eBay President Devin Wenig erklärt die Veränderungen auf eBay

Im Zuge des Deutschland-Besuchs von Devin Wenig, Chef von eBay, sowie den eingeführten Neuerungen auf eBay Deutschland, hat die BILD ein Interview mit Wenig geführt.  In diesem Gespräch versucht Wenig zu erklären, wie es zu den einschneidenden Veränderungen auf eBay in den letzten Jahren gekommen ist. Denn inzwischen ist eBay eher ein Marktplatz für gewerbliche Händler sowie Sofortverkäufe und weniger für Privatpersonen und Auktionen.

Versteigerungen machen auf dem Onlinemarktplatz eBay inzwischen nur noch 30% des eBay-Business aus. Die anderen 70% sind Festpreisangebote von professionellen Händlern. Käufern ginge es besonders darum, ein großes Angebot an Waren zu finden. Und da habe eBay mit zirka 400 Millionen verschiedenen Produkten das größte in der Welt, so Devin Wenig.

BILD: Aber den magischen Moment, in dem man etwas auf eBay ersteigert hat, den gibt es nicht mehr.

Wenig meint, dass es den sehr wohl noch gebe. Die Zahl der Auktionen auf eBay steige sogar seit Jahren erstmals wieder an. Doch wollten viele Menschen überhaupt nichts ersteigern, sondern einfach einkaufen, was dann schnell geliefert werde.

Wenig selbst nutze Auktionen durchaus. Er habe gerade für seine 12-jährige Tochter eine Geldbörse versteigert, die sie aus Klebeband gebastelt hat. Sie habe 4,00 US-Dollar dafür bekommen und sei ganz glücklich gewesen. Letztlich hänge es jedoch vom jeweiligen Produkt ab. Wenn Wenig zum Beispiel eine Jeans kaufe, wolle er diese nicht ersteigern müssen.

Auf die Frage von BILD, ob es stimme, dass es mittlerweile kompliziert sei überhaupt noch etwas zu verkaufen auf eBay, viele Privatanbieter beschwerten sich darüber, antwortet Devin Wenig:

 „eBay ist heute ein anderes Unternehmen als noch vor ein paar Jahren und ja, wir können sicher einige Dinge für private Verkäufer noch einfacher machen.“ Jedoch gebe es keinen Marktplatz, auf dem man Waren einem größeren Publikum anbieten könne als bei eBay. Bei eBay bekomme man einfach am meisten Geld für die angebotenen Artikel.

BILD kontert darauf: Und dafür muss ich dann hohe Gebühren und komplizierte Abläufe in Kauf nehmen?

Wenig: „Wir haben 25 Millionen Verkäufer bei eBay und ich glaube, es ist nicht möglich, alle glücklich zu machen.“ Man arbeite allerdings daran. Im vergangenen Jahr habe eBay eine neue Abteilung gegründet, die nur damit beschäftigt sei, Kunden-Feedback schnell umzusetzen. Offenbar mache eBay auch nicht alles falsch, denn immer mehr Verkäufer nutzten eBay.

Das von eBay neu eingeführte „Garantie-Programm“ diene der Kundensicherheit. eBay möchte, dass sich Kunden keine Sorgen machen müssen, wenn sie bei eBay auf den „Kaufen“-Button drücken. So ein Programm mache Sinn, denn es garantiert: „Wenn du nicht zufrieden bist, bekommst du dein Geld zurück!“

BILD: Aber der Träger der Garantie bleibt der Händler. Warum nicht eBay selbst?

Wenig: „Den Kunden ist es letztlich egal, wer juristisch in der Schuld steht. Sie wollen, dass alles reibungslos abläuft. Und das garantieren wir mit dem neuen Programm.“

BILD wollte von Wenig wissen, ob eBay den Trend des Handels mit digitalen Gütern verpasst habe? Denn die Konkurrenz handle ja auch mit eBooks, MP3s oder Software.

Wenig ist hier der Ansicht, dass die Welt nicht auf noch ein weiteres iTunes oder einen Kindle warte. Man habe vor Jahren eine Plattform kreiert, auf der Menschen bis dato ihre analogen Waren veräußern könnten. Eine digitale Version davon sei durchaus für spannend. Etwa eine technische Plattform, die es Bloggern, Programmieren oder anderen Inhalte-Anbietern gestatte, mit ihren Inhalten Geld zu verdienen. Das sei ein interessantes Feld, doch könne er heute darüber noch nicht viel mehr verraten.

Die letzte Frage von BILD ist auf die Zukunft ausgerichtet. BILD wollte wissen, was eBay tun muss, um auch in 5 Jahren noch erfolgreich zu sein.

In Wenigs Augen muss eBay dafür noch internationaler, mobiler und vertrauenswürdiger werden.

BILD: Globaler? Die meisten Händler verkaufen doch innerhalb eines Landes.

Devin Wenig darauf: „Nein.“ 20% des eBay- Handelsvolumens würden mittlerweile grenzüberschreitend verkauft und die Quote werde noch deutlich anwachsen. Eine Milliarde Menschen  hätten inzwischen Internet-Anschluss. In 3 Jahren seien es mehr als 2 Milliarden. Die meisten davon kämen nicht aus den USA oder Westeuropa. eBay ist gerade dabei Mittelständlern Zugang zu diesen Märkten zu geben. Das eBay Ziel sei es, Händler in diesem Bereich beispielsweise mit Zoll- und Versand-Lösungen zu unterstützen. Der Verkauf ins Ausland solle zukünftig so einfach werden wie der im Inland.


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