Amazon gerät in den USA wegen abgelaufener Medikamente unter Druck

Wie Serena Ng und Jonathan D. Rockoff vom Wall Street Journal Deutschland in einem Artikel berichten, gerät Amazon in den USA derzeit unter enormen Druck.

Mangelhafte Pflaster und fast abgelaufene Schmerzmittel wurden von Testkäufern auf der amerikanischen Online-Plattform Amazon gefunden. Johnson & Johnson, ein vor allem in den USA sehr erfolgreicher Pharmahersteller kritisiert, dass Amazon fehlerhafte oder abgelaufene Medikamente sowie Produkte gegen Haarausfall über die Webseite veräußert. Für Amazon aber ist es schwierig, diese Probleme zu händeln.

Das Problem für Amazon: In den aufgetretenen Fällen war nicht Amazon der unmittelbare Verkäufer der Produkte, sondern Drittanbieter. So passiert es dann, dass die Kontrolle über das eigene Ansehen schnell verloren gehen kann. Doch für Amazon wäre es sehr aufwändig, seine Drittanbieter zu kontrollieren und in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC erklärte der Internet-Riese, dass es fast undurchführbar sei, diese Händler davon abzuhalten, mangelhafte Ware zu verkaufen. Dessen ungeachtet gibt Amazon auch für Drittanbieter Garantien ab und geschädigte Käufer werden mit bis zu 2.500 US-Dollar abgefunden.

Sandra Pound, Sprecherin von Johnson & Johnson stellt klar, dass es für Johnson & Johnson natürlich am wichtigsten sei, dass die Kunden die erwartete Qualität bekommen. Trotz der aktuellen Differenzen sind Johnson & Johnson Artikel bei Amazon aber ausreichend vorhanden, was an den Drittunternehmern und unabhängigen Vertriebsfirmen liegt. Ihnen bietet Amazon im Gegenzug für Gebühren und Kommissionen eine Verkaufs-Plattform. Einige der Drittanbieter erhalten ihre Ware von autorisierten Händlern, andere wiederum beziehen die Produkte außerhalb der offiziellen Vertriebskanäle.

Wenige große Hersteller gehen so weit wie Johnson & Johnson und stellen den Direktvertrieb über Amazon ein. Johnson & Johnson informierte Amazon über die Missstände auf der Plattform und forderte Sanktionen. Mit der Angelegenheit vertraute Personen berichteten, dass Amazon jedoch nicht bereit gewesen sei einzuschreiten, weshalb Johnson & Johnson im Frühjahr 2013 viele seiner Lieferungen an Amazon umgehend stoppte. Ebenso wandten sich andere Konsumgüterhersteller vor kurzem an Amazon: Nicht legitimierte Drittanbieter hätten ihre Marken vertrieben oder Fälschungen an den Kunden gebracht.

Die Auseinandersetzung mit Johnson & Johnson dreht sich um einen besonders schnell wachsenden Geschäftszweig für Amazon. In der Vergangenheit hieß es: Etwa 40% der Artikel auf der Amazon-Webseite stammten von unabhängigen Verkäufern. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Johnson & Johnson selbst kann kaum auf den Verkauf im Internet verzichten. Es gibt zwar keine exakten Zahlen, doch vertreibt der Pharmagroßhändler eine Vielzahl seiner Waren über andere große Webseiten wie zum Beispiel die Seite von Wal-Mart. Für den Kauf spezieller rezeptfreier Arzneimittel verweist der Konzern auf drugstore.com.

Bei einigen Klagen verschiedener Hersteller unternahm Amazon nichts. Firmenberater erklärten, dass es Sache der Unternehmen sei, wie sie mit den Vertriebskanälen für ihre Produkte umgingen. Manchmal allerdings enden die Auseinandersetzungen auch vor Gericht.

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