Amazon Deutschland: Autoren signieren einen offenen Brief

Mehr als 500 deutsche Autoren haben einen offenen Brief an die Verantwortlichen von Amazon Deutschland signiert. Darunter findet man Namen wie Ferdinand von Schirach, Manfred Bissinger, Eva Menasse, Ulrich Wickert, Elfriede Jelinek oder auch Günter Wallraff, um nur einige zu nennen. Initiiert wurde die Aktion von Autoren des PEN, des Krimi-Autoren-VerbandsSyndikat und des Verbands Deutscher Schriftsteller.Amazon Deutschland: Autoren signieren einen offenen Brief

Die Autoren bemängeln, dass der Verkauf von Büchern durch Amazon eingeschränkt werde. Zudem kritisieren sie die oft harsche  Vorgehensweise des Unternehmens. Wie schon in den USA im Streit mit Hachette versucht Amazon unter Einsatz von Repressalien bessere Preise, höhere Preisnachlässe oder andere Vorteile für sich zu erzwingen. In Deutschland streitet Amazon derzeit mit der Bonnier Group. Zu der schwedischen Verlagsgruppe Bonnier gehören unter anderem Ullstein, Piper und der Berlin Verlag.

Amazon Deutschland reagierte auf den offenen Brief und verweist auf ungewöhnliche Konditionsforderungen durch Bonnier.

Auf Nachfrage des Tagesspiegel übermittelte Christine Hoeger, Leiterin der Abteilung Public Relations von Amazon, folgendes Statement zum Streit mit der Verlagsgruppe Bonnier, unter anderem wegen der hohen Nachlässe auf E-Books.

„Bonnier bietet Amazon das Gros seiner Titel zu Konditionen an, „die es für uns wesentlich teurer machen, eine digitale Ausgabe als die gedruckte Ausgabe desselben Titels einzukaufen.“ Das sei eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, da ein E-Buch keine Druckkosten, keine Überbestände, keine Rücksendungen, keine Lagerkosten und keine Lieferkosten verursache. Weiterhin sei keine Auflagenplanung notwendig. Es gehe auch kein Umsatz verloren, denn E-Books seien nie ausverkauft.“

Fazit: E-Books können und sollten günstiger als gedruckte Bücher angeboten werden – und dies sollte auch für die Preise gelten, zu denen Buchhändler bei Verlagen einkaufen. Tatsache sei, dass Bonnier mit seinen Bedingungen klar von denen anderer führender Verlagshäuser abweiche. Man arbeite intensiv mit Bonnier daran, Agreements zu schließen, „die mehr im Einklang mit branchentypischen Konditionen in Deutschland sind“.

Bonnier wollte dies aktuell gegenüber buchreport nicht kommentieren.

Christian Schumacher-Gebler, seit Jahresbeginn CEO von Bonnier Media Deutschland, hatte sich erst vor kurzem zur Preis- bzw. Konditionen-Diskussion geäußert. Laut Amazon Deutschland dürfe ein E-Book analog zu den Forderungen für die USA generell einen Preis von 9,99 Euro in Deutschland nicht überschreiten. Zudem müsse ein Preisabstand von 40 bis 50% zwischen der gedruckten und der digitalen Version bestehen. „Auf Basis dieser Preisvorstellung von Amazon können seriös arbeitende Verlage ihr Geschäft nicht betreiben“, so Schumacher-Gebler.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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