Verbraucherschützer NRW bemängeln Preisvergleichs-Portale

Etwa 25% der Preis-Suchergebnisse seien fehlerhaft gewesen, so Verbraucherschützer beim Vergleich von Preisvergleichs-Portalen.

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Wer bei Preissuchmaschinen ein Schnäppchen findet, muss damit rechnen, dass das Angebot so wie angeboten vielleicht gar nicht verfügbar ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat bei einem stichprobenartigen Vergleich von neun Diensten mit einem Warenkorb aus fünf Elektrogeräten eine hohe Fehlerquote ermittelt.

Neun Preissucher nahm die Verbraucherzentrale NRW genauer ins Visier, darunter Billiger, Evendi, Guenstiger, Idealo und Google/Shopping. Hinzukamen Kelkoo, Preis und Preissuchmaschine, sowie Meta-Preisvergleich ein Portal, das auf die Resultate zahlreicher Mitbewerber zugreift und zusätzlich Gebrauchtgeräte sowie Privatverkäufe berücksichtigt.

Zwei Aufgaben waren zu  absolvieren:

  • Einmal sollten fünf unverbindliche Preisempfehlungen von Elektrogeräten deutlich unterboten werden.
  • Zum anderen galt es, je ein Elektronik-Schnäppchen aus Prospekten zu schlagen.

Resultat:

  • Keine Mühe hatten die Fahnder mit den UVP – „selbst die trutschigsten unterboten die Herstellerpreise um Längen“. Durchschnittlich ließen sich mit den ermittelten Bestpreisen satte 30% sparen.
  • Anders sah es bei fünf zufällig ausgewählten Prospekt-Knüllern von Euronics und Expert, Marktkauf, MediaMarkt sowie Medimax aus. Nur bei einem Produkt gelang es gerade mal zwei Maschinen (Google und Meta-Preisvergleich), das Medimax-Angebot zu knacken. Drei erzielten hier Gleichstand.

Oft versagten die Preissucher an Waschmaschine und Navi deutlich: einige Male um 12%. Im Schnitt waren das bei den Besten weit über 4%.

Den Titel „Schlechtester beim Best-Preis-Vergleich“ erhielt Kelkoo. Gleich sechsmal stand Kelkoo mit seiner Top-Empfehlung am Ende des Testfeldes. Je dreimal waren es Google und Preis.smilie01.jpg

Interessant: Immer wieder verzeichneten mehrere Vergleicher denselben Shop als Gewinner. Bei einem Kaffeeautomaten waren das sogar acht der neun Probanden. Doch gab es ebenso das andere Extrem: Das Top-Angebot für einen Multifunktionsdrucker hatte Kelkoo exklusiv. Die neun Portale wiesen jedoch für einen Blu-Ray-Recorder gleich acht unterschiedliche Bestpreise aus.

Rat der Verbraucherzentrale: Nicht allein eine Suchmaschine zu bemühen, sondern mindestens zwei bis drei Rechercheure loszuschicken.

Wichtig zu wissen: Entscheidend ist nicht, was die Maschinen als Resultate aufzeigen, sondern was ein Shop tatsächlich kassiert. Bei jeder vierten Anzeige gab es da Ungereimtheiten. So stimmten etwa Produktpreis oder Versandkosten nicht überein. Bis zu 87 Euro (Meta-Preisvergleich) machte die Differenz in der Spitze aus. Dann wieder waren Artikel nicht vorrätig oder auf den ersten Plätzen tauchten andere als die gesuchten Modelle auf.

In Zahlen: Mit zwei Fehlern am zuverlässigsten arbeitete idealo. Besonders auffällig bezüglich Abweichungen und Ärgernissen waren bei je 30 Vergleichen Evendi (10) und Google (11).

Als Scheinriese erwies sich Kelkoo: Bei den zehn Suchanfragen listete das Portal siebenmal nur einen einzigen Shop. Obendrein war das oftmals der teuerste, oder er konnte „derzeit“ nicht liefern.

Mit massiven Mängeln bei der Sortierung ihrer Rankings fielen zwei Kontrahenten auf:

Meta-Preisvergleich und Evendi. Diese Portale sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW nur bedingt brauchbar.Die Verbraucherschützer haben auch einen Grund dafür: Beim Einkauf im Internet setzen sich die Gesamtkosten stets aus Produktpreis plus Versandkosten zusammen. Zeigt eine Maschine die Gesamtkosten nicht an, müssen die mühselig aus den Ergebnis-Listen gesucht und berechnet werden. Mal fand sich so bei Meta-Preisvergleich der billigste Anbieter bei den Gesamtkosten erst an sechster Stelle, mal stürzte ein vermeintlicher Top-Shop aufgrund exorbitanter Versandpreise um zehn Plätze ab.

Nicht gerade optimal sortierte auch idealo. Zwar war eine Listung nach den Gesamtkosten möglich, die wurden jedoch nicht eindeutig nach oben gestellt, sondern lediglich fett im oft umfangreichen Textfeld angezeigt. Weit besser hatte idealo hingegen die Sortierung nach Lieferzeiten gelöst. Eine sinnvolle Funktion. Denn immer wieder tauchten in den Ergebnissen Händler auf, die etwa erst in zwei Wochen oder vielleicht auch nie liefern können. Wer eine rasche Sendung erwartet, sollte darauf ein Auge halten.

Keine Möglichkeit, Artikel nach Lieferzeiten zu sortieren, fanden die Tester bei Meta-Preisvergleich und Guenstiger, bei Kelkoo, Google und Preissuchmaschine.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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