Online-Sportwetten – Wie erkennt man Wettbetrug?

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Online-Buchmacher deutlich gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Kontrollmechanismen der Regulierungsbehörden rasant weiterentwickelt. Trotz dieser Fortschritte kann Wettbetrug auch heute nicht vollständig ausgeschlossen werden. Für Sportwetten-Fans stellt sich daher die Frage, welche Arten von Betrug im Wettgeschäft existieren und welche Anzeichen ihnen helfen können, Betrüger zu erkennen. Dieser Beitrag liefert die relevanten Informationen dazu.

Ein Schiedsrichter mit hellblauem Trikot hält einen Fußball mit der Aufschrift Derbystar in der rechten Hand.
Der Wettbetrug hat viele Facetten. Oftmals sind auch Funktionäre, Spieler und Schiedsrichter in die Machenschaften involviert. ©planet_fox (CCO Creative Commons)

Sportwetten-Betrug ist immer noch weit verbreitet

Auch wenn die meisten Buchmacher ihr Geschäft im Internet seriös betreiben, kommt es auch in der heutigen Zeit noch zu zahlreichen Betrugsfällen im Zusammenhang mit Sportwetten.

Das zeigt unter anderem eine Reportage von Deutschlandfunk, die verdeutlicht, dass vor allem Brasilien anfällig für Wettbetrug ist. Statistiken zeigen, dass jedes fünfte manipulierte Fußballspiel weltweit in Brasilien stattfindet. Besonders in den unteren Ligen sind auffällige Fouls und fragwürdige Elfmeter keine Seltenheit. In einen Manipulationsskandal vor einigen Jahren waren sogar neun Klubs aus der vierten brasilianischen Liga involviert.

In diesem Fall waren auch die Spieler der Clubs in die Manipulation verwickelt. Eine deutliche Demonstration, dass es neben der Bestechung der Schiedsrichter verschiedene Formen von Wettbetrug gibt. Neben Betrügereien seitens Sportler und Teams besteht auch die Gefahr, dass der Sportwettenanbieter selbst versucht, seine Kunden finanziell zu schädigen. In diesen Fällen läuft der Betrug zumeist über niedrige Auszahlungsquoten sowie undurchsichtige Bonusbedingungen ab.

Ebenso kann der Betrug von Hackern ausgehen, die sich durch einen Identitätsdiebstahl Zugriff auf die Wettkonten der Kunden verschaffen und sich vorhandene Guthaben auszahlen lassen.

In vielen Fällen steckt jedoch auch das organisierte Verbrechen hinter den betrügerischen Machenschaften. Die Wettmafia geht dabei so weit, Funktionäre, Spieler und Schiedsrichter zu „kaufen“. Besonders in Asien ist diese Art von Betrug weit verbreitet.

Einer der bekanntesten Akteure in diesem Bereich ist der Wett-Pate Wilson Raj Perumal. Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ soll er zahlreiche Fußballspiele weltweit manipuliert haben. Er wurde schließlich überführt und enthüllte in einem Buch die Machenschaften der Wettmafia. Perumal lebt mittlerweile in Ungarn und steht unter dem Verdacht, weiterhin Kontakt zu Wettbetrügern zu haben.

Sportwetten-Anbieter mit deutscher Lizenz gelten als sicher

Ein wichtiger Schutzmechanismus ist die Überprüfung der Seriosität des Wettanbieters. Kunden sollten sicherstellen, dass der Anbieter über eine gültige Lizenz verfügt, die von einer anerkannten Glücksspielbehörde ausgestellt wurde.

Legale Online-Casinos in Deutschland müssen umfassende Maßnahmen umsetzen, um von der Glücksspielbehörde der Länder die Lizenz für Sportwetten zu erhalten. Dadurch sind die Spieler grundsätzlich gut geschützt. Bei Anbietern mit einer Offshore-Lizenz, beispielsweise aus Malta oder Curacao, ist das jedoch nicht immer der Fall. Hier gilt vor allem das Prinzip Eigenverantwortung.

Transparente Geschäftsbedingungen, klare Datenschutzrichtlinien und ein gut erreichbarer Kundenservice sind ebenfalls Indikatoren für die Seriosität eines Wettanbieters. Zusätzlich ist es ratsam, auf ungewöhnliche Quotenbewegungen zu achten. Plötzliche und signifikante Veränderungen können auf Manipulationsversuche hinweisen. Kunden sollten ihre Wetten daher bei solchen Anzeichen überdenken und im Zweifelsfall den Support des Wettanbieters kontaktieren.

Die Auszahlungsquote ist ein wichtiger Indikator für Wettbetrug

Um Wettbetrug zu entdecken und sich davor zu schützen, stehen Kunden verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine essenzielle Rolle spielt dabei die Auszahlungsquote, auch als RTP (Return to Player) bekannt. Diese Kennzahl gibt an, welcher Prozentsatz der Einsätze vom Wettanbieter wieder an die Spieler ausgeschüttet wird. Kunden sollten sich bewusst sein, dass eine niedrige Auszahlungsquote ein Indiz für möglichen Betrug sein kann.

Ein wirksames Mittel zur Überprüfung ist die Nutzung von Online-Rechnern, die speziell für die Ermittlung der Auszahlungsquote von Sportwetten entwickelt wurden. Diese Tools ermöglichen es den Kunden, die Fairness des Wettanbieters zu bewerten.

Die Berechnungen können aber auch eigenständig durchgeführt werden. Die Formel hierfür lautet bei einer 3-Weg-Wette wie folgt:

Auszahlungsquote bzw. Quotenschlüssel = 1 : (1:Quote Tipp 1 + 1:Quote Tipp X + 1:Quote Tipp 2)

In der Regel gelten Auszahlungsquoten ab etwa 90 Prozent als fair. Die besten Anbieter zeichnen sich jedoch durch weit höhere Quoten aus und erreichen Werte zwischen 94 und 96 Prozent.

Anzeichen für betrügerisches Verhalten von Spielern und Schiedsrichtern

Um manipulierte Spieler und Schiedsrichter zu erkennen, ist es wichtig, auf verschiedene Anzeichen zu achten. Ein aufmerksames Auge kann dazu beitragen, betrügerisches Verhalten zu identifizieren und die Integrität des Sports zu schützen.

Spieler, die sich plötzlich anders verhalten als üblich, könnten in betrügerische Aktivitäten verwickelt sein. Unerklärliche Fehler, ungewöhnliche Pausen oder scheinbar absichtliche Verletzungen können hier wichtige Hinweise auf Manipulation sein.

Schiedsrichter, die plötzlich fragwürdige Entscheidungen treffen, sollten ebenfalls genauer betrachtet werden. Insbesondere, wenn diese Entscheidungen zu ungewöhnlichen Quotenbewegungen führen, könnte dies auf Manipulation hindeuten.

Es ist jedoch wichtig, in dieser Angelegenheit einen sachlichen Blick zu bewahren und sich von der subjektiven Fanbrille zu distanzieren. Denn nicht jedes scheinbar auffällige Verhalten ist zwangsläufig ein Beweis für Betrug. In diesem Kontext ist es besonders relevant, das ungewöhnliche Verhalten über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Es ist menschlich, dass Fans leidenschaftlich für ihre Mannschaft oder ihre Lieblingssportler eintreten und bei unerklärlichen Ereignissen sofort den Verdacht von Betrug hegen. Allerdings können einzelne ungewöhnliche Momente auch andere Ursachen haben, wie beispielsweise unvorhergesehene Spielumstände, individuelle Tagesform oder taktische Änderungen.

Die Betrachtung eines längeren Zeitraums ermöglicht eine differenzierte Analyse. Ein einzelner auffälliger Vorfall könnte eine Vielzahl von Gründen haben, während ein sich wiederholendes, über einen Zeitraum erstreckendes Verhalten eher auf systematische Probleme oder Manipulation hindeuten könnte.

Verdacht auf Wettbetrug? Hier können sich Betroffene in Deutschland melden

Wenn Zuschauer und Wett-Fans den Verdacht auf Wettbetrug hegen, sollten sie sich an die relevanten Behörden wenden, um die Integrität des Sports zu schützen. In Deutschland gibt es mehrere Anlaufstellen, die sich mit der Untersuchung von Wettbetrug befassen.

Die wichtigste Anlaufstelle ist das Bundeskriminalamt (BKA). Das BKA koordiniert Ermittlungen im Bereich des organisierten Verbrechens und hat auch eine Abteilung, die sich mit Wettmanipulationen befasst. Zusätzlich spielt das Landeskriminalamt (LKA) eine entscheidende Rolle, da es auf Landesebene für die Verfolgung von Straftaten zuständig ist.

Zudem hat das Bundesministerium des Innern und für Heimat in Zusammenarbeit mit dem DFB eine Online-Meldestelle eingerichtet, bei der Hinweise auf entsprechende Manipulation von Spielen anonym abgegeben werden können.

Ergibt sich aufgrund der Meldung der Verdacht einer Straftat, so wird die Meldung nach Zustimmung des Tippgebers den Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden übermittelt. Über die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens entscheidet dann letztlich die mit dem Sachverhalt betraute Ermittlungsbehörde.