European Payments Initiative: Start eines europäischen Zahlungssystems überfällig

Angesichts der Verzögerungen in der Umsetzung der European Payments Initiative (EPI) bekräftigt der Handelsverband Deutschland (HDE) den Mehrwert eines europäischen Zahlungssystems und fordert zur Kompromissfindung auf. Nach Einschätzung des Verbandes ist der Start von EPI längst überfällig. Hierfür müssten Banken und Zahlungsdienstleister die Ausgestaltung gemeinsam mit dem Handel vorantreiben.

European Payments Initiative: Start eines europäischen Zahlungssystems überfällig. pixabay.com ©pixel2013 (Creative Commons CC0)

„Auch für den Einzelhandel kann ein europäisches Zahlungssystem sinnvoll sein. Allerdings muss es richtig gedacht und gemacht sein“, so Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr. Vor wenigen Jahren sei EPI mit viel Rückenwind gestartet, habe inzwischen jedoch an Schwung verloren. Dabei unterstütze neben einigen Banken auch die Politik das Ziel, ein von US-Zahlungsdienstleistern unabhängiges, europäisches Zahlverfahren zu schaffen. „Es ist längst überfällig, dass EPI an den Start geht. Um ein wettbewerbsfähiges europäisches Zahlungssystem zu entwickeln, braucht es aber Kompromissbereitschaft auf allen Seiten“, betont Binnebößel. Während für die Banken als Initiatoren der Business-Case im Fokus stehe, müsse ein Zahlungsverfahren für die Kartenakzeptanten im Einzelhandel vor allem kostengünstig und reichweitenstark sein. In der Ausgestaltung von EPI entstünden somit zunächst Differenzen. „Sowohl der Einzelhandel als auch die Banken müssen wohl Abstriche machen, damit ein europäisches Zahlungssystem funktionieren kann“, so Binnebößel weiter. Angebracht sei, die Gewinnaussichten herunterzuschrauben und sich für ein realistisches Erwartungsmanagement zu entscheiden. „Aus Sicht des Einzelhandels sollte ein System entstehen, das langfristig kostenbasiert agiert und nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist“, erklärt Binnebößel. Gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass notwendige Investitionen der Banken nicht vergebens getätigt würden und ein auskömmliches Geschäftsmodell garantiert sei.

In Deutschland existiert mit der girocard bereits ein nationales und aus Handelssicht sehr effizientes Zahlungssystem, während andere Länder schon heute komplett in den Händen globaler Strukturen sind. „Der Handel in Deutschland hat also durchaus etwas zu verlieren. Doch EPI hat eine Chance verdient, selbst wenn es nur ein weiteres Kartensystem wird“, so Binnebößel. Die Akzeptanz eines weiteren Zahlverfahrens ließe sich mit geringem Aufwand integrieren, sodass eine Marktabdeckung unter der Voraussetzung auskömmlicher Bankenentgelte schnell erreichbar wäre.

Handelsverband Deutschland e.V.