Wird Amazon langsam das Opfer seines eigenen Wachstums?

Den meisten Experten erscheinen die permanenten Erfolgsmeldungen von Amazon unschlagbar. Zwar haben die Erlöse in den vergangenen Quartalen die Analysten und Investoren enttäuscht , auch bei den Same Store Sales schwächelt Amazon, doch Amazon-Befürworter sind sich einig, dass die enorm hohen Investitionen der Vergangenheit sich bald auszahlen werden.

Amazon startete 1994 als kleiner Buchhändler, nutzte aber im Jahr 2000 die Dotcom-Pleite, um als dominanter Player im Internet hervorzugehen. Amazons Fähigkeit beharrlich weiter zu machen, frühe Online-Erfahrung und Markenwiedererkennung sind die Hauptfaktoren, dass aus Amazon ein einflussreiches E-Commerce-Unternehmen wurde. Es schein so, dass alles was Amazon anfasst, zu E-Gold wird. Doch wird Amazon langsam das Opfer seines eigenen Wachstums?

Einige der berühmten Amazon Produkte und Services schließen das Retail-Angebot, Amazon Web Services, Amazon Payments und den Kindle ein. Doch wie viele kennen AmazonFresh, Pinzon, Amazon Shorts, Amapedia oder Amazon Vine? Vielleicht wächst Amazon in fast jede vorstellbare Richtung, um nach den Verlusten in den letzten Quartalen trotzdem noch den Erwartungen der Kapitalanleger zu entsprechen. Doch dieser starke Übergriff auf so viele Nebenschauplätze ist exakt das, was das Kernbusiness und die anderen prominenten Produkte beeinträchtigt.

Die hauchdünnen Gewinnspannen könnten Amazon möglicherweise dazu zwingen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, um den Profit aufrecht zu erhalten (wie die bereits vor kurzem anprangerten drakonischen Arbeitsbedingungen in den US-amerikanischen Auslieferungszentren). Cory Doctorow von Boing Boing erklärt, dass die Verkaufsdatenbank von Amazon Marketplace von automatisierten, konkurrierenden Software-Programmen überschwemmt ist, die die Preiskalkulation für Bücher auf den geringsten Preis herunter treiben. Inzwischen haben wohl teilweise auch die Kunden Zweifel an Amazons Web Services Business bekommen, nachdem im Jahr 2011 ein weit verbreiteter Ausfall tausende von Geschäften der Amazon Händler nachteilig beeinflusste.

Im Bezahlsektor ist Amazons Rivale eBay mit PayPal weiterhin im online sowie im mobilen Bereich dominierend und der Kindle Fire hat in seiner Beleibtheit an Ansehen verloren, wie eine aktuelle Studie belegt.

Im April 2012 ist Amazon mit Amazon Supply in das lukrative Business-to-Business (B2B) eingestiegen. Der Vorteil dieses Bereichs ist, dass die Gewinnspannen signifikant höher liegen. Amazon hofft nun auch in diesem Bereich mit stationären Ladengeschäften, bereits etablierten B2B-Services einschließlich eBay und anderen konkurrieren zu können. Hier hat Amazon noch einen sehr langen Weg vor sich, bevor der Internetriese den B2B-Bereich anführen kann.

Seltsamerweise ist aber der größte Player auf dem Markt, mit dem Amazon kämpfen muss, der Online-Marktplatz eBay. eBay ist in vielen Kategorien aktiv, bietet seinen Händlern eine eigene Ladenfront und ermöglicht via PayPal die Abwicklung von Transaktionen. Obwohl eBay etwas höhere Kommissionen verlangt als Amazon, sind Lieferanten trotzdem eher an eBay interessiert, denn hier können sie aufgrund von eBays starker Handelsmarke und eBays Metriken ihre eigenen Storefronts schaffen.

Allerdings hat Amazon auch den Vorteil über ein stattliches Forschungs-und Entwicklungsbudget zu verfügen, wodurch Amazon mit verschiedenen Features experimentieren kann, um herausfinden was geht und was nicht.

Es ist gefährlich auf jedem Markt mitspielen zu wollen, die Investitionen derart weit vom Kerngeschäft zu streuen, doch das hält die Verantwortlichen des Konzerns nicht davon ab scheinbar zügellos in jedwede Territorien zu expandieren, die Gewinnmargen versprechen.

Beitrag teilen: