Amazons Ansehen in den USA ist ein anderes als in Europa

In den USA werden viele Technologiegiganten wie auch Amazon als Quelle von Innovationen und Jobs gefeiert.

Jenseits des Atlantiks sieht man das jedoch ganz anders, meint der Autor eines Artikels in der New York Times. Als Präsident Obama vergangene Woche über Mittelklasse-Jobs in den Amazon-Logistikzentren sprach, sah sich der Internetriese in Deutschland, seinem zweitgrößten Markt, Arbeitsniederlegungen gegenüber.Amazons Ansehen in den USA ein anderes als in Europa

Die Gewerkschaft in Deutschland kritisiert, dass Amazon „American-style Business Praktiken” nach Deutschland gebracht habe. Vor allem die Abneigung gegen Betriebsräte verstoße gegen die europäischen Normen.

Doch Amazon ist nicht der einzige US-amerikanische Konzern, der sich Problemen gegenüber sieht. Große amerikanische Technologie-Unternehmen haben mehr und mehr Schwierigkeiten, wenn sie in Europa expandieren. So sorgen Facebook und Google beispielsweise mit dem Datenschutz für Konfliktpotential. Google, Apple und Amazon wurden überdies von den europäischen Behörden für ihre Steuertaktiken ins Visier genommen.

Zwar wurde Amazon auch in den USA schon wegen schlechter Arbeitsbedingungen an den Pranger gestellt, aber bei weitem in keinem so großem Ausmaß wie in Europa. In Deutschland drehen sich die Amazon Schwierigkeiten um zu niedrige Löhne der Beschäftigten. Amazons Auflehnung gegen die Gewerkschaften liegt darin, dass der Konzern befürchtet, die Gewerkschaften könnten die hinter den Kulissen ablaufenden Innovationen verlangsamen. Diese aber haben Amazons Wachstum vorangetrieben.

Dave Clark, „vice president of worldwide operations and customer service” bei Amazon erklärt: „Amazon sieht die Gewerkschaften als Mittelsmänner, die bei allem mitreden möchten. Angefangen bei der Arbeits- und  Zeiteinteilung bis hin zu Prozessen die Verpackung und Bearbeitung betreffend.“ Amazon wolle jedoch seine Flexibilität beibehalten, wenn darum ginge Neuerungen einzuführen, die die Kauferfahrung für Kunden verbessere.

Vergangenes Jahr kaufte Amazon Kiva Systems, einen führenden Hersteller von Lager-Robotern. Amazon möchte die Automatisierungssysteme auch in seinen Amazon-Versandzentren einsetzen. Das letzte, was Amazon aber möchte ist, dass sie dafür erst die Zustimmung der Betriebsräte einholen muss.

In Deutschland gibt es, im Gegensatz zu den USA, seit 2 Jahrzehnten eine mächtige Arbeiterbewegung, die hinter den streikenden Amazon-Mitarbeitern steht. Das wirft für Amazon neuartige Probleme auf, die den Konzern unter Umständen daran hindern könnte, seine Expansionspläne in Deutschland weiter voranzutreiben.

Marcus Courtney, Chef der Federation of Trade Unions ist der Ansicht, dass andere Tech-Giganten wie IBM oder Hewlett-Packard in Europa kompromissbereiter seien. Sie zeigten sich den Gewerkschaften gegenüber sehr viel toleranter als Amazon.