Amazon sieht wenig Gemeinsamkeiten für Verhandlungen mit Verdi

Amazon war nach Berichten über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern unter Druck geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst und einem Dienstleister getrennt. Das Image von Amazon ist angekratzt. Ändern könnte der Internetriese dies mit Gesprächen über einen eigenen Tarifvertrag, doch das lehnt Amazon ab. Es gebe zu wenig Gemeinsamkeiten für Verhandlungen.

Amazon will mit der Gewerkschaft Verdi nicht über einen Tarifvertrag verhandeln. Das Unternehmen sei zwar bereit, informelle Gespräche fortzusetzen, doch sehe man aktuell „zu wenige Gemeinsamkeiten, um Verhandlungen aufzunehmen“, so eine Amazon-Sprecherin am Donnerstagabend auf Anfrage des Handelsblattes. Von Verdis scharfen Angriffen und Anklagen in den letzten Tagen sei man enttäuscht. Vorab hatte die Gewerkschaft Verdi angegeben, Amazon wolle keine Tarifverhandlungen. Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nannte dies „völlig unakzeptabel“. Er kritisierte nach einem Gespräch mit der Amazon-Geschäftsführung am Standort Leipzig: „In der aktuellen Lage muss Amazon doch alles für ein besseres Image tun. Dazu gehört, wer viel von seinen Beschäftigten hält, muss auch bereit sein, faire Arbeitsbedingungen tariflich zu vereinbaren.“

Verdi kämpft um höhere Löhne für die fest angestellten Mitarbeiter von Amazon. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit Amazon stattgefunden, so der Frankfurter Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig am Montag dieser Woche. Verdi fordert, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden deutlich höhere Stundenlöhne resultieren. Bisher orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche. Amazon dagegen gab bekannt, in seinen deutschen Logistikzentren 8.000 feste Arbeitsplätze geschaffen zu haben. 2.000 seien alleine in den vergangenen 12 Monaten bereitgestellt worden. Die Vergütung der Mitarbeiter liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

Amazon geht nun in die Offensive. Deutschland-Chef Ralf Kleber spricht sich für die Gründung von Betriebsräten bei Amazon aus und lobt das Prinzip der Mitbestimmung. An zwei von acht deutschen Standorten habe Amazon schon Betriebsräte, an einem dritten gruppiere sich gerade einer. Im Logistikzentrum in Pforzheim laufen bereits die Vorbereitungen für die Wahl eines Betriebsrats. In Pforzheim sind derzeit rund 500 Mitarbeiter mit langfristigen Verträgen beschäftigt. Hinzu kommen je nach Saison mehrere hundert Aushilfen.

Während 2 deutsche Kleinverlage eine seit Jahren bestehende Zusammenarbeit mit Amazon wegen „katastrophal schlechter Konditionen” bereits beendete, erklärte der Drogeriemarktkonzern dm, die Kooperation mit Amazon genauer zu durchleuchten. „Wir prüfen für alle unsere Kooperationspartner immer wieder, wie die Kooperation von unserem eigenen Anspruch her einzuschätzen bzw. gegebenenfalls kritisch zu hinterfragen ist”, sagte dm-Chef Erich Harsch. Der Konzern habe „die Vorwürfe sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen”, sagte Harsch weiter. „Selbstverständlich werden wir mit Amazon darüber sprechen und darum bitten, die eigenen Erkenntnisse und Haltungen deutlich zu machen.”

Was wird die Folge sein?

In einem derart globalen Umfeld werden wir dann in absehbarer Zeit zunehmend unsere Ware aus Logistikzentren im benachbarten Europa erhalten, denn Amazon wird dieser Problematik dann aus dem Weg gehen und hier nur noch das unbedingt Nötige am Logistikleisung unterhalten!


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