Frühjahrs-Krise im E-Commerce?

Steckt der Onlinehandel in der Krise? Auf den ersten Blick deutet darauf eine Anfang August veröffentlichte Pressemitteilung des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH) hin.

Zwischen April und Juni 2014 seien die Ausgaben der deutschen Verbraucher in E-Commerce-Shops im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent gesunken. Dies ist das Ergebnis der Verbraucherstudie „Interaktiver Handel in Deutschland“, die das Marktforschungsinstitut GIM (Gesellschaft für Innovative Marktforschung) im Auftrag des BEVH durchgeführt hatte.

Laut der Studie wurde durch Online- und Versandhändler im Zeitraum von April bis Juni 2014 ein Umsatz von 11 Milliarden Euro erzielt. Davon entfielen 9,5 Milliarden auf den Bereich E-Commerce. Im Vorjahreszeitraum dagegen hatte der Umsatz der gesamten Branche noch 11,8 Milliarden Euro betragen, wobei sich der Anteil des E-Commerce auf 10 Milliarden Euro belaufen hatte. Der Umsatz des E-Commerce sank 2014 somit um 5,2 Prozent.

Der Studie zufolge schwächelten vor allem die Sparten Bekleidung, Bücher und Schuhe im Vergleich zum Vorjahresquartal. Andere Sparten hingegen wüchsen. So verzeichneten die Bereiche Unterhaltungselektronik sowie Hobby- und Freizeitartikel ein Umsatzplus von 27,7 Prozent bzw. 30,6 Prozent. Ein Umsatzplus weisen ebenso die Sparten Computer und Zubehör (plus 42,4 Prozent), Möbel und Dekoration (plus 15,3 Prozent) und Drogerie (plus 21,5 Prozent) auf. Ein Grund für diese Anstiege besteht darin, dass immer mehr Dienstleistungen und Produkte für diese Bereich online angeboten werden. Online-Shops wie Mister Spex.de treten an die Stelle von Optikern, und wer Einladungskarten für die Hochzeit oder andere Familienanlässe drucken möchte, besucht nicht mehr die örtliche Druckerei, sondern Familiensache.com.

Für die Studie „Interaktiver Handel in Deutschland“ werden ganzjährig rund 40.000 Privatpersonen über 14 Jahren befragt. Die Befragung erfolgt telefonisch oder über Online-Fragebögen. Das Endergebnis für 2014 wird am Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht.

Wie erwähnt, könnte das Ergebnis dieser Umfrage als Beleg für eine Krise des E-Commerce gedeutet werden. Tatsächlich aber stellt das Umsatz-Minus von 5,2 Prozent nur bedingt Anlass zur Sorge dar. In ihrer Kolumne zum Thema „Die gut versteckte E-Commerce-Krise“ beleuchtet Julia Ptock die Hintergründe der Studie. Sie bemängelt vor allem zwei Aspekte: Erstens sei ein Vergleich der Ergebnisse zwischen einzelnen Quartalen schwierig. Zweitens seien die Daten nicht objektiv erfasst wurden. Ein Vergleich zwischen den Frühjahrsquartalen 2013 und 2014 könne nicht ohne weiteres vorgenommen werden, weil jeweils andere Warengruppen betrachtet wurden. Die Daten seien kritisch zu bewerten, weil sie auf einer Verbraucherbefragung beruhen. Die wenigsten Verbraucher seien in der Lage, ihre tatsächlichen Ausgaben in Online-Shops zu überblicken. Von einer Krise des E-Commerce könne also nicht gesprochen werden.

Grund zu tatsächlicher Sorge ist nicht gegeben,denn anderen Erhebungen zufolge verzeichnet die E-Commerce-Branche seit Jahren stabile Umsätze auf hohem Niveau.

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Frank Weyermann
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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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