Amazon Deutschland wegen schlechter Arbeitsbedingungen am Pranger

Am Mittwoch, dem 13. Februar 2013 um 22:45 Uhr lief in der ARD eine Reportage mit dem Titel: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon [Wiederholung der Reportage]. Seit der Ausstrahlung dieser Dokumentation geht es Amazon an den Kragen. Nutzer erklären nichts mehr bei Amazon bestellen zu wollen, andere kündigen ihre Konten gleich ganz. Shitstorms verbreiten sich unter anderem über Facebook. Und die Medien stürzen sich auch auf Amazon. Doch wie lange wird das anhalten? Und wird Amazon etwas ändern?

Amazon Deutschland am Pranger

Die  Fernsehreportage prangerte die miserablen Arbeitsbedingungen in den deutschen Logistikzentren von Amazon an. Im Film stand das Zentrum in Bad Hersfeld Pate. Arbeiter aus Polen oder Spanien müssen, vor allem in der Weihnachtssaison, mitunter fast 2 Wochen ohne einen einzigen Ruhetag durcharbeiten, was gegen das deutsche Arbeitszeitgesetz verstößt. Sie würden ferner nicht so gut bezahlt wie versprochen und die Sozialbeiträge seien nicht korrekt abgeführt worden. Außerdem würden die Saisonkräfte bei Amazon von privatem Sicherheitspersonal überwacht und schikaniert. Der private Sicherheitsdienst Hensel European Security Services (HESS), der die zumeist ausländischen Mitarbeiter dem Bericht zufolge schikaniert haben soll, wehrte sich gegen die Anschuldigungen: „Den Vorwurf, unser Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese, weisen wir zurück.“ Interessanterweise gab Amazon Deutschland Geschäftsführer Ralf Kleber gestern Abend in den RTL-Nachrichten [17.02.2013 RTL aktuell 18:45 Uhr] bekannt, dass ab sofort mit Hensel European Security Services nicht mehr zusammengearbeitet werde.

Die Leiharbeiter setzen sich natürlich gegen all diese Heimtücken nicht zur Wehr, denn zum einen brauchen sie das Geld und zum anderen  wissen sie, die nächsten Leiharbeiter warten schon… .

Die festangestellten Mitarbeiter des Logistikzentrums in Graben  nutzten wohl die Fernsehreportage, denn kurz vor der Ausstrahlung der Sendung, haben sie einen eigenen Betriebsrat „wählen dürfen“.

Inzwischen hat sich die Politik eingeschaltet und fordert Aufklärung über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU): „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“, sagte die Ministerin der „Welt am Sonntag“. Sie drohte der Leiharbeitsfirma mit Lizenzentzug.

Verdi-Vorstandsmitglied Nutzenberger sagte am Sonntagabend gegenüber Deutschlandfunk, es könne nicht sein, dass sich ein international tätiger Konzern jederzeit kündbare Tagelöhner mit weniger Rechten halte. Auch Amazon müsse seine Beschäftigten menschenwürdig behandeln und fair bezahlen. SPD-Fraktionsvize Heil forderte ein Gesetz, wonach Stamm- und Leihbelegschaften für gleiche Arbeit auch gleichen Lohn erhalten müssen.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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