Deutsches Verpackungssystem: Eine Wegwerfgesellschaft in eine Kreislaufwirtschaft verwandeln

In den Bereichen E-Mobilität, Energie und Verpackung müssen Unternehmen und ihre Produkte die Art und Weise, wie sie den Klimawandel bekämpfen, anpassen. Während die Verbraucher mit gutem Gewissen einkaufen wollen, suchen Investoren nach sicheren Renditen und einem nachhaltigen Ansatz. Unterdessen will die EU bis 2050 klimaneutral sein und verschärft ihre Vorschriften.

Ab 2023 müssen alle Unternehmen in der EU mit mehr als 250 Mitarbeitern über nicht-finanzielle Angaben wie CO2-Emissionen berichten – ein notwendiger Schritt, wenn wir den Verpackungssektor betrachten. Deutschland verschwendet bei der Bewirtschaftung von Kunststoffverpackungen wertvolle Ressourcen: 90 % der Verpackungen werden aus neuen Kunststoffen hergestellt und mehr als die Hälfte davon nach Gebrauch verbrannt.

Deutsches Verpackungssystem: Eine Wegwerfgesellschaft in eine Kreislaufwirtschaft verwandeln. pixabay.com ©AbsolutVision (Creative Commons CC0)

Dies entspricht 1,6 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Wert von 3,8 Milliarden Euro jährlich. Obwohl die Sammel- und Recyclingquoten für Kunststoffe hoch sind, gibt es nach wie vor ein Einbahnsystem von der Produktion bis zur Entsorgung.

Auch eine Studie des WWF und des Think Tanks SYSTEMIQ über das deutsche Verpackungssystem belegt, dass ein geschlossener Kreislauf für Kunststoffverpackungen möglich ist. Die wichtigsten Anpassungen sind: innovative Recyclingmodelle, Vermeidung und Minimierung unnötiger Verpackungen und ein recyclingfreundliches Design.

Laut WWF könnten so bis zum Jahr 2040 gut 20 Millionen Tonnen Kunststoff eingespart werden – das entspricht mehr als dem Sechsfachen des jährlichen Kunststoffverpackungsverbrauchs in Deutschland.

„Anstatt zu versuchen, die Wegwerfmentalität durch die bestehende Verpackungsmüll-Infrastruktur zu kompensieren, müssen Abfallvermeidung und innovative Mehrweglösungen im Vordergrund stehen“, sagt Laura Griestop, Expertin für Kunststoffe und Verpackungen beim WWF Deutschland. Derzeit machen Verpackungen und Einwegartikel fast 60 % des deutschen Plastikmülls aus – allein 39 kg Plastikmüll pro Person – deutlich mehr als im europäischen Durchschnitt.

Was kann also getan werden? Der globale Verpackungs- und Papierhersteller Mondi ist sich seiner Verantwortung bewusst. Seine gesamte Wertschöpfungskette ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, mit einem kundenorientierten „EcoSolutions“-Ansatz für umweltfreundliche Verpackungslösungen. Außerdem hat Mondi den 10-Jahres-Aktionsplan MAP2030 (Mondi Action Plan 2030) ins Leben gerufen, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erfüllen. Unser Leitsatz lautet: „Papier wo möglich, Kunststoff wo sinnvoll“.

Bis 2025 will das Unternehmen erreichen, dass alle Verpackungslösungen wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sind.

Um unser Ziel zu erreichen, haben wir eine Circularity Scorecard entwickelt, mit der wir unsere nachhaltigen Produktlösungen anhand ihrer Auswirkungen am Ende ihres Lebenszyklus und ihres nachhaltigen Materialinhalts bewerten können. Auf diese Weise können wir Produktinnovationen weiter vorantreiben und unsere Leistung im Hinblick auf die MAP2030-Ziele verfolgen. Davon wird nicht nur Mondi profitieren, sondern auch unsere Kunden. Thomas Ott, CEO von Flexible Packaging and Engineered Materials bei Mondi

Die effizienteste und gleichzeitig nachhaltigste Lösung zu finden, ist eine komplexe Angelegenheit. Rundumschutz in Kombination mit Nachhaltigkeit ist eine gefragte Eigenschaft von Verpackungen – vor allem, wenn man sich diese alarmierenden Zahlen vor Augen führt: Rund ein Drittel aller Lebensmittel weltweit wird entsorgt, bevor sie auf den Tisch kommen. Gemüse und Obst machen ein Fünftel aller in Europa verschwendeten Lebensmittel aus, während Milch, Fisch und Fleisch knapp ein Drittel der verlorenen Lebensmittel ausmachen. Intelligente Verpackungen können jedoch dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

Mondi Circular Economy Coral Tray

Vor diesem Hintergrund hat Mondi Lösungen entwickelt, die Lebensmittel während des Transports und der Lagerung schützen und die Umwelt schonen. Intelligente Verpackungen verlängern die Haltbarkeitsdauer von Produkten und bleiben eine wertvolle Ressource im Lebenszyklus. Mit der Entwicklung einer recycelbaren Polypropylenfolie – besonders geeignet für die Frischhaltung von Fleisch, Wurst und Käse – hat der Verpackungsspezialist die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Technik erfüllt. Die Folge: Kunden sind sogar bereit, für CO2-neutrale Alternativen mehr zu bezahlen.

Laut einer quantitativen Studie von Mondi und dem Marktforschungsinstitut YouGov mit Teilnehmern aus Deutschland und Polen legen viele Verbraucher beim Online-Einkauf Wert auf nachhaltige Verpackungen. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, dass sie bereit wären, mehr zu bezahlen, wenn die Verpackung umweltfreundlich ist und dennoch ausreichenden Schutz und Handhabung bietet. Die Umfrage zeigt auch, dass die meisten Verbraucher übergroße Verpackungen und zu viel Verpackung ablehnen.

Insbesondere der elektronische Handel wird als Motor für nachhaltige Verpackungen, wie z. B. Wellpappverpackungen, angesehen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft eingenommen. Mondi hat den Wunsch der Kunden nach mehr faktenbasierten Informationen erkannt, die ihnen helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Advantage StretchWrap, ein von Mondi entwickeltes Kraftpapier, das sich dehnen lässt und durchstoßfest ist, ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir dies erreicht haben. Nach zweijähriger Entwicklungszeit war das Material für die Verpackung von schweren Paletten für den Transport geeignet. Mondi gab eine unabhängige Lebenszyklusanalyse in Auftrag. Die ISO-basierte Bewertung kam zu dem Schluss, dass das neue Papier in mehreren Umweltauswirkungskategorien gut abschneidet, einschließlich des Klimawandels mit 62 % weniger Treibhausgasemissionen (THG). Daher eignet sich das Advantage StretchWrap-Papier für Unternehmen, die ihren Kunststoffverbrauch reduzieren und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern wollen. Mondi Circular Economy Advantage Stretchwrap

Ein weiteres großartiges Beispiel ist ein neuer Nachfüllbeutel, der für die Marke Pril“ von Henkel entwickelt wurde – ein Spülmittel für die manuelle Reinigung von Geschirr. Der flexible Standbeutel reduziert den Kunststoffverbrauch jedes Mal um 70 %, da er starre Plastikbeutel ersetzt und hohe Recyclingstandards erfüllt.

Thomas Ott weist darauf hin, dass das Verpackungsunternehmen auch auf strategische Partnerschaften setzt, um den Übergang von einer Wegwerfgesellschaft zu einer Kreislaufwirtschaft zu unterstützen: „Wir glauben an die Stärke der Zusammenarbeit. Wir unterstützen zum Beispiel das Welternährungsprogramm (WFP). Hier konzentriert sich die Partnerschaft auf die Verbesserung der Qualitätsstandards für WFP-Verpackungen bei gleichzeitiger Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt durch die Nutzung des Verpackungs-Know-hows von Mondi. Mondis umfassende Verpackungskompetenzen und F&E-Infrastruktur ermöglichen es uns, nachhaltige Verpackungslösungen zu erforschen, ohne Kompromisse bei der Funktionalität einzugehen – ein entscheidender Faktor für die Arbeit des WFP.

Mondi ist auch Mitglied der Ellen McArthur Foundation. Im Rahmen dieser Partnerschaft tauschen wir uns mit anderen Branchen über den effizienten Einsatz von Kunststoffen aus.“

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