Same Day-Delivery in Deutschland von den Verbrauchern noch nicht angenommen

Heute geordert – heute geliefert: Same-Day-Delivery. Ein Thema, das derzeit von vielen Experten diskutiert wird. Wie wichtig ist dieser Trend für Kurier, Express und Paketdienste (KEP-Dienste) und wie wichtig wird die Logistik wirklich?  Welche Anforderungen kommen auf die einzelnen Unternehmen zu?

Diesen Fragen ging auch die ifh Köln in einer Expertenrunde mit Philipp Anhalt (DPD), Michael Löhr (Tiramizoo), Ingmar Böckmann (Bundesverband des Deutschen Versandhandels, BVH  und Kai Hudetz (Institut für Handelsforschung) nach.

Vor kurzem beteiligte sich die Otto Group an dem britischen Same-Day-Sercice Shutl. DPD hat auch zugekauft und übernimmt 20% von Same-Day-Anbieter Tiramizoo. Was macht für DPD dieses Segment so interessant?

Philipp Anhalt von DPD meint, dass man im Segment Same-Day Delivery für DPD ein gewaltiges Wachstumspotential sehe. DPD sei quasi in der Pionierrolle für den deutschen Markt. Samed-Day Delivery sei eine perfekte Ergänzung zum bereits existierenden Service-Portfolio. Aktuell sei die Auslieferung am gleichen Tag in Deutschland noch ein Nischenmarkt. Über kurz oder lang könne dieses Segment jedoch stark wachsen, auch wenn es dafür noch keine konkreten Zahlen gebe.

Von Michael Löhr, Geschäftsführer und Gründer von Tiramizoo wollte Redaktuerin Eva Hassa wissen: „Lässt sich mit Same-Day-Delivery tatsächlich so viel Geschäft machen, wie DPD hofft? Tiramizoo sei ja praktisch nur eine Buchungsplattform, die Kurierdienste und Internet-Kunden zusammenbringe.

Michael Löhr (Tiramizoo): „Über uns lassen sich tatsächlich Kuriere finden und sofort buchen. Das ist aber nur ein Teil unseres Geschäftsmodells“. Parallel plane und optimiere man über eine selbstentwickelte Software die Touren von Stadtkurieren. Man stütze sich dabei auf die GPS-Daten, die das jeweilige Kurierfahrzeug übermittle. Um mit Tiramizoo zu arbeiten, müsse ein Stadtkurier nur die App auf sein Smartphone herunterladen, so das Geschäftsmodell von Tiramizoo.
Hinsichtlich der Rentabilität für DPD erklärte Löhr, dass er exakte Zahlen nicht nennen dürfe. Nur so viel: Gegenwärtig wickle man im Monat mehrere Tausend Same-Day-Sendungen mit steigender Tendenz ab. Und das vor allem seit dem Einstieg von DPD.

Müssen KEP-und Logistikanbieter in Zukunft Same-Day-Möglichkeiten anbieten? Wollen beziehungsweise fordern Versand- und Online-Handelsunternehmen diesen Dienst wirklich? Diese Frage richtete sich an die beiden Handelsexperten in der Runde.

Ingmar Böckmann (Bundesverband des Deutschen Versandhandels, BVH): Im Arzneimittelbereich, beispielsweise bei den Versandapotheken sowie im Lebensmittelsegment sei die Lieferung am gleichen Tag heute schon sehr verbreitet. Alle anderen Branchen nutzten traditionelle Kurierdienste, sollte es dringend werden. Ingmar Böckmann ist auch der Ansicht, dass sich das so schnell nicht ändern werde. Der Grund sei ganz simpel: „Same-Day ist teuer“. KEP-Dienste müssen die häufig hohen zusätzlichen Kosten unmittelbar an Händler weitergeben. Zudem müsste das Gros der Internet- und Versandhändler ihre unternehmensinternen Entwicklungsabläufe erst einmal „same-day-fähig“ machen. Die aktuellen Lagerkapazitäten seien nicht darauf ausgerichtet, Waren in kürzester Zeit anzubieten. „Große Versandhändler tun sich damit leichter als kleine und mittelständische Unternehmen“.
Böckmann hegt aus einem anderen Grund aber auch noch Zweifel, dass sich Same-Day im großen Stil durchsetzt. Fakt sei, dass viele Waren den Kunden zugestellt würden, wenn sie nicht zu Hause seien. Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang sei doch, ob Same-Day Kunden wirklich den Mehrwert, die Convenience, die sie sich wünschten durch eine Auslieferung am gleichen Tag hätten. Sei es ihnen nicht viel bedeutsamer, dass sie die georderte Ware in ihrem gewünschten Zeitfenster erhielten, in dem sie auch zu erreichen seien?

Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung, das für den Handel und Internet-Handel viele Studien erstellt, sollte darlegen, ob den Handelskunden tatsächlich das Thema Zeitfensterzustellung wichtiger sei als Same-Day-Delivery.

Seine eindeutige Antwort darauf: „Das Thema Verlässlichkeit hat bei Endkunden Top-Priorität“. Der Bedarf an Same-Day-Delivery sei in Deutschland relativ gering. Dringende Geburtstagsgeschenke Arznei- und Lebensmittel mal außen vorgelassen, so Studien des Instituts IFH. Rund 85% der Endkunden wünschten sich laut Erhebungen eine pünktliche Lieferung, 77% elektronische Sendungsverfolgung, 71% eine Auswahl an mehreren Liefermöglichkeiten, 41% eine Zeitfenster-Belieferung, 31% eine Feierabend- und 23% Express-Zustellung. Absolutes Schlusslicht sei dagegen Same-Day-Delivery mit nur 15%.

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