eBay Deutschland Geschäftsführer Martin Tschopp zum Handel der Zukunft

BusinessPartner PBS sprach mit dem Deutschland-Geschäftsführer von eBay, Martin Tschopp, darüber wie der Handel in Zukunft aussehen wird.

Da die Handelslandschaft sich in einem andauernden Wandel befinde, wollte PBS wissen, wo Martin Tschopp in den kommenden 5 Jahren den stationären Fachhandel sieht.

Durch die mobilen Technologien entstehe ein komplett neues Handelsumfeld, sagte Martin Tschopp. Der Kunde gebe vor, wo ein Geschäft zu sein habe und darauf müsse sich der Handel einstellen. Aus Sicht von eBay profitierten besonders diejenigen Händler von diesen grundlegenden Umgestaltungen, die den neuen Technologien offen gegenüberstünden, eine ausgearbeitete Multichannel-Strategie nutzten und sich auf das veränderte Informations- und Kaufverhalten der Kunden einließen. In den Augen von Tschopp verlangen die mobilen Technologien von den Unternehmen eine rundweg neue Sichtweise auf die unterschiedlichen Absatzkanäle und deren Einbindung.

Zum Internet-Handel und seiner dynamischen Entwicklung in den vergangenen 10 Jahren hat Martin Tschopp respektive eBay folgende Meinung: Online- und Offline-Grenzen gebe es durch die mobilen Technologien irgendwann nicht mehr. Daher ist es aus eBays Sicht unsinnig, in Einteilungen wie „Offline und Online“ zu denken. eBay betrachtet den Handel als ein Ganzes, wobei wahrscheinlich der Teil des Handels, bei dem das Internet Bedeutung hat, weiter fühlbar anwachsen wird.

Auf die Frage, was Tschopps Vision einer erfolgreichen Multi-Channel-Strategie im Facheinzelhandel sei antwortet er: „In den USA testen wir neue Services, bei denen man sich Waren der angeschlossenen Händler innerhalb weniger Stunden an den Ort seiner Wahl liefern lassen kann.“ Jedoch glaube er nicht, dass es nur eine einzige aussichtsreiche Lösung gebe. Da jedes Business individuell sei, müsse der entsprechende Händler eine auf sich selbst zugeschnittene Strategie entwickeln. Allerdings dürfe hier eine durchdachte Multi-Channel-Strategie nicht fehlen, da die Konsumenten heute schon ganz anders einkauften als noch vor ein paar Jahren. Zudem würde sich das Einkaufsverhalten zukünftig weiter schnell verändern. Ebenso müssten die Händler das neue Han­dels­umfeld auch tatsächlich verstehen, damit sie eine sinnvolle Geschäfts-Strategie erstellen zu könnten. Hier seien Berater von Nöten, die das Internet-Business in ihren Einzelheiten kennen würden. Unternehmen wie eBay seien als Partner dabei enorm hilfreich. Einerseits können diese Partner beraten, aber auch viele Lösungen anbieten die Händler bei ihrem Weg in das Internet oder auf das Smartphone unterstützen könnten.

Tschopp hält es für sehr wichtig, dass Händler begreifen, dass der Handel im World Wide Web nicht einfach eine Erweiterung des Offline-Geschäfts sei. Online funktioniere ganz anders und brauche beispielsweise bezüglich Preisfestsetzung und Sortiment eine komplett autonome Strategie. Online dürfe nicht als eine weitere Zweigstelle des stationären Geschäftes angesehen werden. Es müsse als ein neuer Vertriebskanal gesehen werden.

Bei der Eröffnung des eBay-„Kaufraums in Berlin, dem ersten, zeitlich befristeten Showroom des Unternehmens in Deutschland, hat Martin Tschopp erklärt, dass eBay Lösungen biete, die auch dem stationären Handel Kunden zuführe.

Wie das zu verstehen sei, wollte PBS wissen.

Martin Tschopp: „Schon heute ist es so, dass viele der Händler, die eBay zum Verkauf ihrer Waren nutzen, ursprünglich rein stationären Handel betrieben und irgendwann eBay als zusätzlichen Online-Vertriebskanal zu nutzen begonnen haben, um sich breiter und zukunftsfähiger aufzustellen.“

Als einer der führenden Anbieter im Mobile-Commerce bringe eBay zusätzlich die Produkte der Händler auf die Smartphones und Tablet-PCs der Kunden. Auch ermögliche man über die Plattform, Waren grenzüberschreitend an über 100 Millionen potentiellen Käufer anzubieten. Ferner arbeite man an weiteren Innovationen für die Zukunft.

So gebe es bereits Pilotprojekte, bei die Möglichkeit getestet wird, dass Kunden, die einen Artikel auf eBay erworben hätten, angeben könnten, dass sie diesen im Ladengeschäft des Händlers abholen möchten. In den USA sei „eBay Now“ in der Testphase und PayPal unterstütze Einzelhändler mit seinen „QRShopping“ und POS-Bezahltechnologien.

Eine letzte Frage musste der eBay-Geschäftsführer Deutschland auch noch beantworten: PBS: „In der Ausgabe 7-8/12 von BusinessPartner PBS hatten Büro-Fachhändler bezogen auf Stornierungen, Zahlungsabwicklung und Verdienstmöglichkeiten einige Kritik am eingeengten Handlungsspielraum geäußert, den Plattformen wie eBay ihren Handelspartnern lassen. Wie ernst nehmen Sie diese Klagen?“

„Wir glauben, dass es für einen Marktplatz wie unseren wichtig ist, dass es Regeln gibt, die ein einheitlich hohes Serviceniveau für die Kunden sicherstellen. Das ist auch das, was uns von vielen unserer Händler immer wieder zurückgespielt wird.“ Tatsache sei, dass die Ansprüche der Kunden im Handel weiter steigen würden. Die Kunden wollten ihre bestellte Ware schnell erhalten, sichere Bezahlmöglichkeiten nutzen und einen guten Kundenservice in Anspruch nehmen können. Das fördere man bei eBay, wobei jedoch gleichzeitig wichtig sei, ein gutes Gleichgewicht zwischen den Wünschen der Käufer und den Bedürfnissen der eBay-Verkäufer zu halten. Tschopp führe dazu sehr regelmäßig ausführliche Gespräche mit den eBay- Händlern.

Martin Tschopp zum Schluss: „Die richtige Balance zu finden, ist dabei eine tägliche Herausforderung, der ich mich aber gerne stelle. Dabei ist ganz klar: Wir möchten ein attraktiver Marktplatz und verlässlicher Partner für unsere Verkäufer sein und hören genau zu, wenn unsere Verkäufer ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern.“

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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