Martin Tschopp, Chef von eBay Deutschland im Gespräch mit der Berliner Zeitung

Martin Tschopp, seit Frühjahr 2012 Deutschland-Chef von eBay, gab der Berliner Zeitung Informationen zu seiner Person, aber auch zum eBay Deutschland Geschäft. Wer ist Martin Tschopp?

Geboren in der Schweiz, war es ganz früher sein Traum Pilot zu werden. Doch kam alles ganz anders. Er ist eigentlich Maschinenbauingenieur von Beruf und absolvierte die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich. Doch dann kam ihm das Internet dazwischen. Einen Großteil seiner beruflichen Karriere war er im Internet-Business tätig. Er arbeitete auch für die Unternehmensberatungen McKinsey und Bain & Company [ein „Bainie“ wie eBay CEO John Donahoe] sowie für die DHL in den USA.

Seine Karriere bei eBay startete im Jahr 2003 und führte ihn nach Österreich, in die Schweiz und in die USA. 2009 wurde Tschopp Chef der eBay-Tochter Mobile.de. Seit dem Frühjahr 2012 ist er Chef von eBay Deutschland.

Martin Tschopp, Chef von eBay Deutschland

Das Deutschlandgeschäft

eBay Deutschland gibt es seit 1999. Damals kaufte der US-Konzern das Berliner Start-up-Unternehmen Alando, das von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründete wurde. 43 Millionen US-Dollar kostete eBay die Akquisition. eBay ist in Deutschland seit dieser Zeit auf dem Vormarsch. Jeder sechste Anwender der internationalen eBay-Gemeinschaft ist inzwischen bei dem deutschen Ableger registriert. Das entspricht 18 Millionen Menschen. Allein im November 2012 verzeichnete eBay Deutschland 388 Millionen Besucher. Mehr als 50 Millionen Artikel werden dort ständig von 5,4 Millionen Privatanbietern, 175 000 gewerblichen Händlern und über 100 Markenherstellern und großen Händlern angeboten. Die eBay-Einkaufs-App ist mittlerweile mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen worden.

Seit dem Jahr 2004 gehört ebenso Mobile.de zu eBay Deutschland. Gegründet Ende der 90iger-Jahre in Hamburg für den Autohandel im Netz ist Mobile.de inzwischen der meistbesuchte Fahrzeugmarkt in Deutschland. Ständig stehen dort etwa 1,4 Millionen Fahrzeuge zur Auswahl. Das Portal wird monatlich von rund 66 Millionen Menschen genutzt. Durchschnittlich wird alle 9 Sekunden ein Fahrzeug über Mobile.de veräußert. Dabei geht jedes 5. Fahrzeug ins Ausland. Insgesamt wechselten im vergangenen Jahr über Mobile.de Fahrzeuge im Wert von 36 Milliarden Euro den Besitzer. Das Unternehmen hat 160 Mitarbeiter.

Auf die Frage der Berliner Zeitung wie viel Zeit Tschopp wöchentlich auf seinem Sessel verbringt, antwortete er: „Ganz unterschiedlich, meistens aber nicht sehr viel. Manchmal bin ich eine komplette Woche lang in Berlin. Dann verbringe ich viel Zeit am Schreibtisch, aber noch mehr in Besprechungen mit meinem Team. In anderen Wochen bin ich fast nur unterwegs, tausche mich mit meinen europäischen und US-Kollegen aus oder besuche Kunden oder Konferenzen.“

Entspannen kann der 40-Jährige am besten bei seiner Familie. Seine Kinder bringen ihn sofort auf andere Gedanken.

Ob er schon immer das werden wollte, was er jetzt ist, wollte die Berliner Zeitung wissen. Tschopp sagt nein, denn das Internet habe es noch nicht gegeben als er Kind war. Er habe Pilot werden wollen. Allerdings wollte er schon immer etwas bewegen und die Zukunft gestalten. Sein erstes Geld hat er als Schüler während der Schulferien mit der Reinigung des Schulhauses verdient. 8 Franken die Stunde, meint  er sich erinnern zu können, habe er dafür bekommen.

Was würden Sie niemals für Geld tun, fragte die Berliner Zeitung.

„Da gibt es sehr viele Dinge. Ich habe klare Prinzipien und Ideale und lebe damit sehr gut.“

Einen Wunsch, den er sich noch erfüllen möchte, ist mal wieder länger mit seiner Familie zu verreisen. Während seiner beruflichen Stationen in den USA und Australien hatte er schon die Gelegenheit, diese Regionen näher kennenzulernen, was ihn bis heute prägt. Anderen Kulturen gegenüber sei er sehr offen und neugierig ist er auch.

Ins Büro fährt Martin Tschopp meist mit seinem VW Touran. Allerdings gebe es bei eBay auch Fahrräder zum Ausleihen und neuerdings hat sich der eBay Campus einem Car-Sharing-Projekt angeschlossen, einem in seinen Augen sehr sinnvolles Projekt.

Abends verbringt er seine Zeit gerne zu Hause mit seiner Frau und den beiden Kindern. Lesen macht ihm ebenfalls Spaß. Derzeit ist es ein Buch über die Geschichte der Schweiz.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

„Seid neugierig, begeisterungsfähig, lernwillig und offen für Neues. Denn das Leben hat viel zu bieten! Es gehört dazu, dass man sich selber weiterentwickelt und sich neuen Herausforderungen stellt – auch wenn das nicht immer einfach ist.“

Für Tschopp ist bei einem Vorstellungsgespräch wichtig, dass der Bewerber Interesse und Engagement mitbringt, gleich ob er sich als Manager, Kundenberater oder Programmierer bewirbt.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

„Ich würde vor allem in die Bildung investieren und beispielsweise Anreize dafür schaffen, das junge Leute mehr Zeit im Ausland verbringen, um neue Sprachen und Kulturen kennenzulernen.“


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