Facebook Börsenstart wird nun von der US-Börsenaufsicht näher beleuchtet

Technische Schwierigkeiten der vollelektronischen Handelsplattform der Nasdaq haben zum stockenden Börsenstart von Facebook beigetragen, so der CEO der größten elektronische US-Börse Robert Greiffeld. Allerdings hätten diese Probleme keinen Einfluss auf den Aktienkurs gehabt. Dieser lag am Tag der Ausgabe nur leicht über den Ausgabepreis.

Am Ausgabetag, dem 18. Mai 2012, war es zu einer halbstündigen Verzögerung beim Handel mit den Facebook-Papieren gekommen. Investoren und Broker waren über den ganzen Tag verunsichert und wussten häufig nicht, ob ihre Ordern ausgeführt oder gelöscht wurden, wodurch es zu Verlusten gekommen ist. Die US-Börsenaufsicht SEC hat aufgrund der technischen Panne schon eine Untersuchung eingeleitet. Robert Greiffeld gab gegenüber dem Wall Street Journal beträchtliche Probleme mit Auftragsstornierungen zu.

Facebook Börsenstart wird untersucht

Jetzt kommt es für die Nasdaq und den Konsortialführer Morgan Stanley zu einer juristischen Konfrontation. Phillip Goldberg, ein Investor aus Maryland hat gegen den Börsenbetreiber vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan eine Sammelklage eingereicht, so die Nachrichtenagentur Reuters.

Die US-Börsenaufsicht sowie die Regulierungsbehörde FINRA (Financial Industry Regulatory Authority, zuständig für die Beaufsichtigung von Mitarbeitern der Wertpapierbranche, kündigten ferner an, das Geschehen um Morgan Stanley näher zu beleuchten. Unmittelbar vor der Erstnotiz hatte unter anderem Morgan Stanley die Umsatzprognose für das weltgrößte Internet-Netzwerk gesenkt, was für ein führendes Institut bei der Aktien-Emission eher ungewöhnlich ist. Morgan Stanley soll darüber hinaus nur einen kleinen Kreis institutioneller Investoren darüber informiert haben. Das Gros der kleineren Anleger war ahnungslos.

Der US-Bundesstaat Massachussetts untersucht ebenfalls und ließ Morgan Stanley bereits eine Vorladung zukommen.

Wirtschaftsblogger Henry Blodget enthüllte die nur gegenüber ausgewählten Investoren korrigierten Vorhersagen zuerst bei Business Insider. Sein Vorwurf: „Bei einem der größten Börsengänge der Geschichte, in dem eine große Anzahl von Aktien an kleine Anleger veräußert wurde, haben privilegierte Wall-Street-Insider wieder einmal erstklassige Informationen bekommen … und die kleinen Anleger wurden aufs Kreuz gelegt.“

Blodget, früher selbst Aktienanalyst, musste eine Millionenstrafe wegen irreführender Empfehlungen akzeptieren und darf seitdem nicht mehr in diesem Beruf arbeiten darf. Man kann davon ausgehen, dass er weiß wovon er spricht, wenn er Morgan Stanley der Rechtsverletzung beschuldigt und durch die „selektive Verbreitung von Informationen“ von Insiderhandel spricht.

Blodgets Informanten gemäß gingen die erstaunlich ähnlich gesenkten Gewinnprognosen der Banken auf die Informationen eines Facebook-Managers zurück. Dieser wusste um das zunehmend schwache Business von Facebook. Er habe verraten, dass die Resultate des 2. Quartals deutlich unter den Analysten-Schätzungen bleiben.

 

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



Kategorien: Recht & Sicherheit

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