Die EC-Karte soll künftig zur Online-Bezahlung eingesetzt werden können

Etwa 35% des Umsatzes im stationären Einzelhandel wird in Deutschland über Girocards (ehemals EC-Karte) abgewickelt. Damit ist die Girocard der deutschen Banken das meist genutzte bargeldlose Zahlverfahren im Handel. Fast jeder Inhaber eines Girokontos verfügt über mindestens eine Girocard, gut 92 Millionen dieser Debitkarten sind hierzulande im Umlauf.

Die EC-Karte soll zur Online-Bezahlung eingesetzt werden können

Im boomenden Internethandel spielen die Zahlverfahren der deutschen Banken dagegen im Vergleich zu Kreditkarten und anderen ePayment-Anbietern so gut wie keine Rolle. Nur das von einer Reihe von Banken getragene Internet-Überweisungsverfahren giropay versucht sich, gegen die starke Konkurrenz der globalen Player und dem bankunabhängigen Mitwettbewerber Sofortüberweisung.de zu behaupten.

In Zukunft soll das jedoch anders werden, denn die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) plant, die Girocard auch als Zahlungsmittel für Web-Shops und E-Commerce-Services aufzubauen. Ein entsprechender Entwurf wurde Anfang September 2013 auf einer Informationsveranstaltung der DK in Berlin zum ersten Mal präsentiert.

Matthias Hönisch, Leiter der Kartenstrategie im Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), erklärte, dass man ein neues Kapitel für die Girocard aufschlagen werde. Für ‚Girocard online‘ werde man auf die existierende technische Infrastruktur des Girocardsystems aufsetzen.
Aktuell werden 3 unterschiedliche Authentifizierungsverfahren für den Kartenbesitzer von den Bankengremien in Betracht gezogen:

  • Ein Lesegerät ähnlich der Online-Banking-Kartenlesegeräte zur PIN-Eingabe.
  • Authentifizierung über Bankleitzahl, Passwort und Nutzername.
  • Eine optische Kopplung mit dem entsprechenden Internet-Zugang über so genannte Flicker-Verfahren [optisches Übertragungsverfahren], die im Online-Banking verschiedener Banken schon genutzt werden.

Wegen der in diesem Jahr publizierten Vorgaben der Europäischen Zentralbank und der nationalen Bankaufsichtsbehörden für sichere Internetzahlungsverfahren (Stichwort: SecuRe Pay), die von den Banken bis Februar 2015 erfüllt werden müssen, hält Hönisch die Authentifizierung des Karteninhabers mit Hilfe der beiden Hardware gestützten Verfahren für die denkbarsten Versionen.

„Gut zwei Drittel der Onlinebanking-Kunden haben bereits ein Hardware-Kartenleser zu Hause“, kontert Hönisch, wenn es um die Bedenken geht, ob die Notwendigkeit eines zusätzlichen Geräts, das geplante Verfahren nicht unattraktiv mache.

Ferner besitze fast jedes Endgerät mittlerweile eine Bluetooth-Schnittstelle. Eine Zahlung mit Girocard online könne also mit Hilfe von Bluetooth-fähigen Secoder auch via Tablet-PCs und Smartphones erfolgen. Auf Bluetooth als die kommende Übertragungstechnik für Zahlungstransaktionen setzen seit kurzem auch Apple und PayPal.

„Die Zeiten der Onlinebezahlung mit Username und Passwort und des „One-Click-Shoppings“ seien mit SecuRe Pay für Anbieter mit Sitz in der Europäischen Union ohnehin vorbei. Nach den Vorgaben dieses Regelwerks wird ein 2. Authentifizierungsweg gefordert, viele der heutigen Internetzahlverfahren wären damit veraltet, so Hönisch weiter. Auch PayPal beispielsweise nähme von der Zahlungsbestätigung per Nutzername und Passwort Abstand. anscheinend seien die Betrugsschäden in die Höhe geschossen.

Die Passwortinflation  ist auch nicht gerade nutzerfreundlich: Inzwischen muss sich der normale Internetnutzer 14 Passwörter merken, wie die Marktforscher der GfK im Auftrag der DK herausgefunden haben.
Laut Hönisch planen einige Kreditinstitute schon 2014 mit dem neuen Zahlverfahren auf Basis der EC-Karte zu starten. nach Beurteilung von Branchenkennern ist das jedoch ein sehr ehrgeiziger Zeitplan. 2016 ist nach Auffassung von IT-Experten aus dem DK-Umfeld ein wirklichkeitsnahes Start-Szenario.


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