Betrüger drohen mehrere Jahre Haft wegen Scheinverkäufen über eBay

Schon zum zweiten Mal steht ein 28-jähriger Bochumer wegen tausender Scheinverkäufe bei eBay vor Gericht. Käufer von Akkuschraubern und Bohrmaschinen sollen von dem Betrüger um insgesamt 923.000 Euro betrogen worden sein. Dem jungen Mann drohen nun mehrere Jahre Haft.

Der Angeklagte war bei eBay ein sogenannter „Powerseller“, ein professioneller gewerblicher Verkäufer, der beständig ein hohes Handelsvolumen vorweisen konnte. Auf dem Online-Marktplatz machte er hohen Umsatz mit Elektro-Werkzeugen wie Akkuschraubern oder Bohrmaschinen. Seit dem 18. Februar 2013 muss der Bochumer sich jedoch als Beklagter vor dem Landgericht Bochum verantworten. Die Anklage lautet auf Betrug in 6.383 Fällen.

Mit seiner damaligen Internet-Firma hatte der Mann von Herne, später von Bochum aus, Werkzeugmaschinen eines asiatischen Herstellers an Kunden in Frankreich veräußert. „Es hat wunderbar geklappt“, sagte er vor der 6. Strafkammer. Er konnte seine Produkte weit unter Listenpreis anbieten, weil ihm der Lieferant seinerseits phantastische Preisnachlässe einräumte. Als ihm aber wegen heftiger firmeninterner Streitigkeiten der Vertrag gekündigt wurde und er keinen Nachschub mehr bekam, ließ er seine Offerten einfach weiter auf eBay stehen.

Betrüger drohen mehrere Jahre Haft wegen Scheinverkäufen über eBay

„Es ging weiter mit der Hoffnung, dass das noch geliefert wurde“, sagte der 28-Jährige vor Gericht. Die Hoffnung jedoch war anscheinend völlig irrational. Die Kunden des Mannes überwiesen den ersteigerten Preis als Vorkasse. Danach jedoch warteten sie umsonst auf die Waren aus Deutschland, denn der Angeklagte hatte gar keine Ware mehr.

Zwischen Ende Januar 2011 und Anfang März 2011 hatten die Kunden 923.000 Euro vorab überwiesen. Da sie über PayPal bezahlten und damit versichert waren, bekamen sie ihr Geld zurück. 593.000 Euro sind laut Anklage bereits zurückbezahlt worden. Was mit der restlichen Summe ist, blieb vor Gericht unklar.

eBay und PayPal hatten den Angeklagten, nachdem sich mehr und mehr Kunden beschwert hatten, gesperrt. Vier Wochen verbrachte der Bochumer damals in Untersuchungshaft. Etwa 600.000 Euro aus der Beute soll er von seinen Konten in Herne abgehoben und teilweise auch privat ausgegeben haben. „Teilweise in Saus und Braus“ habe er gelebt, gab er zu. Das Geld sei jetzt weg. An PayPal hat er bis heute nichts erstattet.

Anfang Dezember 2012 hatte er schon wegen der Scheinverkäufe vor dem Bochumer Schöffengericht gestanden. Das aber gab den Fall ans Landgericht ab, denn die eigene Strafgewalt reicht nur bis 4 Jahre Haft.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil wird am 25. Februar erwartet.

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