Gesichts-Scanner, Wärmesensoren: Die Techniken zur Analyse des Kaufverhaltens werden immer ausgefeilter

Viele Internet-Händler wie Zalando oder Amazon erforschen die Einkaufsgewohnheiten ihrer Kunden, um Werbung gezielter einzusetzen. Dieser Trend hält jetzt ebenfalls Einzug im traditionellen Einzelhandel vor Ort. Mit ausgefeilten Techniken wie Gesichts-Scannern, Wärmesensoren und Messgeräten werden die Kunden und ihr Kaufverhalten analysiert.

Gesichts-Scanner, Wärmesensoren: Die Techniken zur Analyse des Kaufverhaltens werden immer ausgefeilter
Gesichts-Scanner, Wärmesensoren: Die Techniken zur Analyse des Kaufverhaltens werden immer ausgefeilter

Datenschützer missbilligen diesen Trend, doch viele Verbraucher nehmen die Analyse des Kaufverhaltens an. So erfreuen sich nicht nur Kundenkarten großer Anerkennung, auch mobile Bezahlmöglichkeiten und Apps für Smartphones sind bei den Konsumenten beliebt. Händler erfahren hierdurch nicht nur etwas über die Produktvorlieben ihrer Kunden, die mobilen Endgeräte geben ebenso wertvolle Auskünfte über den Standort des potentiellen Käufers.

Im Folgenden ein paar Beispiele für die neuen Techniken, die von den Händlern eingesetzt werden.

  • Hugo Boss nutzt Wärmesensoren, um zu untersuchen, wo sich die Kunden in seinen Läden besonders gerne aufhalten. Hier werden dann Premium-Produkte platziert.
  • Der Luxusschokolade-Hersteller Godiva hat Messgeräte installiert. Diese zählen die Kunden, um zu Stoßzeiten genügend Personal im Shop zu haben und die Anziehungskraft von Schaufenstern zu erproben. Dies habe dem Godiva-Laden in der Londoner Regent Street 10% mehr Geschäft in sechs Wochen gebracht.
  • Der international drittgrößte Einzelhändler Tesco scannt die Gesichter von Kunden, die in der Schlange stehen. Das Unternehmen sieht keine Verletzung des Datenschutzes hierin, denn man speichere weder die Bilder noch persönliche Daten. Doch nicht alle Einzelhändler seien so gewissenhaft, geben die Tesco-Berater zu Bedenken. Zu viel passiere ohne das Einverständnis der Kunden, so Simon Hay, Chef von Dunnhumby, einem zu Tesco gehörenden Marktforschungsinstitut. Man müsse transparent mit Daten umgehen, den Menschen sagen, was man damit mache und ihnen dafür etwas zurückgeben.
  • Der britische Lebensmittelhändler Wm Morrison etwa nutzt Telefondaten der o2-Mutter Telefonica, um zu analysieren, wie weit potentielle Käufer zu einem Shop fahren würden. Dadurch konnte Wm Sparcoupons effizienter verteilen.

Kundenbindungssystemen gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil in ihnen immer mehr Daten stecken und sie sich mit neuen Medien wie dem Smartphone vereinen lassen. Ein britischer Kunde hat durchschnittlich über sein Smartphone Zugang zu sechs Kundenbindungssystemen, zusätzlich besitzt er vier Kundenkarten.

Auch wenn ein Kunde sein Handy gerade nicht verwendet, können die Händler dessen ungeachtet über Wi-Fi-Signale seinen Standort bis auf drei Meter genau feststellen, erklärt Darren Vengroff, Chefforscher des US-Datenunternehmens RichRelevance. Sogar in einer anonymen Welt sei es möglich, ein Kaufprofil eines Kunden zu erstellen, wenn dieser einen Laden betrete oder mit seinem Mobiltelefon online sei, sagt John Sheldon von eBay.

Trotz der Datenschutzbedenken haben viele Kunden ihre Befangenheit gegenüber den neuen Technologien schon lange abgelegt. eine Plattform, die Werbeangebote macht und mobile Bezahldienste anbietet, zieht viele Nutzer an.