Amazon-Betriebsrat weist verdi Kritik zurück und tritt aus Gewerkschaft aus

Anfang Juli hatte der Pforzheimer Amazon-Betriebsrat die Pforzheimer Zeitung eingeladen, um die Vorzüge (!) seines Arbeitgebers herauszustellen. Die Amazon-Betriebsrätin Kerstin Schwanenberg sagte dazu: „Es wird viel über Amazon geschrieben, was nicht der Wahrheit entspricht“.

„Das ist kein schlechter Arbeitgeber“ sagte sogar der Betriebsrats-Vorsitzende Christos Kalpakidis. Bei Amazon in Pforzheim kann niemand verstehen, dass auf der Gewerkschaftsseite über massive Arbeitskämpfe berichtet wird und Amazon-Chef Jeff Bezos von den Gewerkschaften zum „schlechtesten Arbeitgeber der Welt“ gewählt wurde.

Die Betriebsräte berichten über das Sommerfest für alle 1600 Mitarbeiter mit Angehörigen, erzählen von Geburtstagsgeschenken für die Arbeitnehmer und der regelmäßigen Veranstaltung von „Spaßtagen“ mit der Auslobung von Preisen oder einem Fußballturnier. Bei Amazon Pforzheim wird von großer Harmonie und guter Stimmung berichtet.

Amazon-Betriebsrat weist verdi Kritik zurück und tritt aus Gewerkschaft aus

Die Gewerkschaft verdi hingegen hatte massive Missstände bei Amazon Pforzheim ausgemacht und beurteilt nun die  Arbeit des Betriebsrats als kritisch.

Die Spassfeste werden kritisiert, denn man würde dadurch die Mitarbeiter „zum Affen machen“ und solche Feste wären zwar generell etwas schönes, würden aber nicht helfen, „wenn man in der Hitze umkippt, weil man keine Pause machen oder sie nicht richtig nutzen kann“, sagt Gewerkschaftssekretärin Melanie Rechkemmer. Die Aktionen für die Mitarbeiter werden von verdi als Kleinigkeiten bewertet, die von den aus ihrer Sicht tiefgreifenden Problemen ablenkten sollen.

Das Fazit von Verdi: Der Betriebsrat in Pforzheim agiere träge.

„Eine Frechheit“, sagte dazu die Pforzheimer Amazon Betriebsrätin Kerstin Schwanenberg. Die Betriebsrätin, die über die verdi-Liste gewählt wurde, hat nun mit dem Austritt aus der Gewerkschaft reagiert und sagt: „Jeder Mitarbeiter kann seine Pausen nutzen, jeder kann Krankheiten auskurieren. Aktionen wie den Spaßtagen sind freiwillige Angebote, die von den Mitarbeitern geschätzt werden.“

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Rechkemmer hingegen sieht keine Veranlassung, die Aussagen über den Amazon Betriebsrat in Pforzheim zurückzunehmen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Amazon-Mitarbeiter, diejenigen Menschen also die verdi vorgibt zu vertreten, sich eindeutig gegen die Streiks und Verdi ausgesprochen. Die Amazon-Mitarbeiter hatten etwa 1.100 Unterschriften gesammelt und sich von den Zielen, Argumenten und Äußerungen von Verdi, die in der Öffentlichkeit über Amazon und damit über sie verbreitet werden, distanziert. Der Protest gegen Verdi wurde damit von mehr Amazon-Mitarbeitern unterschrieben, als sich Mitarbeiter zuletzt an den Streiks beteiligt hatten.

Es geht hier nicht mehr um die Arbeitnehmer, es geht um das Selbstverständnis von verdi und die gekränkte Gewerkschafterseele. verdi ignoriert weiterhin die Wünsche derer, die sie vorgeben zu vertreten und setzt weiter auf Selbstverwirklichung.

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