Amazon Beschäftigte klagen gegen eigenen Betriebsrat

Neben den Unstimmigkeiten innerhalb des Betriebsrats in Prorzheim und Leipzig gibt es nun auch in Graben bei Augsburg massive Probleme innerhalb der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter.

Im letzten Jahr war im Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg zum ersten Mal ein Betriebsrat gewählt worden. Die Mitarbeiter sind mit ihren Vertretern unzufrieden und klagen nun vor dem Augsburger Arbeitsgericht.

Die Zukunft des Amazon-Betriebsrats in Graben bei Augsburg ist damit unklar. Die klagenden Mitarbeiter des Logistikzentrums möchten die Wahl vom vergangenen Mai anfechten, denn es soll verschiedene Unstimmigkeiten gegeben haben. Die Richter müssen jetzt entscheiden, ob die Mitarbeiter in Graben einen neuen Betriebsrat zu wählen haben.

Amazon Beschäftigte klagen gegen eigenen Betriebsrat

Am Ende der gestrigen Verhandlung hatte das Gericht dann noch keine Antworten. Der angeklagte Wahlvorstand und die fünf Mitarbeiter widersprachen sich vor Gericht energisch. Ein Mitarbeiter, der als Listenführer bei der Wahl kandidierte, soll zu spät davon erfahren haben, dass seiner Liste viele Stimmen von Unterstützern fehlen. Danach soll er vom Wahlvorstand daran gehindert worden sein, die fehlenden Stimmen noch zu sammeln. Ohne diese konnten die Kandidaten auf seiner Liste letzten Endes nicht bei der Wahl antreten.

Der Anwalt des beklagten Wahlvorstandes wies diese Vorwürfe jedoch zurück. Die Gegenseite erklärte, dass der Listenführer so spät von den fehlenden Stimmen erfahren habe, weil er sich im Urlaub befand. Via Mobiltelefon sei er nicht erreichbar gewesen. Auch sei der Mann nicht daran gehindert worden, die fehlenden Stimmen zu sammeln. Die Verhandlung soll in zwei Wochen fortgeführt werden.

Die Spaltung der Amazon-Belegschaft setzt sich in Leipzig fort

Bei der dortigen Neuwahl des Betriebsrates konnte Verdi zwar  mit sieben Vertretern in das Gremium einziehen, die Mehrheit der Mitarbeiter aber machte ihr Kreuz aber bei der konkurrierenden Liste von nicht-streikenden Mitarbeitern!

Auch in Pforzheim gibt es Probleme mit dem Betriebsrat

Anfang Juli hatte der Pforzheimer Amazon-Betriebsrat die Pforzheimer Zeitung eingeladen, um die Vorzüge (!) seines Arbeitgebers herauszustellen. Die Amazon-Betriebsrätin Kerstin Schwanenberg sagte dazu: „Es wird viel über Amazon geschrieben, was nicht der Wahrheit entspricht“. Die Gewerkschaft verdi hingegen hatte massive Missstände bei Amazon Pforzheim ausgemacht und beurteilt nun die  Arbeit des Betriebsrats als kritisch. „Eine Frechheit“, sagte dazu die Pforzheimer Amazon Betriebsrätin Kerstin Schwanenberg. Die Betriebsrätin, die über die verdi-Liste gewählt wurde, hatte dann mit dem Austritt aus der Gewerkschaft reagiert: “Jeder Mitarbeiter kann seine Pausen nutzen, jeder kann Krankheiten auskurieren. Aktionen wie den Spaßtagen sind freiwillige Angebote, die von den Mitarbeitern geschätzt werden.”

Über 1.000 Amazon-Mitarbeiter sprechen sich gegen Verdi aus

Bereits im vergangenen Jahr hatten Amazon-Mitarbeiter, diejenigen Menschen also die verdi vorgibt zu vertreten, sich eindeutig gegen die Streiks und Verdi ausgesprochen. Die Amazon-Mitarbeiter hatten etwa 1.100 Unterschriften gesammelt und sich von den Zielen, Argumenten und Äußerungen von Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über sie verbreitet werden, distanziert. Der Protest gegen Verdi wurde damit von mehr Amazon-Mitarbeitern unterschrieben, als sich Mitarbeiter zuletzt an den Streiks beteiligt hatten.


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