eBay ist zurück – ein umfassender Rückblick seit 2008 bis zum heutigen Tag – Teil 1

JP Mangalindan, seines Zeichens Fortune-Autor, hat sich  in einem Artikel mit eBay CEO John Donahoe befasst und seinen Bericht mit „eBay is back“ überschrieben.

Ein Dezembermorgen 2012 in den USA: „I’d like to take you on a journey”, so eBay CEO John Donahoe vor einer Gruppe von 2.500 eBay-Mitarbeitern im San Jose Civic, einer Konzerthalle in der Nähe des eBay Headquarters. John Donahoe steht auf der Bühne und fordert seine Zuhörer auf, ihre Arbeit zu reflektieren: „Close your eyes,” forderte er seine Zuhörer auf. „What is the thing you are most proud of that your team has accomplished this year?”

Dann beginnt Donhaoe seine 8 Jahre bei eBay Revue passieren zu lassen. Fünf davon ist er bereits als oberster Chef von eBay im Amt. Aber nicht nur die Menschen vor Ort können an der Ansprache teilhaben, Donahoe hat sie auch in Auszügen an Angestellte in Deutschland und Irland sowie andere Orte in den USA versandt.

Donahoe erzählt von den Momenten seiner Selbstzweifel, so wie zum Beispiel in einer Nacht im Juni 2008, bevor er auf einen Verkäufer-Event in Chicago erscheinen musste. Es war ein paar Monate nachdem er durchgreifende Änderungen hinsichtlich der eBay-Gebühren angekündigt hat und die Händler sehr wütend auf Donahoe waren, selbst Streiks waren an der Tagesordnung. Ein Händler ging sogar soweit ein YouTube Video zu gestalten, in dem er Donahoe mit einer Nazi-Wache aus Schindlers Liste verglich. Donahoe erinnert sich, dass er damals dachte:„Ist es das alles wert“?

Fünf Jahre später bekommt er erst seine Antwort. Unter Donahoes Leitung hat eBay eine bemerkenswerte Verwandlung erfahren: Eine Verschiebung von seiner ursprünglichen (und dann fehlgeschlagenen) Mission, den Online-Auktionen, hin zu einem Fullservice E-Commerce-Business.

eBay stellt sich als beste Antwort auf Amazon für Einzelhändler heraus, denn Amazon bringt den Retail durch seine immensen Rabatte und einem schwindelerregenden Aufgebot an neuen Businesszweigen langsam zum Erliegen. „Die Händler kommen zu uns und sagen ‚wir brauchen einen Technologie-Partner‘“, so Donahoe.

eBay hat seinen Händlern viele wertvolle E-Commerce-Tools angeboten, vor allem aber seinen enorm erfolgreichen PayPal-Bezahldienst. Donahoe hat die mobilen Angebote des Unternehmens verstärkt, man denke hier an die Akquisition von Zong, einem Spezialisten für mobile Bezahlungen, oder RedLaser. 2011 kam GSI Commerce zum Portfolio hinzu und seit letztem Jahr arbeitet eBay mit Discover zusammen. Durch diese Angebote bietet eBay den Retailern eine komplette Garnitur von Handelsservices, die das eBay-Wachstum anheizen.

Die Investoren reagieren begeistert auf das neue eBay. Der Aktienwert ist im Laufe des vergangenen Jahres um 70% angestiegen und eBay hat leistungsmäßig einen Teil des Tech-Sektors übertroffen, einschließlich Amazon. Die Analysten sagen, dass John Donahoe sich sehr verdient gemacht, denn er hat etwas erreicht, was in der Tech-Welt äußerst selten vorkommt: Ein Unternehmens-Turnaround.

Das eBay Aufsichtsratmitglied Marc Andreessen geht so weit zu sagen: „Wenn  Steve Jobs oder Mark Zuckerberg die Vorlagen für [erfolgreiche] Gründer sind, dann ist Donahoe eine Vorlage für einen professionellen CEO.“

Als Donahoe im Jahr 2005 von Bain & Co. zu eBay kam und das Marktplatz-Business unter seine Fittiche nahm, war eBay bereits „unten“ angekommen. Er fand ein Unternehmen vor, das kurz vor dem Erlöschen war. Das Wachstum des damaligen eBay-Kernbusiness, die Auktionen, ging dramatisch den Berg hinunter, denn das Einkaufsverhalten der Kunden fing zu dieser Zeit an sich zu verändern. eBay war daher auch nicht mehr das erste Einkaufsziel für die Verbraucher. Stattdessen wandten sich die Kunden Amazon zu. Hinzu kam die Frage, was man mit der 2,5 Milliarden Investition Skype machen sollte, die im Jahr 2005 abgeschlossen war. Die erhofften Synergien mit den übrigen Businesszweigen eBays blieben aus. Letztendlich wurde Skype verkauft.

2009, ein Jahr nach Donahoes Antritt als eBay Boss, fielen die Aktien von einem Allzeit-Hoch von 58,00 Dollar im Jahr 2004 auf knapp 10,00 Dollar. Doch wie so viele ehemalige Doctom-Lieblinge, verharrte auch eBay in seinen ruhmreichen Tagen und hielt an den Auktionen fest, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, sich an die Veränderungen der Internet-Welt anzupassen. Selbst als in den früheren Zweitausendern die Tech-Blase zerplatzte, ging der Anstellungswahnsinn bei eBay weiter: Mehrere hundert Mitarbeiter stellte eBay pro Jahr ein. Das führte zum Teil dazu, dass die Mitarbeiter völlig überqualifiziert für die Ihnen zugewiesenen Positionen waren: Als ehemaliger Vize-Präsidenten eines anderen Unternehmens wurde man bei eBay dann „nur“ Produkt-Manager. Die Mitarbeiter wurden so selbstgefällig, dass die Leute nach einem Meeting klatschten, selbst dann, wenn Gegenstand der Zusammentreffen zurückgehende Kundenzufriedenheit und nachlassendes Engagement war.

eBay-Gründer Pierre Omidyar, der eBay auch weiterhin beobachtete, sagte, dass man gar nicht mehr bemerkt habe, was außerhalb des Konzerns in Sachen Konkurrenz vor sich gegangen sei. Die Fähigkeit neue Dinge zu schaffen sei den meisten vollständig abhanden gekommen.

Wie aber schaffte John Donahoe den Neubeginn von eBay?

Im zweiten Teil des Artikels gibt es einen Erklärungsversuch dazu: eBay ist zurück Teil 2 – wie schaffte eBay den Turnaround?

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