Diskurs zum Fest: Christkind vs. Weihnachtsmann

Um gleich einem Mythos vorzubeugen: der Weihnachtsmann ist keine Erfindung von Coca-Cola. Richtig ist aber, dass ein Werbemanager des Limonadenherstellers in den 1920er Jahren in einer Zeitung auf die Darstellung des irischen Weihnachtsmannes stieß. Eine eher dürre und mit grünem Mäntelchen versehene Figur und ein entfernter Verwandter des hiesigen St. Nikolaus, der wiederum historisch auf einen Bischof zurückgeht. Der Ire war wohl zu ärmlich und gemäß amerikanischer Lebensart wurde aus dem dürren Grünen schließlich ein dicker Roter mit den bekannten Zutaten: komfortable Kutsche mit Geschenkefach und armen Rentieren, die, ihrer Freiheit beraubt, das Schwergewicht auch noch durch die Lüfte hieven mussten. Immerhin, man nimmt es dem amerikanischen Weihnachtsmann ab, zeitgerecht die Weihnachtsgeschenke zu verteilen, wenngleich diesbezüglich noch Fragen offen bleiben.

Schwieriger ist da schon die Rolle des Christkindes einzuschätzen, dem man derartige Kraftakte gar nicht zutrauen mag, mal abgesehen davon, dass es sich wohl um Kinderarbeit handeln dürfte, was gerade zum Fest der Liebe politisch völlig unkorrekt wäre. In einem Zeitalter, in denen ehemalige Bundespräsidenten wegen angeblicher Vorteilnahme in Höhe von 700 Euro genau 22 Verhandlungstage vor Gericht stehen, mag man sich gar nicht ausmalen, was dem lieben Gott deswegen juristisch blühen könnte. Vielleicht sind diese Umstände mit ein Grund, weshalb das Christkind als weihnachtliches Logistikunternehmen hierzulande zunehmend vom Weihnachtsmann verdrängt wird; selbst wenn sich Vierjährige darüber wundern, dass der Weihnachtsmann exakt 18 Tage später als Nikolaus nochmal wiederkommt und Geschenke dalässt, die er doch schon hätte mitbringen können.

Sei´s drum, die „Wahrheit liegt unter´m Baum“, sagte der Fußballtrainer Otto Rehhagel, hier mal etwas abgewandelt. Und tatsächlich dürfte es den meisten Kindern ziemlich egal sein, wer die Geschenke bringt: Weihnachtmann, Christkind oder Amazon. Weihnachten ist, wenn die Kinderaugen leuchten, Tee und Glühwein duften, die Kerzen am Baum brennen und bei zehn Grad plus der Nieselregen fällt, wie jedes Jahr …

Ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Gruss und Dank an Meikel B.!
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Frank Weyermann
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