Russland – die letzte europäische Internet-Grenze

Maelle Gavet ist seit vergangenem Jahr CEO von Russlands führendem E-Commerce-Business der OZON Holdings. Sie  befasst sich in einem Artikel auf techfortune mit dem Thema: Russland – die letzte elektronische Grenze in Europa. Warum hatten große Unternehmen wie Amazon, Google oder eBay kein Glück in Russland? Wenn es um Amazon, eBay oder Google geht, könnte man denken, dass Russland solche fremden Internet-Giganten mit offenen Armen empfangen würde.

Russland - die letzte europäische Internet-Grenze

Doch wie kommt es, dass Google beispielsweise nur die 2. Geige spielt, mit 27% Marktanteil, wohingegen sein russisches Pendant komfortable 61% aufweist. Amazon ist gar nicht präsent in Russland, wohingegen eBay zumindest eine Webseite in russischer Sprache anbietet und erst jüngst ein Büro in Moskau eröffnete.
Es ist ja nicht so, dass die russische Bevölkerung die Internetriesen nicht möchte. Mit über 53 Millionen Menschen die mittlerweile online sind, hat Russland nicht nur die größte Zielgruppe in Europa, sondern auch ein jährliches Wachstum, dass 7-mal größer ist als beispielsweise in Deutschland (der größte Rivale). Und es gibt noch genug Raum für Expansionen. Auch haben die Russen ein Faible für ausländische Produkte oder solche, die es im eigenen Land nicht zu kaufen gibt. Auf dem Papier sieht es so aus, als wäre die Nation reif für eine Etail-Revolution.

Es gibt Internetfirmen, denen es extrem gut geht in Russland, wie beispielsweise Yandex, Russlands Antwort auf Craigslist. Doch in Russland sieht es so aus, als würde die globale Vorherrschaft keine Rolle spielen. Weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass das Land als „letzte Internet-Grenze in Europa“ beschrieben wird.

Aber während Russland unbestreitbar seinen eigenen Weg geht wie die Dinge anzupacken sind, liegt der Misserfolg von großen wesentlichen Unternehmen nicht nur an dem Kulturunterschied. Und auch ist es kein Fall von Überheblichkeit der westlichen Firmen. Das Problem liegt darin zu verstehen, dass man nicht einfach ins Land spazieren und ein Business aufbauen kann wie einen traditionelles stationäres Geschäft, nur weil eine anwachsende Anzahl von Russen Internetzugang und Geld haben. Und obgleich Moskau alles hat, was auch eine moderne westliche Stadt bietet, hat der Rest des Landes nicht die notwendige Infrastruktur für den E-Commerce.

So ist die russische Post zum Beispiel entweder viel zu teuer oder zu unsicher, um sich darauf verlassen zu können. Die exorbitanten Bank-Gebühren und das fehlende Vertrauen in elektronische Bezahlsysteme lassen die russischen Konsumenten am liebsten mit Bargeld bezahlen.

Doch trotz der anscheinend schwer zu handhabenden Hürden für ein Online-Business, gibt es ein paar Unternehmen die florieren. So hat beispielsweise OZON.ru sein eigenes Logistikunternehmen aufgebaut, das in 130 russischen Städten operiert.

Der entscheidende Punkt für das Fehlschlagen der westlichen Konzerne aber liegt darin, dass die russischen Unternehmen mit dem Internet gewachsen sind und sich entsprechend angepasst haben, auch an die russische Internet-Gemeinschaft. Man könnte vielleicht sogar behaupten, dass diese erfolgreichen russischen Unternehmen, die wahren Internet-Pioniere sind.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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