Grenzüberschreitender Handel sollte gut vorbereitet sein

Grenzüberschreitender Handel sollte gut vorbereitet sein

Scott Galvao ist Mitbegründer und Hauptgeschäftsführer von InterCultural Elements (ICE), einer in Leipzig beheimateten Firma. Davor war er 6 Jahre für ChannelAdvisor Großbritannien tätig, wo er sich detailliertes Know-How über den internationalen E-Commerce aneignete. Galvao kennt auch den deutschen Markt gut.

Im Gespräch mit Chris Dawson von Tamebay, sagte er, dass jetzt, den Blick auf die derzeitige wirtschaftliche Situation in Großbritannien gerichtet,  genau der richtige Zeitpunkt sei, den internationalen Handel anzugehen.

Die Händler dürften nicht mehr länger warten, sondern müssten genau zu diesem Zeitpunkt agieren, da die aktuelle Lage auf diejenigen ausgerichtet sei, die ins Ausland verkaufen. Abgesehen davon, dass der Cross Border Trade (CBT) bis zum Jahr 2017 mehr als 20% des E-Commerce ausmachen wird, gibt es noch weitere triftige Gründe international zu expandieren. Viele britische Händler haben berichtet, dass ihre internationalen Verkäufe ihnen zwischen 2008 und 2010 zum Überleben verholfen haben.

Folgende Gründe führt Galvao für den internationalen Handel an:

  • Risiken werden aufgeteilt, denn Händler können ihre Top-Artikel je nach Region variieren und ein breitgefächertes Sortiment verkaufen.
  • Saisonale Artikel können besser an den Mann gebracht werden, denn wenn bei uns Winter ist, hat man beispielsweise in Australien die Möglichkeit Sommerwaren anzubieten.
  • Schwache Währung auffangen.

Der Verfall des Pfund Sterlings macht die britischen Artikel günstiger, vor allem beim Verkauf in Länder wie Deutschland. Deutschland wird versuchen ein zweites Quartal mit zurückgehendem Wachstum zu vermeiden und der Rezession aus dem Weg gehen. Galvao glaubt, dass der deutsche Verbraucher dadurch vom ökonomischen Abschwung weniger beeinflusst ist als die Briten.

Fehler die man vermeiden sollte, wenn man mit dem internationalen Handel beginnen möchte, sind zum einem das Business nur halbherzig aufzuziehen. Das wäre der kostspieligste Fehler in Galvaos Augen. Goldene Regel: „Erweitere das internationale Business mit der gleichen Sorgfalt wie das inländische“. Ein Paradebeispiel für einen groben Fehler seien maschinelle Übersetzungen, die man vielleicht nicht unbedingt nutzen sollte um seine Artikeleinstellungen zu übersetzen.

Besser: Muttersprachler, vielleicht sogar mit E-Commerce Erfahrung sollten die Suchbegriffe, den beschreibenden Text übersetzen, mit dem Ziel einen guten Abverkauf zu erreichen. Die Wörter sollten nicht einfach nur umgewandelt werden. Internet-Händler haben viele sich wiederholende Texte. Man sollte deshalb beim Übersetzungsdienst darauf achten, dass ähnliche Texte umsonst übersetzt werden.

Artikelangebote können nur dann verkauft werden, wenn sie gefunden werden. Die richtige Kategorienauswahl ist also enorm wichtig. Artikelbesonderheiten oder andere Details sollten gut ausgewählt sein und am besten von einem Muttersprachler übersetzt werden. Genauso wichtig: Der Store und die Händler-Informationen sollten akkurat platziert und übersetzt sein. Internationale Käufer trauen im Allgemeinen den Händlern nicht, die sie nicht exakt lokalisieren können

Und schlussendlich: Man sollte sich genauestens zu Steuern, Gebühren und anderen rechtlichen Angelegenheiten in dem jeweiligen Land schlaumachen.

Kundenservice und Retouren müssen für die internationalen Käufer ebenso geregelt sein. Amazon besteht inzwischen beispielsweise darauf, dass man Muttersprachler zur Hand hat, wenn man international verkauft. Entweder sollte man einen solchen in seinem Team anstellen oder die Übersetzung nach außen zu einem entsprechenden E-Mail Kundenservice verlagern. Für Deutschland sei, was die Retouren anbelange, ein Sammel-Rückgabe-Service von großem Vorteil in Hinsicht auf größere Abverkäufe, so Galvao

Internationale Expansion kann die Verkäufe beträchtlich erhöhen, aber man sollte sich vorab detailliert informieren und vorbereiten, um die gängigen Fallstricke zu umgehen.


Beitrag teilen: