Rechtsanwalt Solmecke zum Fall der Schadensersatzklage eines Amazon-Händlers

Rechtsanwalt Christian Solmecke beleuchtet den Fall des Amazon-Händler, der seinen Kunden auf 70.000 Euro Schadensersatz verklagt hat, weil dieser eine negative Bewertung hinterlassen hat.

Anwalt Solmecke:

Generell gelte für Bewertungen auf Portalen im Netz, dass diese der Wahrheit entsprechen müssen. Es wird also erst einmal klarzustellen sein, ob die abgegebene Bewertung wahr oder falsch gewesen ist.

Negative Bewertungen können ferner verboten werden, wenn sie beleidigend oder als Schmähkritik anzusehen sind. Im vorliegenden Fall ist das allerdings nicht gegeben. Die negative Bewertung stellt eher eine freie Meinungsäußerung dar.

Eventuell muss man die streitgegenständliche Amazon-Bewertung auch in zwei Teile splittern:

Rechtsanwalt Christian Solmecke beleuchtet den Fall des Amazon-Händler, der seinen Kunden auf 70.000 Euro Schadensersatz verklagt hat.

Rechtsanwalt Christian Solmecke beleuchtet den Fall des Amazon-Händler, der seinen Kunden auf 70.000 Euro Schadensersatz verklagt hat.

  • Die Sternchen-Bewertung könnte als Meinungsäußerung betrachtet werden. Diese ist grundrechtlich geschützt und somit zulässig.
  • Die Aussage über die falsche Bedienungsanleitung könnte dann die unwahre Tatsachenbehauptung darstellen.

Im nächsten Schritt wäre dann zu klären, warum Amazon das Konto des Händlers wirklich gesperrt hat:

  • Resultierte die Sperrung aufgrund der Aussage zur Bedienungsanleitung, könnte ein Schadensersatzanspruch wegen Persönlichkeitsrechtsverletzung des Unternehmens dem Grunde nach tatsächlich gegeben sein.
  • Erfolgte die Account-Sperre allein aufgrund der Sternchen-Bewertung, so kann dem Käufer keinerlei Vorwurf gemacht werden. Diese negative Beurteilung ist vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Es dürfte ohnedies schwierig sein, nachzuweisen, was der exakte Grund von Amazon für die Sperrung des Händler-Kontos war. Lagen etwa schon 20 negative Bewertungen vor und wurde mit der neuen streitgegenständlichen Bewertung das Limit überschritten, kann der Kunde nicht allein in die Pflicht genommen werden.

Auch ist denkbar, dass der Account gesperrt worden ist, weil der Kunde Amazon von der Drohung des Händlers mit einer Anzeige berichtet hat. Dann wird es vorrangig darauf ankommen, ob es diese Drohung effektiv gab.

Sofern in dem Gerichtsverfahren bewiesen wird, dass die Schließung allein aufgrund einer unwahren Tatsachenbehauptung des Kunden erfolgte, muss geprüft werden, ob diese Sperrung wirklich zu Umsatzverlusten geführt hat. Es können dann jedoch nicht die vollen Umsatzverluste geltend gemacht werden, sondern vielmehr der wirklich entstandene Schaden, der gegebenenfalls im entgangenen Gewinn zu sehen sein kann. Bei negativen Bewertungen ist es häufig nicht möglich, den Schaden, den eine einzige falsche Bewertung ausgelöst hat, genau zu taxieren.

Im aktuellen Fall muss klar festgestellt werden kann, dass das Konto nur aufgrund dieser einen Bewertung gesperrt worden ist und damit der gesamte Handel über Amazon gestoppt wurde. Wie der Fall gelöst werden muss, wird demzufolge maßgeblich vom Resultat der Beweisaufnahme abhängen.

Rechtsanwalt Solmecke zum Fall der Schadensersatzklage eines Amazon-Händlers was last modified: by

Ähnliche Beiträge

Deutscher Amazon-Händler verklagt Kunden auf 70.000 Euro Schadensersatz Ein 38-jähriger Mann aus dem Kreis Augsburg erwarb über den Online-Händler Amazon ein Fliegengitter zum Preis von 22,51 Euro. Das Gitter jedoch konnte von ihm nicht fehlerfrei zugeschnitten werden. Der Käufer trat in telefonischen Kontakt mit dem Verkäufer und beschwerte sich, was allerdings kein Re...
Amazon geht massiv gegen gefälschte Produktbewertungen vor Im Rahmen seines Kampfes gegen gekaufte, falsche Produktbewertung, den Amazon bereits 2009 im Fall Belkin gestartet und im April 2015 fortgesetzt hatte, hat Amazon vor einem amerikanischen Gericht nun Klage gegen mehr als 1.000 Nutzer eingereicht. Der Unterschied zu den Klagen im April ist, dass Ama...
Gefälschte Akkus: Samsung überlegt rechtliche Schritte gegen Amazon einzuleiten Nach einem Bericht der Zeitschrift c’t, tauchten auf Amazon massiv Fälschungen von Samsung-Akkus auf. Beim Kauf von 12 angeblichen Samsung-Original-Akkus über Amazon zeigten sich alle 12 als Plagiate. Amazon selbst hatte 4 der insgesamt 12 Fälschungen direkt verkauft und über seine Logistik-Zentren ...
Negative Bewertung auf eBay muss gelöscht werden Ein Händler wollte vor Gericht die Löschung einer schlechten Bewertung auf eBay erzwingen. Er sah das Verhalten des Käufers als geschäftsschädigend an. Am Dienstag, den 28.10.2014 verhandelte das Oberlandesgericht München den Fall und entschied gegen den Käufer. Der Käufer hatte Bootszubehör im W...
Negative Produktbewertung führt erneut zu Auseinandersetzung Produktrezensionen sind für Käufer oft sehr hilfreich, denn sie sorgen für etwas mehr Transparenz beim Einkauf im Internet. Bei schlechten Bewertungen jedoch, reagieren die Händler oft explosiv. Das zeigte unter anderem der Fall eines deutschen Händlers, der kürzlich seinen Kunden auf 70.000 Euro Sc...
Amazon USA: Händler klagen wegen Zurückhaltung von Geldern Nicht nur in Deutschland steht Amazon derzeit in der Kritik, wie wir bereits berichteten. Auch in den USA sieht sich der Internetriese vor einer Klage. Dort reichten Marktplatzhändler eine Sammelklage vor dem U.S. District Court in Seattle gegen Amazon ein, um die Herausgabe von ungerechtfertigt übe...

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

Beitrag teilen:


Kategorien: Amazon, Recht & Sicherheit

Schlagworte:, ,