Facebook baut den gläsernen Menschen durch die neue Suche Graph Search

Am 15. Januar 2013 stellte Facebook Graph Search vor. Hierunter verbirgt sich eine neue Suchfunktion für Inhalte bei Facebook. Damit könnte Facebook das Suchgeschäft aufmischen und besonders Google enorm unter Druck setzen.

Es geht um Milliarden von Werbeeinnahmen, die mit dem Durchsuchen von Information verdient werden können. Momentan ist Google der Platzhirsch im Suchgeschäft, doch Facebook spekuliert mit seinem riesigen Schatz an usergenerierten Inhalten darauf, dass die Kunden bei vielen Suchanfragen bald auf Google verzichten können.

Graph Search wird aktuell lediglich einer limitierten Anzahl von Facebook-Nutzern in der Betaversion (auf  Englisch) zur Verfügung gestellt. Das Tool macht es möglich, mit komplexen Suchanfragen die Inhalte von Kontakten zu durchforsten. Facebook hat bei der Vorstellung beteuert, dass der Datenschutz gewahrt bleibt… . User sollen nur Inhalte angezeigt bekommen, auf die sie ohnedies Zugriff haben. Derzeit gibt es laut Zuckerberg keine konkreten Pläne für eine Monetarisierung des Services.

Der gläserne Mensch durch Facebooks neue Suche Graph Search

Der gläserne Mensch durch Facebooks neue Suche Graph Search

Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit bis Facebook, das seit seinem Börsengang mit Nachdruck auf der Suche nach neuen Einnahmequellen ist, diese Quelle anzapfen wird. Bewertungsplattformen für Restaurants und andere Dienstleistungen, aber auch traditionelle Suchmaschinen werden dann ordentlich Gegenwind erfahren.

So sind die Aktien des Review-Anbieters „Yelp“ nach der Vorstellung von Graph Search mehr als 7% gesunken. Ein Zusammenhang ist sehr denkbar. Amazon, das ebenso auf Nutzer-Bewertungen setzt, dürfte bei einem Erfolg von Graph Search ebenfalls leiden.

Google, das  zurzeit etwa 75% des US-Suchmaschinen-Werbegeschäfts für sich verbucht, muss sich noch keine Sorgen machen. Allein in den USA soll Google 2011 13 Milliarden Dollar mit seinem Kern-Business verdient haben. Facebook ist aber im sozialen Sektor deutlich besser aufgestellt. Google+ hat sich trotz Quasi-Zwangsrekrutierung über andere Google-Services nicht als wirkliche Konkurrenz für Facebook etablieren können. Soziale Inhalte sind wichtig und werden eher noch an Bedeutung zulegen. Für viele Suchanfragen kann Facebook sich mit einem ausgereiften Tool als ernsthafte Alternative präsentieren.

Kommentar

Diese erweiterte Suche wird dazu führen, daß Daten völlig unkalkulierbar ausgewertet werden, die Beteuerungen von Facebook den Datenschutz einzuhalten, sind ja bereits hinlänglich aus der Vergangenheit bekannt – Facebook legt keinen Wert auf Datenschutz. Das Mitteilen persönlicher Vorlieben, Gewohnheiten und Gedanken über Facebook ist im Grunde schon zweifelhaft und öffentlich genug, wenn jedoch nun auch noch diese Informationen entsprechend geclustert, jedermann zur Verfügung gestellt, und schön für den Verkauf gemacht werden, dann wird es bedenklich.

Facebook steht nach dem verpatzten Börsengang und dem schlechten Aktienkurs enorm unter Druck. Warum? Facebook ist keine Spaßveranstaltung, sondern ein kommerzielles Unternehmen mit dem Zwang, enorme Erträge zu erwirtschaften.

Wie ist das Geschäftsmodell?

Für Facebook ist entscheidend, in welche Richtung es geht und ob die User folgen werden. Zählt nur noch der Aktien- und Börsenwert, werden Nutzer möglicherweise die Nutzung einschränken, eine zu starke Kommerzialisierung wird sie vergraulen. Viele User teilen schon heute weniger als früher und sind genervt davon, zugemüllt zu werden.

Facebook wird als Unternehmen wahrgenommen, das in sehr hohem Tempo wächst, daher bereit jede Wachstumsschwäche Sorge am Geldmarkt und die Erwartungen der Märkte sind nach dem Börsengang sehr hoch.

Wird es Facebook schaffen seine Werbeeinnahmen zu steigern, wird Facebook auch auf den mobilen Plattformen präsent sein und entsprechende Einnahmen verbuchen können, gibt es weiteres Potential um die Nutzerzahlen zu steigern? Nicht zuletzt besteht eine große Unsicherheit in der Schnelllebigkeit des Internet. Facebook wäre nicht das erste Unternehmen, dass mehr oder weniger Plötzlich von einer Innovation im Netz überrannt wird und Nutzer und Einnahmen verliert.

Die Aussage, daß es derzeit keine konkreten Pläne für eine Monetarisierung des Services gebe, zeugt entweder von extremer Kurzsichtigkeit Zuckerbergs oder der Begriff  „derzeit“ ist sehr kurzfristig ausgelegt! Auch die Aussage Zuckerbergs „Das ist erst der Anfang“ ist durchaus interpretationsfähig… .

Stimmen zum neuen Facebook-Service

Zachary M. Seward  Quartz: „Ein Beispiel, das Zuckerberg vorgestellt hat, war „Freunde von Freunden, die in San Francisco leben und Single sind“. Das wurde als Angriff auf Partnervermittlungsseiten interpretiert, was stimmt. Aber denkt mal darüber nach: Es ist eine Partnervermittlung, für die ihr euch nicht angemeldet habt.“()

Sharon Vaknin, Cnet: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Privatsphäreneinstellungen zu überprüfen. Es ist immer wichtiger, sich genau zu überlegen, was man auf Facebook mitteilt und wie.“ ()

Varinia Bernau, Süddeutsche: Jeder sollte sich eines bewusst machen: Solange ein Produkt umsonst ist, ist er selbst das Produkt. Solange Google und Facebook ihr Geld mit Werbung verdienen, werden sie die gesammelten Daten so nutzen, dass sie viel Geld mit Werbung verdienen.

Chris Stöcker, Spiegel: Zuckerberg sagte im Moment sei man nur daran interessiert, „etwas zu bauen, das die Leute wollen“. Das ist unwahrscheinlich – Facebook ist ständig auf der Suche nach neuen Monetarisierungsmodellen, und Googles enormer Erfolg mit Suchwortvermarktung gilt bis heute als Messlatte fürs Geschäft mit dem Netz.

Kai Biermann, Zeit online:  Werden zwei Daten miteinander kombiniert, kann sich aus ihnen eine neue, so ursprünglich nie erwünschte Aussage ergeben. Jede Information für sich ist harmlos, beide zusammen nicht mehr. Beispiele für dieses Problem gibt es genug. Schon vor Jahren haben zwei Studenten des Massachusetts Institute of Technology gezeigt, dass eigentlich unverfängliche Informationen bei Facebook treffsicher dazu dienen können, Schwule zu outen, auch wenn diese ihre sexuelle Orientierung an keiner Stelle öffentlich gemacht hatten. Möglich ist das über die Kombination bestimmter, für sich genommen uneindeutiger Merkmale.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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