Richtigstellungen: Zalando und RTL streiten nun vor Gericht

Zalando hatte nach der negativen RTL-Berichterstattung über schlechte Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum Erfurt bereits Verbesserungen angekündigt. Überdies sollen schon erste Maßnahmen umgesetzt worden sein.

Heftige Kritik und eine Vielzahl an Boykottaufrufen vonseiten der Verbraucher hatte Zalando in der Zwischenzeit einstecken müssen. Doch Zalando scheint darum bemüht, sich aktiv weiter zu entwickeln sowie die Verbesserungsmaßnahmen voranzutreiben.

Richtigstellungen: Zalando und RTL streiten nun vor Gericht

Allerdings weist Zalando auch daraufhin, dass man nicht gewillt sei, „unzutreffend Vorwürfe“ und „die tendenziösen und teilweise faktisch falschen Inhalte“ hinzunehmen. Man habe im persönlichen Zwiegespräch mit RTL nach der Ausstrahlung versucht, die unzutreffenden Punkte richtigzustellen. Leider sei vonseiten RTL bisher keine Berichtigung erfolgt, weshalb man rechtliche Schritte ergriffen habe.

Ende letzter Woche habe nun das Landgericht Köln dem Zalando-Gesuch stattgegeben und eine einstweilige Verfügung gegen zentrale Teile der Berichterstattung erlassen.

Dies heißt, nachfolgende Aussagen dürfen nicht weiter verbreitet werden:

  • Dass es im Logistikzentrum Erfurt 2013 einen Todesfall gegeben habe: Bis zum heutigen Tag hat sich kein Todesfall im Erfurter Logistikzentrum ereignet. Dies hat das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz ebenfalls schriftlich bestätigt.
  • Dass der Journalistin bei Kreislaufproblemen niemand Hilfe angeboten habe: Wir leisten selbstverständlich medizinische Unterstützung durch einen zu beiden Schichten anwesenden Betriebsarzt und unsere Ersthelfer und rufen bei Bedarf einen Rettungswagen, falls bei einem unserer Mitarbeiter gesundheitliche Beschwerden auftreten. Auch in diesem Fall war ein Ersthelfer vor Ort.
  • Dass Mitarbeiter Laufwege von täglich bis zu 27 Kilometern hätten: Im Bericht wurden Gehdistanzen an zwei Stellen mit Hilfe eines Schrittzahlmessers ermittelt. In einem Fall seien 27 km mit knapp 27.000 Schritten zurückgelegt, im zweiten Fall 20 km mit 30.000 Schritten zurückgelegt worden. Die beiden Messungen implizieren verschiedene Schrittlängen von gut einem Meter oder rund 65cm. Diese Messungen sind nicht zuverlässig. Unsere Betriebsärzte haben in Stichproben durchschnittliche Gehweiten von 15-20km im Arbeitsbereich “Pick” ermittelt.
  • Dass die Personalabteilung angeordnet habe, keinen chronisch Kranken länger als sechs Monate „mitzuschleifen“: An unseren Standorten arbeiten auch Kollegen mit chronischen Erkrankungen. Es gibt keine dementsprechende Richtlinie von Unternehmensseite. Seit Ende letzten Jahres gibt es zudem ein Pilotprojekt, in dem wir Gehörlose beschäftigen. Wir sind ständig um die Integration von Kollegen mit verschiedenen Hintergründen bemüht.
  • Dass Zalando auf die Bitte um Stellungnahme nicht reagiert habe: Zalando hat keine offizielle Anfrage der RTL Extra Redaktion erhalten. Uns erreichte lediglich ein Fragenkatalog von Frau Lobig, ohne weitere Hinweise. Da wir uns in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit Frau Lobig befanden, haben wir uns entschieden, ihre Fragen nicht zu beantworten. Zu einer Folgeanfrage von RTL Extra standen wir in telefonischem Kontakt mit der Redaktion und sind mit einem schriftlichen Statement auf die Fragen eingegangen.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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