Der nächste eBay-Boykott: Totgesagte leben länger

In den vergangenen Monaten und Jahren wurde immer wieder massiv gegen eBay argumentiert, teilweise begründet, teilweise rein emotionsgetrieben. Auch ich bin von eBay, genauer gesagt vom Apparat eBay, schon sehr enttäuscht worden, sowohl als Betreiber von onlinemarktplatz.de, als auch als Käufer und Verkäufer bei eBay. Ich bin mir aber bewusst, dass ich nicht mit einem gemeinnützigen Verein zu tun habe, sondern mit einem global oprerierenden Konzern, der Millionen User verwaltet und mit Partnern und Investments auf über 40 verschiedenen Märkten unterwegs ist. Desweiteren hat eBay seit 1995 dieWelt des e-commerce für uns alle massiv verändert und voran getrieben. Die Zeiten, als private Überbestände als Garagenverkauf oder in Kleinanzeigen in Printmedien verkauft werden mussten, sind vorbei und eBay hat massiven Einfkluss darauf gehabt.

Seit geraumer Zeit allerdings ist das Geschäft im Wandel begriffen

Es gibt kaum noch Hersteller, deren Waren nicht online verkauft werden, vor allem in den USA, aber auch bei uns in Deutschland existieren viele große Onlineversender und viele Menschen versuchen, Ihren Lebensunterhalt im Onlinehandel zu verdienen. Zu Beginn dieser Welle waren die Anforderungen an diese Händler gering, es war relativ einfach möglich, seinen Lebensunterhalt durch den Onlineverkauf, meist bei eBay, zu verdienen. Im Laufe der Zeit waren aber immer mehr Hürden zu überwinden. Durch den stark wachsenden globalen Handel waren viele neue Gegebenheiten zu berücksichtigen, eine Flut gesetzlicher Regelungen von unwissenden Schreibtischtätern und als Politiker getarnten Juristen überkam die Händler, die Markenhersteller sahen durch die “plötzlich auftretende” Preistransparenz die bis dahin hohen Erträge schwinden, die Konkurrenz der ebenfalls fleissigen, innovativen und oft billiger anbietenden Mithändlern wurde gross und größer und nicht zuletzt wurden die Ansprüche der Käufer in Bezug auf das Warenangebot, den Preis, die Zahlungskonditionen, die Versandgeschwindigkeit, die Kommunikation etc. höher, aber die Toleranz in Bezug auf auftretende Fehler und die eigene Zuverlässigkeit geringer.

Früher boten Volkshochschulen sehr viele Kurse an und es gab Einrichtungen wie die eBay-University zum Handel über eBay, fast alle derartigen Angebote sind eingestellt, einzig die Arbeitsagentur – ganz am Puls der Zeit – finanziert noch immer Umschulungen. Mit dem elektronischen Handel sollte sich der neue digitale Mittelstand etablieren – oft war es aber lediglich das virtuelle Proletariat. Denn jeder Marktteilnehmer bekommt seine Chance – aber nicht jede Geschäftsidee zieht, aber wer mit einer neuen Idee gute Geschäfte macht, ruft sofort ein halbes Dutzend Mitbewerber auf den Plan, die den Preis drücken, die Händler verkaufen zunehmend zu Grenzkosten.

Alle diese Umstände bedurften eines Umdenkens bei den Händlern und bei eBay

Bei vielen Händlern hat dieser Prozess gut funktioniert, sie haben sich immer wieder an die geänderten Gegebenheiten angepasst, was sicherlich teilweise ein sehr schmerzlicher Prozess war und ist, aber notwendig. Er ist nicht deswegen notwendig, weil eBay sich permanent aus eigenen Antrieb neue Regeln überlegt um die Händler von ihrem eigentlichen Geschäft abzuhalten, sondern weil eBay selbst die neuen Gegebenheit erst zu spät erkannt hat und sich viel zu lange auf der Marktfüherschaft ausgeruht hat. Auch kann ich den Vorwurf nicht entkräften, dass eBay sich sehr lange nur mit sich selbst beschäftigt hat, wie es viele Konzerne gerne tun, es wird nicht auf die Kunden geschaut, der Blick verharrt im Konzern und man beschäftigt sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten. Auch im Punkt Kommunikation bei Problemen und dem generellen Umgang mit den Händlern ist eBay sicherlich kein Vorbild gewesen.

Nun hat eBay aber wohl schmerzlich erkennen müssen, dass sie kein Startup-Unternehmen mehr sind, dass “schnell mal” willkürlich die Gegebenheiten für den Handel auf den Markplätzen ändern kann, ohne den Agierenden die Möglichkeiten zu geben, sich darauf einzustellen. Auch hat eBay wohl erkennen müssen, dass die Rahmenbedingungen sich geändert haben und sie den Rahmen, den sie über die Markplätze bieten, so anpassen müssen, dass er den diversen geänderten volkswirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen genügt, den Käufern einen attraktiven Handelsplatz bietet, den Verkäufern die Möglichkeit gibt, ihr Geschäft vernünftig zu betreiben und nicht zuletzt muß auch noch der Geldmarkt zufrieden gestellt werden. Der Handlungsdruck ist enorm hoch.

Es wird nun gehandelt! Da die rechtlichen und volkswirtschaftlichen Veränderungen über die Jahre “gewachsen” sind, waren die Aufstände der Betroffenen kaum spürbar, gegen wen sollten sie auch revoltieren – gegen die EU, die deutsche Bundesregierung, Juristen, Hersteller, den Aktienmarkt, gegen die eigenen Käufer? Nein – wir nehmen den am Spiel Beteiligten, der, wie bereits erwähnt, die Anpassungen über die Jahre verschlafen hat – eBay! Der Versuch, die Anpassungen an die Gegebenheiten vorzunehmen, was dringend nötig ist, ruft nun alle Kritiker auf den Plan, denen auch schon gestern aufgefallen ist, dass sich etwas verändert hat, getreu dem Motto “… keine Ahnung, das war schon immer so”.

Die Alternative ist auch prima, eBay nimmt keine Veränderungen vor. Dann dürfen auch alle die mal meckern, die gerne  nach Profitabilität rufen, oder die Freunde, die sich darüber mokieren, dass sie zuviel dafür bezahlen, dass Ihnen keine vernünftige Umgebung für ihre Handelstätigkeit zur Verfügung gestellt wird.

Meine eigene Käufererfahrung hat sich gewandelt. Ich finde mich als Käufer, der bis vor ein- bis zwei Jahren zu gefühlten 90% über eBay eingekauft hatte, immer öfter bei Amazon. Der Grund ist einfach. Bei 95 von 100 Käufen erhalte ich die bestellte Ware schnell und so, wie sie beschrieben ist. Bei eBay hingegen, habe ich sehr oft die Erfahrung gemacht, dass die Ware deutlich länger unterwegs ist und auch öfter als bei Amazon den Erwartungen nicht entspricht. Auch habe ich bei Amazon das „Gefühl“, dass sich jemand kümmert, wenn es mal schief gehen sollte – es wirkt einfach wie aus einem Guss.
Diese reellen Erfahrungen und gefühlten Eindrücke sind aber definitiv nicht nur bei mir vorhanden! Darum ist es wichtig, dass sich der Marktplatz eBay dahingehend wandelt, dem Käufer ein sicheres Gefühl beim Einkauf zu vermitteln, denn Marktplätze ohne Käufer gibt es genügend.

Nun aber zurück zu den wichigsten handelnden Personen bei eBay, den Käufern und Verkäufern. Die Gruppe der Verkäufer befindet sich in einem massiven Veränderungsprozess, denn die “wer nichts wird wird Powerseller-Mentalität” funktioniert nicht mehr. Das was eBay seit einiger Zeit betreibt ist im Übrigen das, was immer gefordert bzw. kritisiert wurde: Schlechte Ware und Kommunikation, hohe Versandkosten, Betrugsrisiken uvm. zu eliminieren. Nun werden sukzessive die entsprechenden Massnahmen ergriffen.

Historische und immer wieder gene als aktuell genommene Untergangstheorien…

Eine der aktuellen Untergangstheorien beschwört den Fakt, dass eBay viele Käufer verlieren wird, da eBay sie als private Verkäufer vom Marktplatz verdränge – eine aus meiner Sicht an den Haaren herbeigezogene Argumentation. Dann sind also Amazon und Co. dem Untergang nahe und werden einen massiven Käuferrückgang erfahren, da Sie keine privaten Verkäufer zulassen? Ich sehe hier keinerlei Einfluss.

Eine weitere Theorie besagt, dass sich die Anzahl der Verkäufer stark verringern wird, da das Programm “Verkäufer mit Top-Bewertung” die nicht teilnehmenden Verkäufer derart benachteilige, dass sie den Marktplatz verlassen werden, bzw. die Verkäufe derart stark zurückgehen werden, dass sie nicht weiter bestehen können.
Die Argumentation gleicht der eines im Regen stehenden Menschen, der sich darüber beschwert, dass er nass wird, er aber weiterhin im Regen stehen bleibt, anstatt sich einen Schrim zu besorgen, oder sich ins Trockene zu begeben.
Neben Meckern und Schimpfen könnte man also auch in Erwägung ziehen, die entsprechenden Anstrengungen zu unternehmen, um ebenfalls diese Auszeichung und die damit verbundenen Vorteile zu erhalten.

Manche Mitmeschen propagieren seit Jahren, dass weitere Marktplätze eBay den Rang ablaufen werden Nun, ich beobachte dieses Geschäft seit den Anfängen von eBay und seit etwa 11 Jahren schreibe ich dazu auf onlinemarktplatz.de und während dieses Zeitraumes habe ich sehr viele Angebote kommen und gehen gesehen. Ich spreche nicht von Auktionshäusern die “mal schnell” mit irgendeiner PHP-Software aufgesetzt werden und deren Schicksal schon ab dem Start besiegelt ist,  nein es gab/gibt auch Anbieter, die mit viel Kapital gestartet sind und auch sehr viel richtig gemacht haben, die aber trotzdem entweder komplett in der Versekung verschwunden sind, oder heute als Nischenanbieter in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. In früheren Jahren hatte ich versucht, auf onlinemarktplatz.de ein unfangreiches Verzeichnis von Auktionshäusern zu führen – nach einiger Zeit hatte ich aufgegeben, da es extrem zeitäufwändig war, täglich die verschwundenen und hinzugekommen Anbieter zu pflegen.
Das Problem dieser Anbieter von Auktionsplattformen sind die fehlenden Käufer, Verkäufer sind schnell in ausreichender Anzahl gefunden. In Nischen mag es durchaus profitable Anbieter geben, die auch für Verkäufer dieser Nischenprodukte interessant sind, nicht aber bei allumfassenden Anbietern.
Ich amüsiere jedesmal über neue Pressemitteilungen mit Titeln, die die neue Konkurrenz zu eBay ankündigen, bald kommt sicherlich das nächste  Exemplar… .

Der Protest

Nun gibt es also erneut einen Aufschrei und ein „mutiger“ anonym bleibender Mensch möchte Händler dazu aufrufen, eBay zu bokottietren. Was möchte er nun genau tun? Demonstrationen vor dem eBay-Gebäude veranstalten, selbst vermummt? Und wozu soll das führen?

Wie ein Händler in einem Forum schreibt, geht es bei eBay „um ein Unternehmen, mit dem man eine Geschäftsbeziehung eingehen kann. Wenn einem die Bedingungen gefallen, macht man es, anderenfalls lässt man es. Dagegen zu demonstrieren ist in etwa so, als würde man zu einer Demonstration gegen Aldi aufrufen – zu den Forderungen gehört dann, das Regal mit den Erbsen näher zu den Kassen zu stellen oder dass Nudeln 10 Cent billiger sein sollen.“

Die Alternative ist der Wechsel zu Auktionshäusern, die zwar wunderbare Importe der eBay-Daten ermöglichen, dazu noch kostenlos sind, auch viele Verkäufer haben, denen aber leider die Käufer fehlen. Eine weitere Alternative ist das in früheren Zeiten von Händlern so hochgelobte Amazon, aber wer auf Amazon als Händler unterwegs ist, weiß, das die Bedingungen dort auch weit davon entfernt sind, paradiesisch zu sein. Nun bleibt noch der eigene Onlineshop als Alternative – hier ist die Herausforderung sicherlich, mit dem zur Verfügung stehenden Budget den Shop so bekannt zu machen, dass die entsprechenden Mengen an potentiellen Käufern erreicht werden können.

Ich möchte sicherlich nicht sagen, dass die Änderungen leicht zu bewältigen sind, oder der Händlerjob bei eBay keine Herausforderung ist. Auch möchte ich nicht vermitteln, dass der Konzern eBay ohne Fehler ist, bei weitem nicht. Ich bin lediglich der Auffassung, dass blinder Aktionismus das falsche Mittel ist, sich gegen erforderliche Marktanpassungen zu wehren.


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