Amazon erschreckt seine Anleger: Gewinn bricht um 73% ein

Amazon.com muss für seinen energischen Expansionskurs (in Europa hat das Unternehmen in Italien und Spanien weitere Shops und in Deutschland zwei neue Lager eröffnet) einen hohen Preis zahlen, denn der Gewinn im 3. Quartal brach um 73% ein. Ferner hält Amazon es für möglich, operativ im laufenden Weihnachtsquartal in die roten Zahlen zu schlittern.

Der Nettogewinn lag im 3. Quartal aufgrund der hohen Investitionen nur bei 63 Millionen US-Dollar und war damit deutlich niedriger als von Analysten erwartet. Im Jahresvergleich stieg der Umsatz um 44% auf 10,88 Milliarden Dollar – prognostiziert wurden im Schnitt 10,95 Milliarden Dollar. Das traditionell wegen des Weihnachtsgeschäfts wichtige 4.Quartal beleuchtet Amazon nur wenig: Es sei mit einem operativen Verlust von 200 Millionen Dollar aber auch mit einem operativen Gewinn von 250 Millionen Dollar zu rechnen. Der Umsatz soll zwischen 16,34 und 18,65 Milliarden Dollar liegen. Amazon blieb auch mit dieser Vorhersage hinter den Erwartungen zurück.

Analysten fürchten, dass der als größter Apple-Rivale geltende US-Konzern sein positives Momentum verliert. Die in Frankfurt notierten Aktien verloren 12% ab Wert.

Die Analysten glauben, dass Amazon die Zeit wegläuft. Evercore-Analyst Ken Sena: „Wir können bisher nicht erkennen, dass sich die Investitionen auszahlen. Ich denke, dass die Anleger ungeduldig sind, wie lange es noch dauert, bis erste Anzeichen zu sehen sind.“

Deutschland-Chef Ralf Kleber verteidigte im Interview mit Reuters die Strategie des Unternehmens: „Amazon setzt auf den langfristigen Erfolg. Der Gewinneinbruch lässt sich vor allem mit den Ausgaben im Zusammenhang mit dem Aufbau von Kapazitäten, der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Aufrüstung von Technologie und natürlich neuen Produkten wie dem Kindle Fire begründen. In den kommenden Quartalen werde sich dies positiv bemerkbar machen.“

Der zukünftige Erfolg oder Misserfolg Amazons hängt stark vom Kindle Fire ab, den Amazon Ende September vorstellte und der als iPad-Konkurrent gehandelt wird. Im November kommt er in USA auf den Markt. Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos zeigte sich von der Anzahl der bereits georderten Geräte begeistert.

Der Kindle Fire wird 199,00 Dollar kosten und damit weniger als die Hälfte als das preiswerteste iPad. Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli erklärt jedoch, dass das Amazon-Gerät in der Herstellung fast 210,00 Dollar kostet. Kenner der Branche gehen daher davon aus, dass Amazon einen Verlust in Kauf nimmt, um mit dem Gerät Produkte wie Musik oder Videos aus seinem Online-Shop verkaufen zu können.

Deutschland-Chef Kleber bestätigte das indirekt: „Amazon geht es nicht um den Erfolg eines einzelnen Geräts. Beim Kindle geht es um die Verzahnung mit Cloud-Angeboten und den Buch- sowie Musik-Inhalten.“ Vieles in der Amazon-Strategie sei momentan auf den Kindle fokussiert, sagte Kleber. „Das ist ein wichtiger und wesentlicher Schritt in die digitale Zukunft.“

Die Lesegeräte sollen in Deutschland zukünftig auch über Karstadt verkauft  werden. Je mehr E-Book-Reader oder Tablets verbreitet sind, umso mehr E-Books kann Amazon veräußern. Das Kindle sei aber deshalb auch ein Geschäftsmodell, das erst über einen längeren Zeitraum Gewinn abwirft, sagte Kleber.

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