Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon Deutschland, zu der aktuellen Streiksituation

Seit Montag letzter Woche wurde bei Amazon in Bad Hersfeld und in Leipzig wieder gestreikt. Hunderte Mitarbeiter von aktuell 23.000 sind in den bisher längsten Ausstand in der Geschichte von Amazon Deutschland getreten. Und Amazon muss sich wohl auf längere Arbeitsniederlegungen in Deutschland einrichten. ver.di wolle den Streik bei dem Versandriesen auch 2014 weiterführen, so eine ver.di-Sprecherin vergangenen Freitag in Bad Hersfeld.

Der Geschäftsführer von Amazon Deutschland, Ralf Kleber äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa zu der aktuellen Situation.

dpa: Seit Monaten wird bei Amazon immer wieder gestreikt. Meinen Sie, dass der Konflikt ihrem Firmenimage schaden könnte?

Ralf Kleber: „Wir kommunizieren die Fakten und geben Einblick in unsere Logistikzentren …. Es jetzt einen eigenen Logistikblog, in dem die Mitarbeiter zu Wort kommen. Darüber hat sich ein klares Bild ergeben.“ Das Gros sehe mittlerweile, dass man faire Löhne zahle und Amazon ein guter wichtiger Arbeitgeber sei. Amazon werde sich durch seine Leistung beim Kunden bestätigen. Es gebe viele Mitarbeiter, die inzwischen selbst in den Medien aktiv würden, um aufzuzeigen, dass sie sich nicht durch die augenblickliche Berichterstattung repräsentiert sehen. Kleber ist der Ansicht, dass der Kunde weiß, dass er auch künftig guten Gewissens bei amazon bestellen könne.

Auf die Frage, ob man denn die Auswirkungen der Streiks bereits spüre, antwortete Kleber:
„Es gibt keine Auswirkungen. Es bleiben keine Pakete liegen.“ Man sei im Plan und habe 2013 die beste Weihnachtssaison in der Geschichte von Amazon Deutschland. Der Spitzenbestelltag sei der 15. Dezember mit 4,6 Millionen Bestellungen gewesen – 15% über dem Vorjahr. Ein paar Hundert Mitarbeiter legten die Arbeit nieder, aber rund 23.000 Mitarbeiter arbeiteten engagiert.streik-kein-problem

Sollte ver.di hart bleiben, wie lange will Amazon diesen Konflikt  dann aussitzen, möchte dpa wissen?

Bei Amazon Deutschland sehe man keinen Anlass mit der Gewerkschaft in Verhandlungen zu treten. Mit mindestens 9,55 Euro Basislohn bei liege man über dem Durchschnitt der Logistikbranche und über dem Logistiktarif. Kleber: „Wir reden lieber mit unseren Mitarbeitern direkt. Wir brauchen dazu keinen Dritten. Zusammen mit unseren Mitarbeitern und unseren Betriebsräten entwickeln wir uns immer weiter als ein Unternehmen mit sicheren Arbeitsplätzen und einem guten Arbeitsklima.“

In der Vergangenheit sei Amazon des Öfteren wegen der herrschenden Arbeitsbedingungen kritisiert worden. Wie sieht Ralf Kleber die Lage?

„Die Mitarbeiter sehen sich nicht repräsentiert durch die Berichterstattung in den Medien. In unseren Logistikzentren arbeiten Technologie und Mensch Hand in Hand.“ Wie jedes Unternehmen habe Amazon Leistungserwartungen und erfasse erbrachte Leistungen. Diese Leistungserwartungen basierten auf dem, was Tausende Mitarbeiter zuvor durchschnittlich erreicht hätten. Kleber: „Ich weiß, wovon ich rede, ich hab den Job selbst gemacht. Standardprozesse sind wichtig, aber jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, bei der Verbesserung der Prozesse, die sein Arbeitsumfeld betreffen, mitzumachen. Das geht von der Gestaltung des Arbeitsschuhs bis zur Ergonomie des Arbeitsplatzes.“