Amazons Retail-Store ist nur eine putzige Idee im Schatten des Empire State Building

Amazons Strategie einen Retail-Store zu eröffnen ist ein Fehler, so jedenfalls sieht es der Autor eines Artikels auf seekingalpha.com.

Wie bereits berichtet, soll der erste Retail-Store gerade rechtzeitig zur Weihnachtszeit in Manhattan eröffnet werden. In erster Linie soll der Store ein Ort sein, an dem Kunden ihre im Internet bestellten Waren abholen können. Es soll aber auch als Distributionszentrum für Kuriere dienen und wahrscheinlich eines Tages Anlaufstelle für Kunden werden, die Amazon-Geräte wie Kindle E-Reader, Smartphones und TV-Set-Top-Boxen kaufen möchten.

Amazons Retail-Store ist nur eine putzige Idee im Schatten des Empire State Building

Amazons Retail-Store ist nur eine putzige Idee im Schatten des Empire State Building

Ob diese Entscheidung ein Versuch ist, aus einer überfüllten E-Commerce-Landschaft zu entfliehen und Konkurrenten abzuwehren oder einfach nur Jeff Bezos Hang zum Ausprobieren widerspiegelt auch außerhalb des Online-Handels Fuß zu fassen, ist nicht klar.

Ironisch ist es schon

Seit Jahren hat Amazon sehr effizient versucht, stationäre Buchhandlungen aus dem Markt zu drängen. Seit der Einführung des Kindle haben es die traditionellen Buchhandlungen besonders schwer, sich über Wasser zu halten. Nun will Amazon das ausprobieren, was all diese Buchhandlungen, die zum Teil schon schließen mussten, seit Jahrzehnten praktizierten.

Das Einzige, was Amazon in den letzten 20 Jahren eindeutig so erfolgreich gemacht hat war, dass es eine Online-, unkomplizierte und Hektik-freie Umgebung war. Kunden müssen ihre Häuser nicht verlassen, um die volle Amazon Erfahrung zu bekommen. Hinzu kommt die Tatsache, dass Amazon für New York City bereits die Lieferung am selben Tag anbietet – auch ohne den Amazon-Store.

Es wird auch damit argumentiert, dass der stationäre Einzelhandel noch immer relevant ist und es für Apple durchaus profitabel funktioniert. Aber Amazon ist nicht Apple. Amazon hat Millionen an Produkten im Angebot, wohingegen Apple im Vergleich nur eine Handvoll Produkte im Sortiment hat. Auch wenn stationäre Einzelhandelsgeschäfte immer noch wichtig sind, ist es nicht das, was Amazon bei seinen Kunden beliebt gemacht hat.

Die Nettomargen in stationären Läden sind in der Regel ziemlich dürftig. Amazons Rohertragsmargen sind in den letzten Jahren gestiegen und erreichten 30,72% laut Quartalsbericht vom Juli 2014. Aber im Laufe der gleichen Zeit, haben sich die Nettomargen verringert. Das jüngste Quartal endete eine mit enttäuschenden  -0.65%.

Wenn Amazon kämpft, um aus den roten Zahlen herauszukommen, ohne all die zusätzlichen Kosten, die mit einem stationären Ladengeschäft einhergehen, wie glaubt  Jeff Bezos, diesen neuen Plan in einem profitablen verwandeln zu können?

Das Internet-Geschäftsmodell hat Amazon in der Vergangenheit unzählige Kostenvorteile geboten

Die Umsatzsteuer konnte in vielen Staaten vermieden werden, Store-Mitarbeiter gab es keine und mussten damit nicht bezahlt werden. Überdies gab es keine Kosten für die Aufrechterhaltung eines Ladengeschäfts, wie Miete, Strom, Heizung oder ähnliches. Das alles waren Schlüsselpunkte die Amazon halfen seine aktuelle Kostenstruktur zu entwickeln. Aktuell gibt es einfach nicht genug Spielraum, um alle Kosten zu decken, die ein stationäres Ladengeschäft  mit sich bringt.

Fazit

Laut dem Wall Street Journal, sagte Wells Fargo-Analyst Matt Nemer, dass die Eröffnung eines physischen Standorts nur eine Vermarktung der Marke Amazon darstelle. Auslieferung am gleichen Tag, Online-Bestellung und Abholung im Shop sind Ideen, mit denen man Verbraucher wirklich einfangen kann und Amazon muss der Mittelpunkt dessen sein.

Aber die Sache ist die, dass Amazon es sich aktuell nicht leisten kann im Zentrum all dessen zu stehen. Ein stationäres Geschäft ist eine putzige Idee, im Schatten des Empire State Building, ähnlich wie der Disney Store. Und in New York City mit Millionen von Besuchern jährlich, wäre die Lage in Manhattan sogar rentabel. Aber jede Art Expansion über das hinaus gebe es nur zu einem verdammt hohen Preis und das wäre letztlich sehr dumm.

Doch Amazon scheint anderer Meinung zu sein. Denn angeblich sollen zwei weitere stationäre Läden in San Francisco und Sacramento in Planung sein.  Die neuen  Stores in San Francisco und Sacramento  sollen als Ausstellungsräume für die Hardware-Produkte des Unternehmens wie für den Kindle E-Book-Reader, den Fire Tablets und das neue Fire Phone dienen.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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