Bayerische Startups profitieren von starker Forschungs- und Hochschullandschaft

In Bayern finden Unternehmensgründer:innen hervorragende Bedingungen. Dabei bildet München mit seiner hohen Anziehungskraft für Kapital und Talente das Herzstück der bayerischen Startup-Landschaft und hat sich neben Berlin als wichtigster Gründer-Hotspot Deutschlands etabliert. Ein Erfolgsrezept für das Startup-Ökosystem im Süden Deutschlands: Der enge Austausch mit der erstklassigen Hochschul- und Forschungslandschaft. Schwierigkeiten bereiten den bayerischen Entrepreneuren jedoch die hohen Büromieten, insbesondere in der Landeshauptstadt.

Bayerische Startups profitieren von starker Forschungs- und Hochschullandschaft. pixabay.com ©geralt (Creative Commons CC0)

Zu diesen Ergebnissen kommt der 9. Deutsche Startup Monitor (DSM), den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich über 2.000 deutsche Startups beteiligt, davon 236 aus Bayern. 55 Prozent der befragten bayerischen Startups haben ihren Sitz in München.

„Bayern verfügt über ein breites Startup-Ökosystem und mit München über einen klaren Hotspot, der es mit Berlin aufnehmen kann. Doch auch in anderen Regionen Bayerns, etwa rund um Nürnberg und im Allgäu, haben sich in den vergangenen Jahren vielversprechende Startup-Ökosysteme entwickelt.“ Dietmar Eglauer, Standortleiter von PwC in München

„Zentraler Erfolgsfaktor im bayerischen Startup-Ökosystem ist das Innovations- und Gründerzentrum UnternehmerTUM, das europaweit als Best Practice im Bereich der Gründungsförderung gilt und kürzlich um die Initiative FamilienunternehmerTUM ergänzt wurde, die darauf abzielt, aus Startups die Familienunternehmen von morgen zu formen“, so Dietmar Eglauer weiter.

Zwei Drittel sind mit den Standortbedingungen zufrieden

Die bayerischen Gründer:innen wissen die Stärken ihrer Region durchaus zu schätzen: 64 Prozent bewerten das Ökosystem an ihrem Standort positiv. Dabei treten jedoch deutliche Unterschiede zwischen München und den übrigen Regionen Bayerns zutage: In der Landeshauptstadt sind 77 Prozent mit den Bedingungen an ihrem Standort zufrieden, außerhalb Münchens liegt dieser Wert nur bei 46 Prozent.

„Insbesondere beim Zugang zu Kapital und Talenten zeigt sich außerhalb Münchens deutlicher Nachholbedarf. Gerade in der Fläche muss Bayern sein Ökosystem deshalb weiter stärken und noch besser mit dem Standort München vernetzen.“ Sandra Zölch, PwC-Partnerin von der Startup-Initiative Next Level in der Region Süd

Dennoch schneidet das bayerische Startup-Ökosystem bei fast allen Standortfaktoren besser ab als der Bundesschnitt: Als sehr positiv empfinden die Gründer:innen die Nähe zu Universitäten (87 Prozent Zufriedenheit), die kulturelle Attraktivität (74 Prozent) und die Nähe zu Branchen- und Technologieclustern (71 Prozent). Die große Mehrheit schätzt zudem den Zugang zu potenziellen Kunden, das Netzwerk zu anderen Startups und die Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen.

Gut jede:r Zweite (53 Prozent) ist auch mit dem Zugang zu Kapital und Investitionen zufrieden. Bundesweit liegt dieser Wert mit 38 Prozent deutlich tiefer. Nur bei einem der zehn abgefragten Standortfaktoren schneidet Bayern deutlich schwächer ab als der Bundesdurchschnitt: Bei der Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien. Damit sind nur 20 Prozent der bayerischen Startups zufrieden (bundesweit 40 Prozent).

Überdurchschnittlich viele Beschäftigte und geplante Neueinstellungen

Auch personell sind die Startups in Bayern vergleichsweise stark aufgestellt: Sie beschäftigen überdurchschnittlich viele Mitarbeiter:innen (28 im Vergleich zu 18 bundesweit). In den kommenden Monaten sollen im landesweiten Schnitt 13 neue Kolleg:innen hinzukommen (bundesweit 9). Mit der Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal vor Ort sind 58 Prozent der bayerischen Jungunternehmer:innen zufrieden. „Das heißt aber noch nicht, dass Gründer:innen diese Mitarbeitenden immer für sich gewinnen können. Schließlich konkurrieren sie mit vielen erfolgreichen Familienunternehmen und Großkonzernen, die oft höhere Gehälter zahlen“, warnt Dietmar Eglauer.

„Die Anziehungskraft der Region für Talente von außerhalb ist zwar groß, aber insbesondere die extrem hohen Kosten für Wohn- und Büroimmobilien, im Großraum München erschweren die Rekrutierung und Personalplanung.“ Dietmar Eglauer, Standortleiter von PwC in München

Diese Einschätzung bestätigt auch die Untersuchung: 29 Prozent der Befragten zählen die Suche und Einstellung neuer Mitarbeitender mittlerweile zu einer der größten Herausforderungen. 2020 lag dieser Wert noch bei 16 Prozent.

München besticht mit starker Finanzierungslandschaft

Auch beim Thema Geld zeigt sich in Bayern der Graben zwischen München und den übrigen Landesteilen: Die Hauptstadt verfügt als Startup-Hotspot über eine besonders starke Finanzierungslandschaft. In der Fläche gibt es beim Thema Kapital dagegen Nachholbedarf: Während in München zwei Drittel der Startups externes Kapital aufnehmen, ist es im Rest des Bundeslandes nur rund jedes zweite.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Zugang zu Wagniskapital: In München finanzieren sich 34 Prozent der Startups über Venture Capital, außerhalb der bayerischen Hauptstadt nur sieben Prozent. Jedes zweite Münchner Startup wird von Business Angels finanziell unterstützt, im landesweiten Schnitt sind es nur 39 Prozent. Eine große Lücke besteht im ganzen Bundesland bei der Finanzierung durch strategische Investoren: Während 48 Prozent diese Art der Finanzierung gerne nutzen würden, haben lediglich 17 Prozent die Möglichkeit dazu.

Schulterschluss mit Hochschulen als Erfolgsfaktor

Einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der bayerischen Startup-Landschaft ist die enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen: Mehr als jede vierte Gründung in Bayern (28 Prozent) findet im Umfeld von Universitäten statt. Die Stärke der bayerischen Hochschulen liegt dabei in der Verbindung von Wirtschaft und Technologie. So bilden TU und LMU beispielsweise am gemeinsamen „Center for Digital Technology and Management“ an der Schnittstelle von Technologie und Management aus.

Die Hochschulen fungieren in Bayern übrigens nicht nur als Talentschmieden, sondern auch als Treffpunkte, an denen sich die Gründenden am häufigsten kennenlernen: 42 Prozent kennen ihre Mitgründer:innen vom Besuch derselben Hochschule oder Universität. Nicht nur mit der Wissenschaft, auch mit der etablierten Wirtschaft findet in Bayern ein enger Austausch statt: 65 Prozent der hiesigen Startups kooperieren mit etablierten Unternehmen und eröffnen sich damit neue Möglichkeiten. Damit liegen sie aber „nur“ im Bundesschnitt.

„Vor allem bei den Kooperationen mit der etablierten Wirtschaft lassen sich mit Blick auf die Stärke Bayerns im B2B-Bereich noch Potenziale heben.“ Sandra Zölch, PwC-Partnerin von der Startup-Initiative Next Level in der Region Süd

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