Sammelklage gegen Amazon Prime wegen einseitiger Vertragsänderungen bei Prime Video eröffnet

Ab sofort können sich Kundinnen mit einem Amazon Prime-Abo bei der Sammelklage gegen Amazon Prime der Verbraucherzentrale Sachsen anmelden. Grund für die Klage ist die Erhöhung der Werbequote und das Streichen von Funktionen bei „Prime Video“ durch Amazon im Februar dieses Jahres. Betroffene Kundinnen haben die Möglichkeit, im Erfolgsfall Schadensersatz zu erhalten.

Sammelklage gegen Amazon Prime wegen einseitiger Vertragsänderungen bei Prime Video eröffnet
Sammelklage gegen Amazon Prime wegen einseitiger Vertragsänderungen bei Prime Video eröffnet. AI generated picture by ©onlinemarktplatz.de

Hintergrund der Sammelklage gegen Amazon Prime

Amazon führte am 5. Februar 2024 zusätzliche Werbung bei „Prime Video“ ein, ohne die Zustimmung der Nutzer*innen einzuholen. Diese Werbeclips dauern zwei bis dreieinhalb Minuten pro Stunde und können weder übersprungen noch weggeklickt werden. Zudem beeinträchtigen sie den Genuss der Inhalte erheblich und führen zu Unterbrechungen, die insbesondere bei für Kinder bestimmten Serien und Filmen problematisch sind.

Reaktionen der Verbraucherzentrale Sachsen

Michael Hummel, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, kritisiert: „Solche Änderungen innerhalb eines laufenden Vertrages sind nur mit Zustimmung der Verbraucher möglich. Wir halten sie deshalb für rechtswidrig. Andere Streamingdienste machen vor, wie es richtig geht und fragen ihre Kunden vorher.“ Da Amazon die Änderungen jedoch eigenmächtig vornahm, entschlossen sich die sächsischen Verbraucherschützer*innen zur Einreichung einer Sammelklage gegen Amazon Prime.

Wer sich der Klage anschließen kann

Der Sammelklage können sich alle Nutzer*innen anschließen, die vor dem 5. Februar 2024 ein Amazon Prime-Abo hatten und es bezahlt haben. Dies gilt sowohl für Kunden, die das zusätzliche Abo abgeschlossen haben, als auch für jene, die keine Änderungen vorgenommen haben. Das Abo muss nicht mehr bestehen und die Nutzung des Video-Dienstes ist nicht erforderlich. Auf ein Jahr gerechnet, geht es um etwa 36 Euro. Die Verbraucherschützer rechnen mit einer Verfahrensdauer von mehreren Jahren, sodass sich der Betrag entsprechend summieren kann.

Anmeldung zur Sammelklage gegen Amazon

Die Anmeldung für die Sammelklage gegen Amazon ist beim Bundesamt für Justiz möglich. Wer die Anmeldung nicht selbst vornehmen möchte, kann die Unterstützung der Verbraucherzentrale Sachsen in Anspruch nehmen. Termine zur Beratung und Unterstützung können online oder telefonisch unter 0341 – 696 2929 vereinbart werden.

Details zum Vorwurf

Die Beklagte, eine Tochtergesellschaft des weltweit tätigen Onlineversandhandels Amazon.com, Inc., bietet in Deutschland den Video-Streamingdienst „Prime Video“ als Bestandteil des Abonnements „Amazon Prime“ an. Für die Mitgliedschaft erhebt die Beklagte ein Entgelt in Höhe von 8,99 € monatlich oder 89,90 € jährlich.

Vor der Änderung bot Amazon Filme und Serien auf „Prime Video“ ohne Werbeanzeigen oder mit überspringbaren Vorschauen an. Seit dem 5. Februar 2024 jedoch werden zusätzliche, nicht überspringbare Werbeclips sowohl zu Beginn als auch während der Wiedergabe von Inhalten eingespielt. Darüber hinaus müssen Kunden, die das Angebot nicht angenommen haben, Verschlechterungen der Ton- und Bildqualität sowie den Verlust der Funktion „Watch Party“ in Kauf nehmen.

Forderungen der Verbraucherzentrale

Nach Ansicht der Kläger war Amazon zu den einseitigen Vertragsänderungen auch auf der Grundlage der Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht berechtigt. Die Verbraucherzentrale Sachsen fordert daher Schadensersatz für die betroffenen Verbraucher. Diese umfasst die Rückzahlung der zusätzlichen Entgelte für das teurere Angebot und mindestens die Hälfte des seit dem 5. Februar 2024 gezahlten Entgelts für jene, die das Angebot nicht angenommen haben.

Verbraucher, die betroffen sind, sollten sich über ihre Rechte informieren und die Möglichkeit nutzen, sich der Klage anzuschließen, um mögliche Entschädigungen zu erhalten.

Frank