dann passt es. Und wenn man dann entscheidet, dass das Geschäft so lohnend ist, einen Limonadenstand an jeder Straßenecke weltweit aufzubauen, sodass man es sich schließlich leisten kann, die Menschheit in den Weltraum zu schießen oder in der Freizeit mal eben einen Zeitungsverlag zu kaufen und es erfordert, all die Gewinne in den Kauf von Zitronenfeldern und Limonadenstand- Franchises an jeder Straßenecke zu investieren, das klingt nach sehr viel, aber es klingt nicht nach einer gemeinnützigen Organisation.“

Häufig haben die Menschen von Profit eine Fehlvorstellung

Oft hieß bereits: Amazon macht keinen Gewinn. Aber genau das ist der große Mythos über das Unternehmen. Es ist nicht, dass das Unternehmen keine Gewinne macht, denn es macht viel Profit. Vielmehr wählt das Unternehmen den Weg den Nettogewinn zu minimieren. Es werden Investitionen getätigt und in das Business-Modell eingebracht.

Machte der Konzern keinen Profit, wäre er nicht in der Lage, einen positiven Cash-Flow haben.

Anstatt Amazon als EIN Unternehmen zu sehen, sollte man es als Hunderte von kleinen, einzelnen Startups betrachten

Jedes ist in einem anderen Stadium, zum Teil noch im frühesten Reifeprozess. Zum Beispiel Amazons Buchgeschäft, es ist die älteste und eines der reifsten. Und trotz der Gerüchte, dass Amazon mit Büchern keinen Gewinn mache, lebt das Unternehmen tatsächlich ziemlich gut von ihnen. Einige Bücher werden mit Verlust verkauft, ja, aber die überwiegende Mehrheit wird zum regulären Preis angeboten.

Warum Amazon keine Nettoerträge im Quartalsabschluss berichtet, ist einer einfachen Tatsache geschuldet: Wenn Amazon Gewinn generierte, müsste der Konzern US-Einkommensteuer zahlen. Das Geld hätte man dann nicht mehr, um es in neuere Startups zu investieren.

Amazon expandiert in sehr lukrative Bereiche und aktuell läuft es  gut. Über die nächsten Jahre hinweg wird der Internet-Riese sich mehr und mehr zu einem B2B-Business entwickeln und weniger ein Retail-Geschäft sein.


Beitrag teilen: