ChatGPT Shopping jetzt auch in Deutschland verfügbar
OpenAI hat seinen KI-Chatbot ChatGPT um eine Shopping-Funktion erweitert, die nun ebenfalls in Deutschland verfügbar ist. Mit ChatGPT Shopping können Nutzer direkt im Chat nach Produkten suchen und erhalten personalisierte Produktempfehlungen mit Bildern, Preisen und Bewertungen – inklusive Links zu Online-Händlern für den direkten Kauf. Die neue Funktion wird seit dem 28. April schrittweise ausgerollt und steht sowohl zahlenden Abonnenten als auch kostenlosen Nutzern (sogar ohne Login) zur Verfügung. Branchenbeobachter werten den Schritt als Angriff auf das lukrative Shopping-Geschäft von Google, da ChatGPT damit erstmals als KI-gestützter Einkaufsberater auftritt.
Funktionen: Produktsuche und Preisvergleich im Chat
Inhaltsverzeichnis
ChatGPT Shopping bietet ein Google-ähnliches Shopping-Erlebnis direkt in der Chat-Oberfläche. Nutzer können in natürlicher Sprache nach Produkten fragen – etwa „beste Espressomaschine unter 200 Euro“ – und der Chatbot präsentiert daraufhin passende Produkte mit Bild, Beschreibung und aktuellen Preisen.
Unter jedem Vorschlag listet ChatGPT verschiedene Händler wie Amazon oder MediaMarkt auf, bei denen der Artikel erhältlich ist, inklusive Buttons für die Weiterleitung zum Kauf. So lassen sich Angebote und Preise mehrerer Shops auf einen Blick vergleichen, ohne die ChatGPT-Umgebung verlassen zu müssen.
Eine direkte Bezahlung innerhalb von ChatGPT ist allerdings nicht vorgesehen – der Abschluss der Transaktion erfolgt auf der jeweiligen Händler-Website.
ChatGPT Shopping ist zunächst auf vier Produktkategorien beschränkt: Elektronik, Haushaltswaren, Mode und Beauty. OpenAI demonstrierte die Fähigkeiten in Vorab-Tests anhand von typischen Suchanfragen (z.B. Espressomaschinen oder Bürostühle), wobei der Chatbot detailliert auf Produktwünsche einging. Nutzer können auch Nachfragen stellen und eine richtige Unterhaltung über die vorgeschlagenen Produkte führen – etwa um Details zur Nutzung, Garantien oder Rückgabebedingungen zu erfahren, ohne die Chatoberfläche zu verlassen. Dies soll den Online-Einkauf komfortabler und effizienter machen, da lästiges Öffnen mehrerer Tabs und manuelles Vergleichen entfällt.
Personalisierte Empfehlungen und Datenquellen
Laut OpenAI basiert ChatGPT Shopping auf einem dialogorientierten, personalisierten Ansatz anstelle klassischer Keyword-Suchalgorithmen. Der Chatbot berücksichtigt bei seinen Produktempfehlungen Nutzerpräferenzen, echte Kundenbewertungen und Testberichte aus dem Internet.
Beispielsweise merkt sich ChatGPT (außer in der EU) vorher erwähnte Vorlieben – etwa bevorzugte Marken oder Farben – und bezieht diese in zukünftige Vorschläge mit ein. Außerdem werden Produktbewertungen aus verschiedenen Quellen angezeigt, von redaktionellen Verlags-Webseiten über Online-Shops bis hin zu Foren wie Reddit, um ein möglichst umfassendes Bild zu geben.
Technisch greift ChatGPT auf öffentlich verfügbare Produktinformationen zurück: So stammen die Daten unter anderem aus strukturierten Web-Feeds (z.B. Schema.org) und von Drittanbietern wie Google Shopping oder Amazon, kombiniert mit den eigenen Web-Crawler-Daten von OpenAI. Dadurch bleiben Preisangaben und Verfügbarkeiten stets aktuell, da Partner-Datenquellen in Echtzeit eingebunden werden.
Wichtig zu beachten: In Deutschland und der EU ist die personalisierte Produktsuche aus Datenschutzgründen vorerst deaktiviert. Das bedeutet, ChatGPT kann hiesige Nutzervorlieben (wie z.B. frühere Farbwünsche oder Lieblingsmarken) derzeit nicht für Empfehlungen heranziehen. Diese Einschränkung basiert auf strengen EU-Datenschutzgesetzen und soll so lange gelten, bis OpenAI entsprechende Richtlinien erfüllen kann. Ungeachtet dessen verspricht OpenAI auch hierzulande ein breites Spektrum relevanter Suchergebnisse, da die KI auf eine Fülle an Produktdaten und Bewertungen zurückgreift. Zudem werden Quellenangaben transparent im Chat angezeigt, sodass Nutzer die Herkunft der Informationen leicht nachvollziehen können.
Keine Werbung: Unabhängige Ergebnisse statt gesponserter Anzeigen
Ein wesentlicher Unterschied zu etablierten Plattformen ist, dass ChatGPT Shopping keine Werbung einblendet. Während Google bei Shopping-Suchen häufig gesponserte Produktanzeigen prominent platziert, stammen die Empfehlungen von ChatGPT ausschließlich aus der organischen Websuche des KI-Modells. OpenAI betont, dass die aufgelisteten Produkte neutral und nicht durch Werbegelder beeinflusst sind. „Es sind keine Werbeanzeigen – es wird nicht gesponsert“, stellte Adam Fry, Leiter des ChatGPT-Suchprojekts, klar. Zum Start verdient OpenAI also direkt nichts an den Einkaufsvermittlungen – anders als Google, für das die Shopping-Vermittlung ein lukratives Anzeigengeschäft darstellt.
Die Unabhängigkeit der Suchergebnisse könnte ein Vertrauensvorteil für Nutzer sein, die Werbeempfehlungen skeptisch gegenüberstehen. Allerdings lässt OpenAI offen, ob dies dauerhaft so bleibt. Branchenexperten vermuten, dass in Zukunft Modelle zur Monetarisierung geprüft werden – etwa Provisionen oder Affiliates –, doch vorerst stehe die Nutzererfahrung im Vordergrund.
Erste Reaktionen und Herausforderungen
Die Einführung von ChatGPT Shopping in Deutschland stößt auf geteiltes Echo. Viele Technik-Enthusiasten begrüßen die neue Funktion als zeitersparnisbringend und komfortabel, da sie personalisierte Empfehlungen liefert und das lange Recherchieren auf verschiedenen Webseiten abkürzen kann. Zugleich wird diskutiert, wie transparent und fair die Produktauswahl der KI ist. Für Verbraucher bleibt zunächst unklar, nach welchen Kriterien ChatGPT die angezeigten Produkte auswählt, da dieser Prozess bisher einer „Blackbox“ gleicht. Ähnliche Kritik kennt man bereits von den undurchsichtigen Algorithmen klassischer Suchmaschinen – mit dem Unterschied, dass ChatGPTs Ergebnisse (noch) nicht durch bezahlte Platzierungen verzerrt werden.
Auch Händler und Vergleichsportale beobachten die Entwicklung genau: Wenn Nutzer ihre Kaufentscheidung zunehmend im Chat treffen, könnten Besucherzahlen und Affiliate-Einnahmen klassischer Einkaufs-Webseiten sinken. So verdienen viele Verlage und Blogs bisher an Vermittlungsprovisionen, die wegfallen, falls Käufer direkt über ChatGPT zum Shop gelangen. OpenAI ist sich dieser Konsequenzen bewusst und experimentiert nach eigenen Angaben mit Lösungen, um Partner fair einzubinden.
ChatGPT Shopping – Ausblick
Langfristig hat das Unternehmen ehrgeizige Ziele – bis 2029 peilt OpenAI jährliche Umsätze von 125 Milliarden Dollar an, gegenüber geschätzten 4 Milliarden 2024. Ob und wie ChatGPTs Shopping-Funktion dazu beitragen wird, bleibt abzuwarten.
OpenAI kündigte bereits an, die Shopping-Funktion kontinuierlich zu verbessern und das Angebot auszubauen. Zunächst soll auf Basis des Nutzerfeedbacks an der Qualität der Empfehlungen gefeilt werden. In Zukunft ist geplant, die Palette der Produktkategorien über Elektronik, Mode, Haushalt und Beauty hinaus zu erweitern. Außerdem arbeitet OpenAI an einer direkteren Anbindung von Händlern: Ein offizielles Interessensformular erlaubt Online-Shops, ihr Sortiment für ChatGPT zu registrieren. Perspektivisch könnten Händler also Produktdaten-Feeds direkt an OpenAI übermitteln, um eine bessere Auffindbarkeit ihrer Angebote im KI-Chat zu sichern.
Auch die Konkurrenz schläft nicht – große Tech-Unternehmen wie Google integrieren ebenfalls KI in ihre Shopping-Suche und testen Funktionen wie direkte Kaufoptionen oder KI-generierte Produktempfehlungen. Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung vor allem mehr Wahlmöglichkeiten beim Online-Kauf: Neben klassischen Suchmaschinen etabliert sich mit ChatGPT Shopping nun ein weiteres Tool, das das Einkaufserlebnis per KI-Unterhaltung bietet. Wie gut dieses Angebot von deutschen Nutzern angenommen wird und welche Rolle es im Wettbewerb der Einkaufsplattformen spielen wird, bleibt spannend zu beobachten.
Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und E-Commerce
ChatGPT Shopping markiert einen wichtigen Schritt in der Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und E-Commerce. Seit Ende April 2025 können nun auch Nutzer in Deutschland den KI-gestützten Shopping-Assistenten von ChatGPT ausprobieren. Das Feature ermöglicht es, bequem im Dialog mit einer KI nach Produkten zu stöbern, Empfehlungen zu erhalten und Preise zu vergleichen – und das frei von Werbung. Zwar stehen die konkreten Auswirkungen auf den Online-Handel und das Nutzerverhalten noch am Anfang, doch schon jetzt zeigt sich: Die Art und Weise, wie wir online einkaufen, könnte sich durch KI-Assistenten wie ChatGPT Shopping dauerhaft verändern.